Zartes GlockenläutenSingschwantage im Odertal
Es ist ein Naturerlebnis der ganz besonderen Art: Vor verschneiter Kulisse geben Hunderte Singschwäne im Unteren Odertal im Norden Brandenburgs ein kostenloses Konzert.
Im Odertal im Norden Brandenburgs geben derzeit hunderte Singschwäne Konzerte in der verschneiten und vereisten Winterlandschaft. Bei extremer Witterung haben sich etwa 400 Tiere im einzigen Nationalpark des Bundeslandes niedergelassen, weitere werden erwartet. "Vom Wohlklang dieser Konzerte sind die Menschen begeistert", sagt der Ornithologe Jochen Haferland von der Parkverwaltung. Vor allem im Februar und März rasteten die Tiere auf dem Weg in ihre nordischen Brutgebiete im Unteren Odertal.
Vom 12. bis 14. Februar lädt der Park Besucher zu den 4. Singschwantagen ein. Dabei sollen die Gäste über den Naturschutz informiert werden. Sie sollen aber auch etwas über die Mythen erfahren, die sich um die Tiere ranken. "Der Schwan galt unseren Vorfahren als Tier der Reinheit und des Lichtes", erzählt Nationalparkleiter Dirk Treichel. Für die Kelten war er mit der Sonne verbunden, in ägyptischen Pyramiden wurden geschnitzte Schwäne als Grabbeilage gefunden worden.
Schwanen-Urlaub im Odertal
Das Singen gehört zur Balz der monogamen Tiere, die bis zu 30 Jahren mit einem Partner zusammenleben. "Der zarte Gesang der Singschwäne erinnert an ein feines Glockenläuten", sagte Haferland. Im Nationalpark seien in den vergangenen Wintern bis zu 1500 dieser Tiere gezählt worden.
Die Vögel ernähren sich überwiegend von Wasserpflanzen und daran hängendem Fisch- und Amphibienlaich. Der strenge Frost dieses Winters mache den Schwänen ziemlich zu schaffen. Sie suchten jetzt vor allem auf eisfreien Stellen der Oderaue nach Nahrung. Da die umliegenden Rapsfelder tief verschneit seien, würde ein Flug dorthin nur Kraft vergeuden. Sobald aber die Sonne scheine, seien die Tiere wieder aktiv. "Dann kommen sie schnell in Balzstimmung", bemerkt Haferland.
König der Wasservögel
"Im Unteren Odertal macht der Singschwan gewissermaßen Urlaub", berichtet Nationalparkchef Treichel. Er sei der kleinere Verwandte des Höckerschwans, habe im Unterschied zu diesem einen gelblich leuchtenden Schnabel und mache kaum hörbare Fluggeräusche. Der Schwan gilt als König der Wasservögel: stolz, kraftvoll und majestätisch. "Dabei grenzt es an ein physikalisches Wunder, dass dieser schwere Vogel sich überhaupt in die Lüfte schwingen kann." Der Bestand sei nicht bedroht, die großen, kräftigen und anpassungsfähigen Vögel hätten kaum natürliche Feinde, meint Treichel.
Die Ringe der Singschwäne im Unteren Odertal zeigten, dass viele von ihnen aus dem Baltikum kommen. "Der Singschwan ist dabei, sein Verbreitungsgebiet nach Süden auszudehnen", sagt Torsten Langgemach, Leiter der Vogelschutzwarte Buckow im Havelland. Auch in der Niederlausitz und in Sachsen brüte der Singschwan inzwischen. "Vor 50 Jahren war der Singschwan noch eine Besonderheit in Brandenburg, heute ist er ein regelmäßiger Wintergast und Durchzügler", meint Langgemach. Odertal und Oderbruch, Elbaue und Havelniederung gelten als bevorzugte Gebiete mit etwa 3000 Tieren.
Der Singschwan ist im Gegensatz zum Höckerschwan geschützt und darf nicht gejagt werden. "Er gilt als ein Sympathieträger, und die Menschen mögen es nicht, dass er in der Bratpfanne landet", sagt der Vogelfachmann.