Reise
Hübsche Felsen im Wasser gibt es auch abseits der Apostel - zum Beispiel hier am Split Point.
Hübsche Felsen im Wasser gibt es auch abseits der Apostel - zum Beispiel hier am Split Point.(Foto: Julian Vetten)

Ab vom Schuss: Unterwegs auf der Great Ocean Road

Von Julian Vetten, Apollo Bay

Teilen macht Spaß - außer, es geht um den Urlaub: Sich gegenseitig auf den Füßen herumzustehen, nimmt dem Erlebnis das Besondere. Gut, dass es auf Australiens schönster Straße so viele versteckte Schätze zu finden gibt.

An den Zwölf Aposteln (Twelve Apostles) geht es zu wie in einem Taubenschlag: Hunderte Besucher rempeln sich den breiten Asphaltweg zu den verschiedenen Aussichtsplattformen entlang, von denen man einen Blick auf eines von Australiens ikonischsten Naturdenkmälern hat. Sie alle wollen das perfekte Bild von der beeindruckenden Felsenformation machen, die bis zu 60 Meter hoch vor der Südküste Victorias im Meer thront - und haben ein Problem: die anderen Menschen. Und so trampeln sich die Besucher gegenseitig auf den Füßen herum, während sie ihre Selfiesticks ausfahren, um ein Bild der Zwölf Apostel (die erosionsbedingt nur noch zu neunt sind) zu ergattern, ohne den kamerabewehrten Nebenmann auch gleich mit auf dem Foto zu haben. Die gewaltigen Apostel selbst kann bei all dem Trubel niemand so richtig genießen.

Hübsch sind sie ja - aber was das Foto nicht zeigt: Für diese Aufnahme muss man die Kamera am ausgestreckten Arm halten und blind fotografieren, falls man nicht gleichzeitig seinen ebenfalls fotografierenden Nebenmann mit auf dem Bild haben möchte.
Hübsch sind sie ja - aber was das Foto nicht zeigt: Für diese Aufnahme muss man die Kamera am ausgestreckten Arm halten und blind fotografieren, falls man nicht gleichzeitig seinen ebenfalls fotografierenden Nebenmann mit auf dem Bild haben möchte.(Foto: Julian Vetten)

Die Krux mit dem Tourismus ist ja bedauerlicherweise, dass das Erlebnis für den Einzelnen geschmälert wird, wenn zu viele andere Menschen auf dieselbe Idee kommen. Die Great Ocean Road, deren Höhepunkt eigentlich die Apostel darstellen sollen, ist dafür das perfekte Beispiel: Die Straße schlängelt sich über eine Strecke von 243 Kilometern südlich von Melbourne an der Küste entlang und hat den Ruf, eine der schönsten Straßen der Welt zu sein. Die Aussichten, die hinter fast jeder Kurve warten, sind in der Tat spektakulär. Allerdings nur, wenn man im Verkehrsstress überhaupt die Möglichkeit hat, darauf zu achten: Auf der Straße geht es nämlich mithin zu wie zur Rushhour in einer Großstadt - kein Wunder bei rund 7,5 Millionen Besuchern jährlich.

Foto, Foto, Foto: Aber wo bitteschön sind denn diese Apostel jetzt eigentlich?
Foto, Foto, Foto: Aber wo bitteschön sind denn diese Apostel jetzt eigentlich?(Foto: Julian Vetten)

Sollten Australienbesucher die Great Ocean Road also besser von ihrer To-Do-Liste streichen? Mitnichten, schließlich warten abseits der ausgetretenen Pfade unzählige große und kleine Schätze, die entdeckt werden wollen. Die folgenden Beispiele sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was die Great Ocean Road zu bieten hat und sollten als Anreiz verstanden werden, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen: Nicht, dass am Ende der Reise doch noch ein Apostel-Déjà-vu droht.

Gehen

Wer sich morgens in Blanket Bay aus dem Zelt schält, wird mit diesem Ausblick belohnt - kann man schon mal machen.
Wer sich morgens in Blanket Bay aus dem Zelt schält, wird mit diesem Ausblick belohnt - kann man schon mal machen.

Der Great Otway National Park ist sicherlich die beste Adresse für ausgedehnte Wandervergnügungen: Wer will, kann wochenlang durch den mehr als 1000 Quadratkilometer großen Park streifen, ohne sich an der grünen Regenwaldlandschaft sattzusehen. Oder aber, ganz geplant, den Great Ocean Walk in Angriff nehmen: Knapp 100 Kilometer windet sich der Fernwanderweg von Apollo Bay im Osten nach Glenstead Ample im Südwesten und zeigt Victoria dabei von seiner besten Seite - raue Küstenabschnitte, wunderschöne Strände und dichte Eukalyptuswälder mit putzigen Koalas inklusive. Wem eine mehrtägige Wanderung aus Zeit- oder Bequemlichkeitsgründen nicht in den Kram passt, der kann auch einzelne Abschnitte von einem der sieben am Weg gelegenen Camps aus starten, die allesamt mit dem Auto erreichbar sind.

Sehen

Und noch ein Blick direkt aus dem Zelt: der unterste Teil der Cora-Lynn-Wasserfälle.
Und noch ein Blick direkt aus dem Zelt: der unterste Teil der Cora-Lynn-Wasserfälle.

Nicht weit von Lorne entfernt liegen die Erskine Falls, ein wunderschönes Wasserfallsystem. Weil die Wasserfälle leider ebenso touristisch erschlossen sind wie sie tief in den (per Auto erreichbaren) Wäldern liegen, stellt sich unweigerlich schnell das Apostel-Syndrom ein. Glücklicherweise wartet nur ein paar Kilometer weiter an derselben Straße der Zugang zu den Cora Lynn Cascades: Die sind zwar nicht ganz so hoch wie Erskines, durch ihre treppenartige Struktur aber nicht minder spektakulär. Dazu kommt, dass erstaunlicherweise kaum jemand den knapp vier Kilometer langen Abstieg zu den Fällen auf sich nimmt - man hat sie also meistens ganz für sich allein. Wer sich die Mühe macht, seine Campingausrüstung mitzunehmen und spät genug losläuft, kann entlang des Weges auf halber Strecke auf einer ausgewiesenen Lichtung sein Zelt aufschlagen - oder im Notfall (das Campingplätzchen ist nämlich einfacher zu übersehen, als man denkt) direkt auf einer perfekt zugeschnittenen Steinplatte neben den Wasserfällen absteigen.

Liegen

Ganze 58 Caravan-Parks liegen entlang der Great Ocean Road, eine der höchsten Dichten in ganz Australien. Die allermeisten von ihnen sind zwar einfach zu finden, dafür aber auch groß und vergleichsweise teuer. Neben den auf Massentourismus ausgelegten Parks gibt es aber noch gut dreimal so viele Campingplätze, von denen manche schlichte Schlaflichtungen sind (wie oben beschrieben), während man sich auf einigen wie im Paradies auf Erden fühlt.

Einer der schönsten ist sicherlich Blanket Bay: Eine ziemlich holprige Schotterpiste sorgt dafür, dass der Platz selbst zur Hauptsaison nicht überfüllt ist - ein Wunder angesichts des wild-romantischen Strandes, der unterhalb des Platzes liegt und der ohne Frage zu einem der größten Geheimtipps an der Great Ocean Road gehört. Wer sich irgendwann von dem Anblick losreißt, kann einen Abschnitt des durch das Camp führenden Great Ocean Walks entlangwandern und sich schon mal auf das Abendessen an einem der festinstallierten Barbecues mit Meerblick freuen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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