Reise
Der Künstler Jason deCaires Taylor will mit seiner Unterwasserkunst die Menschen für den Schutz der Meere sensibilisieren.
Der Künstler Jason deCaires Taylor will mit seiner Unterwasserkunst die Menschen für den Schutz der Meere sensibilisieren.(Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn)
Mittwoch, 25. Januar 2017

Lanzarote - viel mehr als Strand: Unheimliches Unterwassermuseum eröffnet

Die Kanaren sind eher für ihre schroffe Natur, aber nicht gerade als Kulturreiseziel bekannt. Doch Lanzarote überrascht neben der bekannten César-Manrique-Route mit wirklich originellen Museen - zum Beispiel mit einem im Meer, unter Wasser.

Der Besuch des Museo Atlántico an der Südspitze der spanischen Kanaren-Insel Lanzarote ist schon etwas umständlicher als bei einem normalen Museum. Dafür aber auch viel abenteuerlicher: Zunächst muss man sich bis auf die Badehose ausziehen. Danach schlüpft man in einen Neoprenanzug, legt sich einen Gürtel mit Gewichten um, zieht sich Maske, Flossen und natürlich ein Tauchgerät an.

Bilderserie

Carlos Campaña wirft den Motor des Schlauchboots an. Die Fahrt vom Jachthafen Marina Rubicón zum Museum in der Bucht vor dem Strand Las Coloradas dauert nur fünf Minuten. Bevor es runtergeht ins Museum, kontrolliert Carlos, ob auch genug Sauerstoff in den Tanks ist und die Geräte alle richtig funktionieren: "Ich möchte da unten keine bösen Überraschungen erleben."

Wie die meisten anderen Tauchschulen mit einer Lizenz für die wohl ungewöhnlichste Museumsführung der Welt, hat auch Carlos in seinem Tauchzentrum "Lanzarote Non Stop Divers" immer mehr Kunden, die den Unterwasser-Skulpturenpark kennenlernen möchten. Dabei wurden die letzten der insgesamt 240 Skulpturen erst Ende Dezember versenkt. Nun, seit Mitte Januar 2017, hat es offiziell geöffnet.

Einzigartige Unterwasserkunst

Video

Das Unterwassermuseum wurde von Jason deCaires Taylor ins Leben gerufen. Schon seit Jahren macht der britische Bildhauer mit seiner einzigartigen und auch etwas unheimlichen Unterwasserkunst auf sich aufmerksam. 2015 gingen die Bilder seiner vier apokalyptischen Reiter am Ufer der Londoner Themse um die ganze Welt.

Langsam gleitet Carlos mit seinen Gästen 15 Meter hinab in die Tiefe. Schon von Weitem sieht man im weißen Sand auf dem Meeresgrund mehrere schwarze Punkte. Je näher man kommt, umso klarer werden die Konturen einer Figurengruppe. Die Betonskulpturen stellen fünf Kinder dar, die in sogenannten Jolateros sitzen. Jolateros sind aus Ölfässern gebaute Boote, mit denen Kinder auf Lanzarote traditionelle Wettrennen austragen.

"Nachdenken über das Flüchtlingsdrama in Europa"

Den Moment festhalten: Skulptur eines gesichtslosen Selfie-Pärchens im Museo Atlántico.
Den Moment festhalten: Skulptur eines gesichtslosen Selfie-Pärchens im Museo Atlántico.(Foto: Jason deCaires Taylor/CACT Lanzarote)

Ein paar Flossenschläge weiter steht eine andere Bootsskulptur. Auf dem "Floß von Lampedusa" sitzen dicht gedrängt Menschen. Kinder, Frauen, Männer. Obwohl man ihre Gesichter nicht erkennen kann, sieht man, wie sie leiden. "Mit diesem Werk möchte ich zum Nachdenken über das Flüchtlingsdrama in Europa anregen", stellt Jason deCaires Taylor klar.

Wie die italienische Insel Lampedusa waren auch die Kanaren vor der Westküste Afrikas jahrelang Ziel Zigtausender afrikanischer Bootsflüchtlinge, erklärt der Künstler in seinem Atelier im Jachthafen Marina Rubicón. Gleich neben dem Atelier befindet sich ein Informationszentrum für die Besucher des Museo Atlántico.

