Schweizer WintertourismusVon Krise kalt erwischt
Rekordverdächtige Schneemengen machen in der Tourismusindustrie noch keine ebensolche Wintersaison. Diese Erfahrung musste die Schweiz in der zu Ende gehenden Saison machen.
Rekordverdächtige Schneemengen machen in der Tourismusindustrie noch keine ebensolche Wintersaison. Diese Erfahrung musste die Schweiz in der zu Ende gehenden Saison machen. Nach einem schwungvollen Start kühlte die Wirtschaftskrise die Ski-Laune von Engländern, Amerikanern und schließlich auch Deutschen empfindlich ab, und der Aufschwung des Franken ließ die Kaufkraft der Gäste dahinschmelzen.
Keine Hoffnung auf Besserung
Bei einem Minus von 5,3 Prozent bei den Übernachtungen von November bis Februar macht man sich vorerst keine Hoffnung auf Besserung. "Was wir ganz sicher wissen: Dass es ein rauer Sommer wird", sagt Gaudenz Thoma, Tourismus-Chef der größten Schweizer Ferienregion Graubünden. "Und damit meine ich nicht das Wetter."
Am Wetter hat es auch in diesem Winter nicht gelegen. Von November an lag der Schnee zu beiden Seiten der Alpen überdurchschnittlich dick, häufig schien die Sonne. Für die eidgenössischen Hoteliers lief das Geschäft zunächst auch besser als erwartet. Der Knick kam nach der Jahreswende und damit in den traditionell umsatzstarken Monaten. Deutsche Gäste - nach den Inländern die zweitgrößte Gruppe - etwa buchten im Februar nur noch 517.000 Übernachtungen; im Vorjahresmonat waren es 562.000 gewesen.
Die an dritter Stelle rangierenden Engländer brachten im Februar noch 230.000 Übernachtungen ein - rund ein Fünftel weniger als im Vorjahresmonat. Diese Einbuße wiegt schwer, weil englische Urlauber pro Tag in der Schweiz im Schnitt 230 Franken ausgeben. Das ist deutlich mehr als Deutsche (170), Holländer und Schweizer (je 140).
Überdurchschnittlich hohe Einbrüche
Dabei waren es nicht einmal in erster Linie die Skifahrer, die wegblieben. Die Regionen Zürich und Genf, die viele Geschäftsreisende anziehen, registrierten überdurchschnittlich hohe Einbrüche. Die Schweizer Fremdenverkehrszentrale begründet das mit der Wirtschaftslage, dem wegen des Schaltjahrs fehlenden Tag und dem Franken, der sich für englische Gäste etwa binnen Jahresfrist um ein Viertel verteuert hat. Einer Faustregel zufolge schlägt das mit halber Kraft auf die Nachfrage durch.
Urlauber aus dem Euroraum bekamen im Dezember 2007 noch um die 1,65 Franken für einen Euro, inzwischen sind es nur noch etwa 1,50 - und genau dort verläuft nach Thomas Erfahrung ihre "Schmerzgrenze".
Insgesamt aber will der Tourismus-Chef nicht von einem dramatischen Einbruch sprechen, wie ihn das Land etwa von 2001 bis 2003 erlebte. Denn im Vergleich zum Januar und Februar 2007 lagen die Übernachtungen zwischen Bodensee und Genfer See immer noch um 1,1 Prozent im Plus. Hoteliers und Gastwirte seien "eigentlich bescheiden zufrieden", sagt Thoma.
Aller Erfahrung nach reagiere der Tourismus jedoch mit Verzögerung auf die Wirtschaftslage - schließlich werden Reisen meist Monate im Voraus gebucht. Deshalb könne es sein, dass der schwierige Winter erst noch komme.