Donnerstag, 08. Juli 2010
Wohnwagen auf dem Wasser: "WaterCamper" erobern Gewässer
Wasserwandern in einem schwimmenden Wohnwagen: Diese Art des Reisens nennt sich "WaterCampen". An der Mecklenburgischen Seenplatte ist das möglich. Dort montiert eine Firma die Wohnwagen auf Katamarane.Urlaub auf dem Wasser wird in Deutschland immer beliebter. Fast wie Pilze schießen Charterfirmen an der Mecklenburgischen Seenplatte aus dem Boden, dem größten zusammenhängenden Fluss- und Seengebiet in Mitteleuropa. Bisher buchen Hobbykapitäne Hausboote, Yachten und Flöße. Nun können sie auch im Wohnwagen über das Wasser schippern. "Wir haben den 'WaterCamper' entwickelt", sagt der Geschäftsführer der Technus KG Teterow, Bernd Krafft, der damit eine neue Zielgruppe ansprechen will, die Camper. Das Unternehmen verfrachtet klassische Wohnwagen mit allem Komfort auf einen Katamaran. "Die ersten sind damit schon bis Berlin und Werder/Havel gefahren", berichtet Krafft.
Seit 2004 baut er in seiner Firma Schwimmsysteme. Waren es bisher vor allem Badeinseln, die auf Seen und Gewässern von Bayern bis Hamburg schwimmen, fertigte Krafft später auch Flöße mit stabilem Schwimmunterbau. "Dann kauften sich meine Kinder einen Wohnwagen und ich dachte, komfortabler kann man ein Floß gar nicht bestücken", erzählt der 49-Jährige. Die Idee für den "WaterCamper" war geboren. Die Wasserfahrzeuge haben einen 60-PS-Motor als Antrieb und zum Manövrieren zwei Seitenstrahlruder.
Annehmlichkeiten moderner Wohnwagen
So müssen wasserbegeisterte Camper jetzt nicht mehr nur am Ufer liegen, sondern können auch selbst "schippern", ohne auf die Annehmlichkeiten moderner Wohnwagen zu verzichten. Dazu gehören auf 48 Quadratmetern Gaskocher, Heizung und TV-Anlage sowie eine Terrasse. "Für die meisten Kunden ist wichtig, dass alles auf einer Ebene passiert", erzählt Sarah Engel, die von Waren aus den Charterpoint Werder/Havel bei Berlin leitet.
Das System scheint einfach: Auf Plastik-Schwimmkörpern montieren die Teterower ein stabiles Metallsystem. Als Laufboden dient widerstandsfähiges Holz. Per Kran wird der Wohnwagen - ohne Fahrgestell und Motor - darauf gehoben, ringsherum wird eine Reling montiert, vorn und hinten eine Persenning gespannt. "Wir wollen keine Konkurrenz zu Yachten sein", stellt Krafft klar. Vor allem ältere Urlauber und Familien mit Kindern hätten den "WaterCamper" bisher probiert, sagt Engel. "Wir werden Wiederholungstäter", schreibt eine Familie aus Speyer am Rhein ins Besucherbuch. "Das Boot und die Fahrt waren wunderbar", schwärmt eine Familie aus Bremen, die zwischen Waren und Plau (Kreis Parchim) unterwegs war.
Bis Windstärke vier zugelassen
Für die rund 250 Kilometer zwischen Müritz und Berlin müssen nach Angaben von Charterfrau Engel etwa zwei Wochen eingeplant werden. "Durch den geringen Tiefgang kommen die Gefährte auch dichter ans Ufer als die meisten Schiffe", lautet Engels Erfahrung. Besonders kommt den gemütlichen "Wassercampern" dabei entgegen, dass fast das ganze Fluss- und Seengebiet zwischen Berlin, Waren, Neustrelitz und Schwerin führerscheinfrei befahren werden kann.
Probleme bei Sturm seien trotz der Größe der "WaterCamper" bisher nicht aufgetreten. "Sie sind bis Windstärke vier zugelassen, wie alle Sportboote, aber auch bei Stärke sechs gab es beim Test keine Probleme", erläutert Krafft. Damit die Fahrzeuge zum Wasserwandern später auch auf Flüssen wie Elbe oder Rhein unterwegs sein dürfen, arbeitet Krafft mit der Universität Rostock zusammen. "Wir testen gerade die anderen Strömungsverhältnisse, die ersten Ergebnisse werden im Sommer erwartet."
dpa
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