In seinen Werken geht es aber auch um die Energiewende, Umweltschutz, den Klimawandel oder um uns selber. Er will die Menschen für den Schutz der Meere sensibilisieren, aber auch neue Lebensräume schaffen. Die ersten, vor knapp einem Jahr versenkten Betonskulpturen sind tatsächlich schon von Fischen, Algen und ersten Korallen bevölkert. "Die Strömungen, die Flora und Fauna verändern dabei stetig meine Kunst, machen sie lebendig", sagt Taylor.

Steinernes Selfie unter Wasser

Carlos Campaña führt seine Gäste vorbei an Taylors Skulptur eines gesichtslosen Pärchens, das ein Selfie von sich macht. Wenige Meter weiter schweben die Taucher begleitetet von Dutzenden Barrakudas durch die Skulpturengruppe "El Rubicón". Die 35 Figuren gehen alle in die selbe Richtung, ohne anscheinend zu wissen, wohin es geht. Die Szene einer immer orientierungsloser werdenden Gesellschaft wirkt gespenstisch. Ganz normale Inselbewohner standen für die Figuren Modell. Die Taucher umrunden die Beine eines Mädchens, das auf ihrem Handy gerade Nachrichten checkt.

Die Schwerelosigkeit beim Tauchen erlaubt einem, die Kunstwerke von allen Winkeln zu betrachten. Ein einmaliges Kunsterlebnis. "Ich genieße aber vor allem die Ruhe unter Wasser, die ich in keinem anderen Museum der Welt in dieser Form habe", erklärt Carlos Campaña. Damit nicht nur Taucher Taylors Unterwasserkunst kennenlernen können, sollen demnächst auch Glasboote und sogenannte Tauchhelme zum Einsatz kommen.

Haus von José Saramago

Das José-Saramago-Haus wurde nach dem Tod des Literaturnobelpreisträgers ein Museum.
Das José-Saramago-Haus wurde nach dem Tod des Literaturnobelpreisträgers ein Museum.(Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn)

Schon seit einigen Jahren setzt Lanzarote immer mehr auf originelle Kulturprojekte dieser Art, um Touristen anzulocken und neue Alternativen zu bieten. Zwar nicht ganz so abenteuerlich wie das Museo Atlántico, aber mindestens genau so originell ist beispielsweise das José-Saramago-Haus.

Der portugiesische Literaturnobelpreisträger verbrachte die letzten 18 Jahre seines Lebens auf Lanzarote. Mit seiner Frau Pilar lebte er in Tías, zentral auf der Insel gelegen. Sein Haus, in dem er 2010 starb, wurde vor fünf Jahren als Museum eröffnet. Doch ist es bei Weitem kein normales Museum. Alles wurde genau so belassen wie zu Lebzeiten des Künstlers.

Auf dem Schreibtisch steht der alte Computer, auf dem Saramago Romane wie "Der Doppelgänger", "Die Stadt der Sehenden" oder "Die Reise des Elefanten" schrieb. Im Bücherregal stehen Familienfotos, in einer Glasvitrine seine Füllfedersammlung. Seinen alten Kassetten nach zu urteilen, liebte er Bach. Tiefe Einblicke in sein ganz privates Leben.

Einladung zum Kaffee

Das Wohnhaus von César Manrique in Haría.
Das Wohnhaus von César Manrique in Haría.(Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn)

Unweigerlich kommt das Gefühl auf, Saramago könnte gleich aus dem Nachbarzimmer hereinspazieren und einen persönlich begrüßen. Vor allem in der Küche. Hier saß Saramago früher mit vielen berühmten Freunden wie Susan Sonntag, Pedro Almodóvar - aber auch mit Fans.

Häufig klingelten sie einfach an der Tür. Doch sie bekamen nicht nur Autogramme. Immer wenn er Zeit hatte, lud Saramago sie auf eine Tasse portugiesischen Kaffee in die Küche ein. Diese Tradition pflegt man beim Museumsrundgang heute noch.

15.000 Bücher in Privatbibliothek

Beeindruckende 15.000 Bücher zählt seine private Bibliothek im Nachbargebäude. Doch lebte Saramago nahezu bescheiden, vergleicht man sein Heim mit dem Hausmuseum des Schauspielers Omar-Sharif mit seinen Felsgärten, Höhlen und Tunneln.

Oder dem extravaganten Wohnhaus des bekannten Inselkünstlers César Manrique in Haría im Norden Lanzarotes. Es ist seit dem Jahr 2013 als Museum zugänglich.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen