Reise
Fuerteventura lädt mit seiner wilden Landschaft zu allerlei Wassersportarten ein.
Fuerteventura lädt mit seiner wilden Landschaft zu allerlei Wassersportarten ein.(Foto: imago/blickwinkel)

Cluburlaub auf Fuerteventura : Wildes Meer und Misswahl-Trubel

Von Carola Ferstl

Das sonnige Fuerteventura ist bekannt für praktischen Familien- und Sporturlaub. Und wenn die Finalistinnen der Miss-Germany-Wahl proben, bietet die kanarische Insel außerdem noch Bikini-Schönheiten und Showeinlagen.

Lange Beine und Stöckelschuhe, wallende Haare im Wind, schöne Frauen wohin man schaut ... Moment mal, so hatte ich Cluburlaub nicht in Erinnerung. Eher mit Kidsclub, tanzenden Stofftieren und weißen Tennisröcken am Frühstückstisch. Aber hier bin ich, im Aldiana auf Fuerteventura und alles scheint mit rechten Dingen zuzugehen: 24 Missen aus ganz Deutschland sind "in the house", um sich, ganz im Stil der beliebten TV-Model-Wettstreits, in einer Art Stiletto-Bootcamp auf die Wahl zur Miss Germany vorzubereiten.

Tipps für Fuerteventura

Bestes Surfrevier:
Playa Sotavento: viel Wind und eine herrliche Lagune bei Flut.

Schönstes Dorf:
Antigua, war zeitweise die Hauptstadt der Insel: Hübsche Herrenhäuser und Windmühlen geben einen Einblick in die Vergangenheit des Eilandes.

Tierisches:
Schildkrötenaufzucht im Hafen von Morro Jable: Das Projekt will helfen, die unechte Karrettschildkröte wieder auf der Insel anzusiedeln.

Landschaftliches:
Die Wanderdünen von Corralejo: Auf einem 20 Quadratkilometer großen Gebiet bis hinunter zum Meer sind die Sandmassen immer in Bewegung - perfekt für Spaziergänger, verboten für Jeeps.

Keine Frage, um diese Jahrezeit findet man kaum einen besseren Ort, um Sonne auf winterweiße Haut zu bekommen und schon in T-Shirt oder Bikini rumzulaufen, als die Kanarischen Inseln. Fuerteventura ist die zweitgrößte Insel des Archipels und für seine kilometerlangen Strände an der Ostküste berühmt. Wegen des starken Windes kommen hier vor allem Wassersportler auf ihre Kosten. Gerade in den letzten Jahren ist das Kitesurfen zu einer neuen Trendsportart  geworden. Überall an der Küste sieht man inzwischen die riesigen Drachen über das Meer jagen, an ihnen hängen scheinbar mühelos die wagemutigen Surfer auf ihren Brettern und geben sich dem Geschwindigkeitsrausch hin. 

Ich ziehe es vor, in der Lagune des Sotavento Strandes zu spazieren, lasse mich von den verschiedenen Türkistönen des Wassers berauschen, wohl wissend, dass ich jederzeit mit einem tieffliegenden Lenkdrachen rechnen muss. Denn das Wasser steht bei Flut knietief auf dem Strand und bietet beste Voraussetzungen für Übungsflüge der nahegelegenen Surfschule. Aber wer will schon surfen, wenn nebenan reichlich hübsche Mädchen den richtigen Aufritt für den Abend üben? Alle Miss-Germany-Anwärterinnen müssen ihre Talente zeigen und sich warmlaufen für die große Show im Freizeitpark Rust am 20. Februar.

Missen stellen sich vor

Ich bin gespannt, was man so alles für Talente hat, wenn man die schönste Frau Deutschlands werden will und finde mich mir nichts dir nichts in der Jury der abendlichen Talentshow wieder. Neben Rolfe, bekannt aus Heidi Klums TV-Model-Zirkus und hier bei den Missen Lauftrainer und Juror in einem, darf ich Platz nehmen und gespannt auf die Darbietungen warten. Kurz gesagt, die Talente reichen von Schuhplattler der Miss Bayern über einige mehr oder weniger erotische Ausdruckstänze, Malarbeiten, einen Poetry Slam und Sketcheinlagen bis hin zum Cup-Song der Miss Schleswig-Holstein. So sieht das Talent aus, mit dem die hübsche 19-jährige Miss aus dem hohen Norden überzeugt. Mich nicht wirklich, aber meine Stimme zählt ja nur anteilig.

Teilnehmer der Miss Germany Wahl bereiten sich auf Fuerteventura vor.
Teilnehmer der Miss Germany Wahl bereiten sich auf Fuerteventura vor.(Foto: fuerte-Photo)

Der Applaus des Publikums lässt keinen Zweifel - die Sympathien fliegen der natürlich wirkenden jungen Dame einfach so zu. Mit Schärpe und Tränchen in den Augen nimmt sie am Ende einen Gutschein für eine Woche Cluburlaub in Empfang und verabschiedet sich mit ihren Kolleginnen schon bald von der Bühne. Früh am nächsten Morgen sind sie fort die Missen und beim Frühstück regiert bereits wieder "Flosse" am Pool, das Maskottchen des Clubs in Form eines übergroßen blauen Plüsch-Delfins, der mit den Kleinkindern unüberhörbar laut den neuen Tag einstimmt.

Raus in die wilde Natur

Also nichts wie weg an den Strand. Denn da gibt es noch ganz andere Wesen mit langen Beinen zu sehen. Marabus und Kronenkraniche kommen in die einzigartigen Salzwiesen. Direkt auf dem kilometerlangen, weißen Strand befindet sich das Naturschutzgebiet "Humedal Saladar de Jandia", ein artenreiches Feuchtbiotop, an dem viele Urlauber nichtsahnend vorbeigehen. Nun gut, es steht mal mehr, mal weniger Wasser zwischen den grünen Hügeln am Strand. Dass hier aber Pflanzen gedeihen, die sich ausschließlich von Salzwasser ernähren und Vögel aus Europa und Nordafrika nisten, davon weiß der weitgereiste Strandspaziergänger nichts. Kein Wunder, dass viele durch die Dünen stapfen und das empfindliche Ökosystem zerstören. Darum hier ein Aufruf, der für alle Sylt-Urlauber schon lange selbstverständlich ist: Nicht von den ausgewiesenen Stegen und Wegen abweichen, denn da, wo ein Sonnenanbeter in der Hitze brutzelt, kann kein Vogel seine Eier ablegen.

Genug geschimpft, ab ins Wasser. Das ist um diese Jahreszeit zwar mit 19 Grad recht kühl. Wellen, Gischt und Farbe machen den Sprung ins kalte Nass aber zu einem echten Erlebnis. Am Strand wacht ein spanischer David Hasselhoff, dass ich auch wieder zurückschwimme, was, gelinde gesagt, nicht ganz so einfach ist. Leicht panisch erinnere ich mich daran, dass es hier gefährliche Strömungen geben soll. Ich nehme alle Kraft zusammen und habe bald Sand unter den Füssen. Eine letzte Welle schiebt mich ruppig an den Strand. Halle Berry sah im James Bond Film sicher besser aus, als sie aus den Wogen stieg. Leicht fröstelnd und nass wie ein Hund ziehe ich mir auf dem warmen Sand meine trockenen Badesachen wieder an. Ein angenehmes Gefühl. Wenigstens keine kalten, feuchten Klamotten auf dem windigen Rückweg zum Club. Wie schön, dass es auf den Kanaren immer noch die gute alte FKK Tradition gibt. Nach einer Woche Sonne, Wind und Wellen auf Fuerteventura komme ich nach einem viereinhalbstündigen Flug entspannt zurück ins regnerische Deutschland. So lässt sich der deutsche Schmuddelwinter perfekt verkürzen.

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Quelle: n-tv.de