Sport
Video

"Jackpot" im WM-Finale geknackt: Anderson bleibt der Darts-König

Das Finale der Darts-WM ist packend, phasenweise hochklassig, es gibt Blackouts, Rechenfehler, und ein spektakuläres Ende: Mit einem Wahnsinns-Checkout ebnet sich der Schotte Gary Anderson den Weg zur Titelverteidigung gegen Kontrahent Adrian Lewis.

Als Gary Anderson seinen Titel erfolgreich verteidigt hatte, schaute er ein wenig ratlos ins Publikum und winkte nur ab. In der Neuauflage des verlorenen Endspiels von 2011 revanchierte sich der "Flying Scotsman" und besiegte Adrian "Jackpot" Lewis mit seiner schwächsten Turnierleistung in einem eher umkämpften als hochklassigen Finale der Darts-WM mit 7:5 (zum ReLiveticker des WM-Endspiels).

WM-Finale 2016 (Best of 13)

Adrian Lewis

 

Gary Anderson

5

Sätze

END-
STAND

7

100,23

3-Dart-
Schnitt

99,26

38,0 %

Doppel-
quote

43,3 %

19

180er

15

131

High-
Finish

170

"Ich weiß nicht, was heute passiert ist. Ich habe gut gespielt, aber auch Phasen gehabt, die nicht gut waren", sagte ein glücklicher, aber gefasster Anderson: "Ich weiß jetzt, wie sich Taylor und Lewis fühlen. Zwölf Monate bin ich jetzt auf jeden Fall noch Weltmeister."

Auf den Tag fünf Jahre nach dem ersten Finalduell Anderson gegen Lewis agierten beide vor 3000 gewohnt freudetrunkenen Zuschauern fast über die gesamte Matchdauer ungewohnt verkrampft. Gerade der favorisierte Anderson, der in den vorangegangenen fünf Turnierrunden nur zwei Sätze abgegeben hatte, verfehlte im ersten Satz in Regelmäßigkeit die Triplefelder. Der Schotte rutschte sogar mehrfach ins Einserfeld ab und geriet folgerichtig in Rückstand.

Nach einer kurzen Unterbrechung legte er im zweiten Satz seine Nervosität scheinbar ab. Lewis musste zusehen, wie Anderson erst zwei Legs mit jeweils elf Pfeilen abschloss und die Durchgänge zwei und drei souverän für sich entschied.

Unsicherheiten und Rechenfehler

Absetzen konnte sich Anderson aber nicht - ganz im Gegenteil: Im vierten Satz leistete er sich einen Rechenfehler, als er anstatt auf die Doppel-6 auf die Doppel-1 zielte und diese traf. Lewis schaffte im entscheidenden Leg den 2:2-Satzausgleich. Auch die folgenden Abschnitte teilten beide gerecht untereinander auf.

Video

Zwar geizten weder Anderson, der tags zuvor im Halbfinale gegen den Niederländer Jelle Klaasen den einzigen Neun-Darter dieser WM geworfen hatte, noch Lewis nicht mit 180-ern. Jedoch offenbarten beide über die gesamte Matchdauer Schwächen auf den Doppelfeldern, was den Punktedurchschnitt sogar unter 100 drückte.

Gerade im achten Satz ließ Lewis viele Chancen auf einen Leg-Gewinn - unter anderen nach einem weiteren Rechenfehler Andersons - aus, sodass sich der Schotte einen Zwei-Satz-Vorsprung erspielte.

Trotz aller Unsicherheiten: Phasenweise boten beide Spieler hochklassiges Darts. Nie zuvor gab es in einem offiziellen Dartsspiel so viele 180er wie zwischen Anderson und Lewis. Doch dem Engländer half es nichts, dass er mit 19 Mal sogar häufiger die Maximalpunktzahl traf als sein schottischer Kontrahent. Der sicherte sich die Titelverteidigung mit einem Checkout auf die Doppel-Zwölf, nachdem ihm zuvor im zwölften Satz ein 170er Checkout gelungen war. Damit war der Widerstand von Lewis endgültig gebrochen.

Ganz seltenes Darts-Kunststück

Nach dem 16-maligen Weltmeister Phil Taylor und Finalgegner Lewis (2011 und 2012) ist Anderson erst der dritte Spieler, dem das Kunststück gelingt, den WM-Titel des führenden Verbandes PDC in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen.

Neben der Sid Waddell Trophy erhält der 45-Jährige für den Turniersieg das Rekordpreisgeld in Höhe 300.000 Pfund (rund 400.000 Euro). Lewis nimmt als Trostpflaster 150.000 Pfund mit nach Hause und verbessert sich in der Geldrangliste hinter dem führenden Niederländer Michael van Gerwen und Anderson um zwei Plätze auf die dritte Position.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen