Reise
Mit dem Rad lässt sich gut die grüne Seite Vancouvers entdecken.
Mit dem Rad lässt sich gut die grüne Seite Vancouvers entdecken.(Foto: Sonja Gurris)
Samstag, 15. Juli 2017

Sightseeing mit Rad oder Kajak: Vancouver-Touren aus neuer Perspektive

Von Sonja Gurris, Vancouver

Ein Sightseeing-Bus ist die bequeme Art, um die schönsten Orte Vancouvers zu sehen. Auf dem Rad oder mit dem Kajak jedoch zeigt sich die Metropole im Westen Kanadas dagegen von ihrer wilden Seite - und offenbart Überraschungen.

Der Verkehr auf der Hornby Street ist ziemlich dicht, dennoch versucht ein Dutzend Fahrradfahrer sein Glück. Tourguide Paulo Oconnor heizt mit Witz zu Beginn schon mal ein: "Wisst ihr, Leute, das hier ist die größte Straße in Vancouver mit den kürzestesten Lebenszeiten. Wir haben nur 11 Sekunden, um das gemeinsam zu überqueren."

"Ready for the challenge?", tönt er. Ein Mann, ein Wort. Der drahtige Typ, der wie ein Rennradfahrer aussieht, treibt die Sightseeing-Truppe auf dem Bike an. Los geht's mit Tempo über die erste große Kreuzung, begleitet vom gedämpften Stadtlärm. Ob das gut geht?!

Die Fahrradstraßen von Dowtown Vancouver.
Die Fahrradstraßen von Dowtown Vancouver.

Paulo Oconnor versucht die Radler durch den Großstadtdschungel zu geleiten und dabei gleichzeitig die interessanten Vancouver-Facts zu erläutern. Doch zunächst heißt es "Safety first" und er erklärt seine Handsignale - arme links - Linkskurve, Arme rechts - Rechtskurve, Stoppen - ein Arm nach unten. Und er deutet auf die breiten grünen Radspuren: "Es gibt eine neue Radkultur in Vancouver. Wir lieben unsere Radspuren, aber die gibt es erst seit vier Jahren." Der Bürgermeister hat für sie gekämpft. Insgesamt gibt es mehr als 300 Kilometer Radwege in Vancouver. Ideal, um durch die Bezirke und den Stanley Park, entlang des Hafens mit Blick auf den Canada Place, zu radeln. Diese Stadt ist grün und das spürt man.

Zwischen die Häuserschluchten

In der Nähe des Canada Place landen viele Floatplanes - dahinter zu sehen ist der Stanley Park.
In der Nähe des Canada Place landen viele Floatplanes - dahinter zu sehen ist der Stanley Park.(Foto: Sonja Gurris)

Die ersten Minuten geht es durch die Häuserschluchten von Downtown, dann in die Nachbarschaften, in denen die Großstädter leben. "Die Mieten sind ziemlich hoch", erklärt der Tourguide inmitten eines Viertels, das Nahe des Stanley Parks liegt. Wenige Minuten später geht es rasant bergab. Immer schön links und rechts die Fußgänger beachten und dann ab ins Grüne. Der größte Park Vancouvers zeigt: Natur und City - es geht beides!

Alle Radler fahren geordnet hintereinander, das funktioniert deutlich besser als gedacht, dann und wann hält Paulo die Kolonne an, schwärmt von seinem Vancouver und erklärt beispielsweise die Geschichte der kanadischen Ureinwohnern. Nach einer kurzen Pause geht es weiter durch den wunderbar grünen Park mit Blick auf die Hochhäuser der Stadt. Zwischendurch meckert Paulo einen Biker an, der auf der falschen Seite entgegenkommt.

Regenwald in Vancouver

Eine Minute später: Die Kolonne biegt nach links und zack - man fühlt sich wie Alice im Wunderland, die durch ein Loch in eine andere Welt gefallen ist: Es geht durch eine kleine Unterführung in den Regenwald, mitten in der Stadt. Ein echter Aha-Effekt, der sich vervollständigt, als der sportliche Tourguide Biberteiche und Riesenbäume vorstellt. Und das alles mitten in einer Großstadt wie Vancouver? Ja, das gibt es hier tatsächlich.

Kaum zu glauben, wie schnell drei Stunden Rad-Sightseeing vorbeigehen, als Paulo alle aus dem Alice-Land zurück in den realen und lauten Großstadtdschungel bis zum Fahrradladen bringt. Alle haben es geschafft.

Sightseeing im Kajak

Doch das ist nicht die einzige Art, Vancouver auf anderen Wegen zu erleben. Die Stadt liegt am Wasser - und genau das brachte sportaffine Reiseveranstalter auf eine Idee. Sightseeing auf dem Wasser - nicht im Boot, sondern im Kajak. Besonders gut geht das auf Granville Island. Im Verleih von Ecomarine Paddlesport werden sogar geführte Sightseeing-Touren im Kajak angeboten. Wer das nicht möchte, hat Alternativen: "Na, dann macht ihr das halt alleine - das bekommen auch Anfänger hin und dann geht ihr nicht aufs Meer, sondern in den Kanal, dann ist es einfacher", erklärt der junge Mann im Laden. Okay, gesagt, getan.

Fürs Kajaken braucht man wenig Hilfe - und los geht's zum Sightseeing der anderen Art.
Fürs Kajaken braucht man wenig Hilfe - und los geht's zum Sightseeing der anderen Art.(Foto: Sonja Gurris)

Noch schnell Handys und elektronische Geräte wegpacken und dann geht es ran an den Steg. Zwei Studenten machen eine fünfminütige Einweisung und dann beginnt das Abenteuer. Beim Einstieg schwankt es ganz schön. Aber die echte Herausforderung kommt erst noch. Auf Kommando wird gestartet und prompt kreuzen mehrere Jetskis den Weg, denen man ausweichen muss. Dabei kommt man nicht nur aufgrund der körperlichen Ertüchtigung ins Schwitzen, ein bisschen Adrenalin ist bei den Ausweichmanövern für Anfänger auch dabei. Das Paddeln an sich klappt aber erstaunlich gut. 

Auch die Sonne über Vancouver meint es gut: Es wird wärmer und wärmer und nach 20 Minuten spüren Ungeübte die Muskulatur der Oberarme deutlich. Zum Glück ist die Ablenkung groß: Rechts große Streetart an den Industriehallen von Granville Island, links der fulminante Blick auf das Treiben in Downtown. Aber Achtung, da vorne kommt schon das nächste kleine Wassertaxi, das im Weg ist - und eben die Kajaks. Ausweichmanöver die 12. - klappt.

Erschöpft geht es zurück Richtung Verleih. "Dort, wo die roten Flaggen sind, da müsst ihr hin", hieß es zu Beginn. Das lässt sich einrichten. Fix und fertig, aber glücklich kann man sich nach diesem sportlichen Wassersightseeing erstmal so richtig entspannen. Am Public Market von Granville gibt es Streetfood, Cakes und alles, was das Sportlerherz oder der -magen noch so begehrt. So lässt es sich in Vancouver aushalten. Erst Sport machen und den Ausblick genießen und dann ein lauschiges Plätzchen in der Sonne suchen. Das ist genauso lässig wie die Stadt selbst. Und das, obwohl es eine der größten Städte Kanadas ist.

*Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.    

Quelle: n-tv.de

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