Reise
Der Flughafen Frankfurt ist der größte in Deutschland.
Der Flughafen Frankfurt ist der größte in Deutschland.(Foto: imago/Rüdiger Wölk)
Mittwoch, 29. Juni 2016

Nach Terror in Istanbul und Brüssel : Wie sicher sind deutsche Flughäfen?

Millionen Passagiere halten sich täglich auf Flughäfen auf. Terroristen haben diese Ziele schon mehrfach ins Visier ihrer Anschläge genommen. In Brüssel und in Istanbul starben viele Menschen, weil sich Selbstmordattentäter vor oder im Flughafengebäude in die Luft sprengten. Solche Ereignisse schüren bei Reisenden Angst und werfen die Frage auf, ob sich Flughäfen überhaupt gegen Terror wappnen können. n-tv.de spricht darüber mit dem Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel.

n-tv.de: Wie gut sind deutsche Flughäfen gegen Terrorakte wie in Istanbul oder Brüssel geschützt?

Ralph Beisel: Wir haben nach den Anschlägen in Paris, obwohl die Flughäfen gar nicht betroffen waren, mit den Sicherheitsbehörden in Deutschland, vor allem mit der Bundespolizei, alle unsere Sicherheitskonzepte noch einmal auf den Prüfstand gestellt. Gerade im Nachgang zu den Ereignissen am Flughafen Brüssel, wo das Terminal betroffen war, haben wir ganz dezidiert geschaut, was man tun kann, um den Schutz in den Terminals zu erhöhen. Die deutschen Flughäfen setzen alles daran, die Bundespolizei und Behörden bei der Wahrnehmung ihrer hoheitlichen Aufgabe zu unterstützen.

In Istanbul begann der Terror aber schon vor dem Terminal. Wie sehen Sie das?

Wir sehen uns mit unserem Konzept bestätigt, dass Kontrollen vor dem Terminal kein Sicherheitsgewinn sind. Denn vor dem Terminal lassen sich die Reisenden viel weniger schützen als in gut überwachten Terminals. Tatsächlich kommt es dort zu einer Schlangenbildung und die Menschen sind leichtes Opfer von terroristischen Gewalttaten.

Ralph Beisel ist Geschäftsführer des Flughafenverbandes ADV.
Ralph Beisel ist Geschäftsführer des Flughafenverbandes ADV.(Foto: Flughafenverband ADV)

Wie wird denn der Außenbereich auf deutschen Flughäfen geschützt?

Wir setzen auf Überwachungssysteme. Eine Vollkontrolle vor den Terminals lehnen wir auch deshalb schon ab, weil wir sagen, dass das Ziel noch "weicher" – so formuliert man das in Sicherheitskreisen - wird. Für Terroristen ist das noch leichter zugänglich, dadurch erhöht man noch die Bedrohungslage.

Wie sieht das Spektrum der Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen konkret aus?

Insbesondere die Sicherheitsbehörden mit den Einsatzkräften der Bundes- und Landespolizei überwachen öffentliche Räume wie Flughäfen. Das sind Einsatzkräfte in Uniform und Zivil. Das geht dann so weit, dass man im Terminal Verhaltensbeobachtungen durchführt. Das ist ein ganz wichtiges Mittel. Gibt es Menschen, die sich auffällig verhalten, die besonders nervös sind, die vielleicht Laufwege haben, die darauf hindeuten, dass sie etwas auskundschaften? Dann können solche verdächtigen Personen direkt in Zugriff genommen werden. Zusätzlich arbeiten wir mit Systemen der Videoüberwachung und Gesichtserkennung.

In der Vergangenheit gelang es Menschen, durch die Sicherheitschecks zu kommen, ohne kontrolliert zu werden. Was tun Sie, um das zu verhindern?

Hier haben wir eines der schärfsten Sicherheitssysteme etabliert, das man sich nur wünschen kann. Es gibt regelmäßige Inspektionen durch die EU-Kommission, durch die Bundespolizei und auch noch durch die Landespolizei. Dabei werden Sicherheitsmängel festgehalten. Dort wird auch geschaut: Wo sind die Schwachstellen, was ist zu verbessern?

Auf dem israelischen Flughafen Ben-Gurion herrscht nochmal eine ganz andere Sicherheitsstufe, um Anschläge zu verhindern. Wie stehen Sie dazu?

Mit uns wie mit den Sicherheitsbehörden kann es kein Profiling nach israelischem Beispiel geben. Das ist, was man "Social" oder gar "Racial Profiling" nennt. Wir stellen uns Verhaltenskontrollen vor, die man mit dem  Fachbegriff "Behavior Pattern Recognition" bezeichnet. Bei Auffälligkeiten befragt man die Menschen.

Aber wenn ein Terrorist gewillt ist, in den Flughafen zur stürmen oder er kommt mit einem Bombengürtel vor das Gebäude und will sich in die Luft sprengen, sind alle diese Maßnahmen, die Sie angesprochen haben, doch ein Tropfen auf den heißen Stein, oder?

Das ist eine berechtigte Frage. Wir können auch nicht die Illusion vermitteln, dass wir eine hundertprozentige Sicherheit erreichen können. Das ist ausgeschlossen. Wir können einfach nur sagen, dass man das Menschenmögliche macht, um in diesen öffentlichen Räumen, die es nicht nur am Flughafen gibt, sondern in jedem Bahnhof oder Kaufhaus, das Maximale an Sicherheit zu erreichen. Die beste Sicherheitsstrategie ist und bleibt die Gefahrenabwehr. Eine europäisches Anti-Terror-Zentrum halte ich für sinnvoll.

Terroristen gegen Behörden - wie schwierig ist dieser Kampf?

Fachleute der Sicherheitsbehörden kennen den Stand der terroristischen Technik, zum Beispiel in den einschlägigen Foren, und versuchen dann mit einer stetig verbesserten Einsatz- und Kontrolltechnik angemessen zu reagieren. Das ist eine schlimme Sache. Es gibt auch Menschen, die davon sprechen, dass es ein stetiges Wettrüsten zwischen Terroristen und Sicherheitsbehörden gibt.

Was wünschen Sie sich für Zukunft?

Ich hoffe, dass man wieder auf normales Maß zurückkommt. Denn am Ende des Tages sind unsere persönlichen Freiheitsrechte davon betroffen. Ich wünsche mir einfach Lust am Reisen, sodass es in Zukunft Freude bereitet und man sich nicht vom ersten bis zum letzten Schritt kontrolliert fühlen muss. Flughäfen sind Orte der Freiheit und der Mobilität, keine Festungen.

Mit Ralph Beisel sprach Sonja Gurris

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen