Reise
Die Särge mit den Leichen von Otto von Habsburg und seiner Frau Regina in der Kapuzinergruft in Wien - die Bestattung wird am 16. Juli sein. Das Herz Habsburgs soll nach Familientradition in Ungarn beigesetzt werden.
Die Särge mit den Leichen von Otto von Habsburg und seiner Frau Regina in der Kapuzinergruft in Wien - die Bestattung wird am 16. Juli sein. Das Herz Habsburgs soll nach Familientradition in Ungarn beigesetzt werden.(Foto: dpa)

Österreich und sein imperiales Erbe: Touristen kommen wegen K.u.K.

Mit viel Pomp trägt Österreich Kaisersohn Otto von Habsburg zu Grabe. Lebendig war er lange Zeit unerwünscht. Zur Kaiserzeit hat das Land ein k.u.k. Verhältnis: kompliziert und komisch. Doch der einstige Glamour nährt einen wichtigen Wirtschaftszweig Österreichs: den Tourismus. Laut einer Studie ist das imperiale Erbe Hauptgrund für eine Reise nach Wien.

Am Frühstückstisch beißt der Österreicher beim Blick in die "Kronenzeitung" in seine "Kaisersemmel". Lange genug im Staatsdienst hat er es dann zum "Hofrat" gebracht und kann sich Kaffee und Torte beim Wiener "K.u.K Hofzuckerbäcker Demel" leisten. Ein paar Straßen weiter - unweit des berühmten Hotels "Imperial" - bietet der "K.u.K. Hofbarbier" seine Dienste an.

"In Wahrheit ist Österreich immer Monarchie geblieben", urteilte die Wiener Zeitung "Kurier" einen Tag nach dem Tod des einstigen Kronprinzen Otto von Habsburg, der am 4. Juli im Alter von 98 Jahren gestorben war. Liebevoll würden die Symbole früherer Größe gepflegt.

Wie ein Staatsbegräbnis

Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule vor Schloss Schönbrunn.
Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule vor Schloss Schönbrunn.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch die Bestattung des Erstgeborenen des letzten Kaisers von Österreich wird an diesem Samstag als prunkvolles Staatsbegräbnis inszeniert - selbst wenn es nicht so genannt werden darf. Fast alle Politiker geben sich die Ehre, das Militär steht für den einstigen Thronfolger Spalier. Seine Verdienste als CSU-Europapolitiker, der jahrzehntelang in Bayern lebte, geraten da fast in den Hintergrund.

Eigentlich wurde in Österreich die Monarchie sehr konsequent abgeschafft, Adelstitel sind per Gesetz verboten und die Habsburger wurden einst nach jahrhundertelanger Herrschaft des Landes verwiesen. Erst im Juni hat das Parlament, der Nationalrat, den Passus im Wahlrecht aufgehoben, der Mitgliedern der Familie die Kandidatur für politische Ämter im Land verbietet.

Bei der ganzen Inszenierung gehe es aber eher um Nostalgie und kulturelle Erinnerung, als dass sich die Bevölkerung wirklich politisch das Kaiserreich zurückwünsche, analysiert der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier: "Der Bundespräsident muss nicht befürchten, dass man hier in Wahrheit ein absolutistisches Staatsoberhaupt haben will."

"Verklärte Erinnerung an gute alte Zeit"

Das Burgtheater an der Ringstraße in Wien.
Das Burgtheater an der Ringstraße in Wien.(Foto: picture alliance / dpa)

Es sei die verklärte Erinnerung an eine gute alte Zeit, als Österreich in der Welt sehr viel größer und bedeutungsvoller war, sagt Rudolf Roubinek, der Drehbuchautor von Österreichs legendärer Comedysendung "Wir sind Kaiser", in der er den Obersthofmeister Seyffenstein gibt. In der Show hält der fiktive Kaiser Robert Heinrich I. (Robert Palfrader) Hof und empfängt Prominente. Das Publikum mache bei dem Zeremoniell mit unglaublicher Begeisterung mit - das sei selbst für die Macher überraschend. "Damals war Glamour, da war das Imperiale da. Und das gibt's halt jetzt nicht mehr", erklärt Roubinek.

Doch die Nachwirkungen des einstigen Glamours nähren einen von Österreichs wichtigsten Wirtschaftszweigen: den Tourismus. Nach einer Studie von "Wien Tourismus" ist das imperiale Erbe Hauptgrund für eine Reise in die Hauptstadt. Schloss Schönbrunn, die Hofburg, die Ringstraße oder die Spanische Hofreitschule - das alles zieht jedes Jahr Millionen Reisende an die Donau. "Die Habsburger haben sehr viel beigetragen zur Attraktivität Wiens - und tun das noch heute", sagt Sprecherin Vera Schweder. Neben den Bauwerken habe die Familie die Stadt auch zum Zentrum von Kunst und Kultur gemacht: "Das sind lauter Dinge, auf die man stolz sein kann."

Lieber romantisch verklart als kritisch-sachlich

Replik eines Kleides der ehemaligen Kaiserin Elisabeth neben einem Porträt ihres Ehemannes Franz Joseph I. im "Sisi Museum" in der Wiener Hofburg.
Replik eines Kleides der ehemaligen Kaiserin Elisabeth neben einem Porträt ihres Ehemannes Franz Joseph I. im "Sisi Museum" in der Wiener Hofburg.(Foto: REUTERS)

Eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit der Zeit ist bei Touristen wie Einheimischen selten. Die meisten Reisenden suchten eher das romantisch-märchenhafte als die historisch korrekte Darstellung, sagt Schweder: "Sisi - das ist halt international zu einer Marke für sich geworden." Es sei generell ein Phänomen in Österreich, dass man die Kaiserzeit bis hin zum Kitsch nicht historisch kritisch reflektiere, sagt Filzmaier.

Bei der pompösen Bestattung Habsburgs mit zahlreichen Zeremonien geht es vielen Menschen wohl nicht um echte Trauer, sondern eher um das Pflegen kultureller Erinnerungen, sagt der Politikwissenschaftler: "Wenn es auf die Person bezogen wäre, würde es ja voraussetzen, dass er politisch oder gesellschaftlich eine bedeutende Rolle in Österreich gespielt hat. Das hat er definitiv nicht."

Quelle: n-tv.de