Dienstag, 21. März 2006
Gänsefedern werden knapp: Ästhetik des Badmintons bedroht
Die Vogelgrippe hat den deutschen Sport erreicht und macht ausgerechnet einer Randsport zu schaffen. Denn Deutschlands Badmintonspieler kommt die noch längst nicht gebannte Gefahr durch H5N1 schon jetzt teuer zu stehen. Der Grund: "Die Kosten für Bälle mit Naturfedern werden explodieren, vielleicht gibt es sie bald gar nicht mehr." Das sagt Gerd Pigola, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Badminton-Verband (DBV).
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Die Landesverbände in Deutschland brauchen pro Jahr rund sechs Millionen Federbälle zum Stückpreis von rund einem Euro. "Schon jetzt mussten wir die Preise um zehn Prozent erhöhen. Das sind insgesamt rund 600.000 Euro Mehrkosten", sagt Ulrich Schaaf, Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein und zugleich Deutschlands größter Versandhändler in Sachen Badminton.
Weitere Preissteigerungen drohen
Schaaf erwartet bis zum Jahresende eine weitere Preiserhöhung um bis zu 20 Prozent, das wäre mehr als eine Million Euro zusätzlich. Zwei seiner Ballfirmen haben bereits Lieferprobleme, Tendenz steigend. Einer der Gründe ist eine Bestimmung von Hauptlieferant China, wonach die für die Produktion der Bälle erforderlichen Gänsefedern nicht mehr über Land transportiert werden dürfen.
Ohnehin war die Anzahl der zur Verfügung stehenden Gänsefedern in den vergangenen Jahren rückläufig, dies wurde durch restriktive Bestimmungen für die Herstellung in China verstärkt. Der Preis einer speziell behandelten Feder ist somit in den letzten sechs Monaten drastisch gestiegen, manchmal sogar bis zu 50 Prozent.
Künftig Kraft statt Ästhetik?
Der Umstieg auf Plastikbälle ist nahe liegend, aber nicht so einfach zu bewerkstelligen. Die Flugeigenschaften wären nicht mehr die gleichen. Gerd Pigola erklärt den Unterschied: "Die Flugkurve eines Plastikballes ist anders, viel runder. Der Federball dagegen verliert im Flug schnell an Geschwindigkeit und fällt am Ende steil runter. Das macht es dem Gegner leichter, den Ball noch zu returnieren."
Badminton würde sich mit einem Wechsel zum Plastik verändern, weg von der Ästhetik und hin zur Kraft. Pigola: "Dann sind die harten Schläger im Vorteil. Das tut dem Spiel aber nicht gut."
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