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"Er hat uns dabei geholfen, unsere Marke aufzubauen": Lance Armstrong.
"Er hat uns dabei geholfen, unsere Marke aufzubauen": Lance Armstrong.(Foto: REUTERS)

Versicherung will mehr als 9 Mio. Euro: Armstrong soll richtig bluten

Von Stefan Giannakoulis

Während der gefallene Radstar Lance Armstrong die Welt wissen lässt, dass er sich putzmunter auf Hawaii befindet, formiert sich die Front ehemaliger Unterstützer, die sich einst im Glanz seines Erfolgs sonnte - und nun vom "Weltrekord-Doper" ihr Geld zurückhaben will. Da kommt so einiges zusammen.

Immerhin, es geht ihm gut. Sagt er. Via Twitter meldete sich Lance Armstrong, ließ kurz und knapp wissen: "Alive and well in Hawaii" - lebendig und wohlauf in Hawaii. Ansonsten läuft es aber für den "Weltrekord-Doper", wie ihn die "New York Daily Times" nannte, nicht rund. Nachdem der Radsport-Weltverband ihm all seine sieben Titel bei der Tour de France aberkannt hat, weil er jahrelang systematisch gedopt hat, melden sich nun die, die jahrelang von ihm und seinem Status als Idol und Star profitiert haben.

Und wollen ihr Geld zurück. Sponsoren, Versicherungen, Verbände und Rennveranstalter. Sie stützen sich auf die Akten der Usada, in denen die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur detailgetreu auflistet, wie Armstrong belogen und betrogen hat. Und holen zum großen Rundumschlag aus. Zum Beispiel die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions. Sie fordert von Armstrong zwölf Millionen Dollar zurück, die sie ihm nach eigenen Angaben während seiner Karriere gezahlt hat. Das sind knapp 9,2 Millionen Euro. Schließlich sei "Herr Armstrong nicht länger offizieller Gewinner irgendeines Tour-de-France-Rennens", wie SCA-Anwalt Jeffrey Dorough mitteilte. Daher sei es "unangemessen und unzulässig von ihm, jegliche Bonuszahlungen von SCA zu behalten".

Zugleich kündigte das Unternehmen in einem Brief an den 41-Jährigen rechtliche Schritte an. "Wir werden eine formale Forderung nach Rückzahlung der Gelder stellen. Wenn dies nicht erfolgreich ist, werden wir innerhalb von fünf Tagen ein Gerichtsverfahren einleiten", sagte Doroughs Kollege Jeffrey M. Tillotson. Die Firma aus Dallas hatte Armstrong 2002 eine Prämie von 1,5 Millionen Dollar für den Toursieg ausbezahlt, ein Jahr später wurden für den fünften Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt weitere drei Millionen Dollar fällig. Nachdem im Jahr 2004 durch das von David Walsh und Pierre Ballester veröffentlichte Buch "L.A. Confidential" Doping-Anschuldigungen laut wurden, verweigerte SCA die vereinbarte Bonuszahlung von fünf Millionen Dollar für den sechsten Toursieg. Es kam zum Prozess, in dem Armstrong schwor, keine leistungssteigernden Mittel genommen zu haben. SCA verlor und musste inklusive Anwaltsgebühren und Prozesskosten 7,5 Millionen Dollar zahlen.

Weitere Rennveranstalter könnten folgen

Auch Tour-Chef Christian Prudhomme möchte gern sämtliche an Armstrong gezahlten Preisgelder zurückhaben. Es geht dabei um drei Millionen Euro, wie die französische Sportzeitung "L'Èquipe" ausgerechnet hat. Prudhomme beruft sich dabei auf den Weltverband. "Das Reglement der UCI ist deutlich: Wenn einem Fahrer der Platz aberkannt wird, der Geld einbringt, muss er zurückzahlen." Weitere Rennveranstalter könnten folgen, denn neben dem Preisgeld erhielt der US-Amerikaner oft auch Antrittsgagen.

Hinzu kommen die Ansprüche einstiger Sponsoren und Wegbegleiter. Die wichtigsten finanziellen Wegbegleiter haben ihn bereits fallengelassen, darunter der Sportartikelhersteller Nike, der Fahrradhersteller Trek und die Brauerei Anheuser-Busch. Auch der Brillenhersteller Oakley mag sich nicht mit einem gefallenen Helden schmücken. "Als Lance vor vielen Jahren unserer Familie beigetreten ist, war er ein Symbol des Möglichen. Wir sind sehr traurig über die gewonnenen Erkenntnisse, blicken aber mit der Hoffnung nach vorne, dass Sportler und Mannschaften die Inspiration des Radsports sauber, fair und ehrlich wieder aufleben lassen", hieß es in einer Mitteilung. Oakley will Armstrongs Krebsstiftung Livestrong aber weiter unterstützen. Früher haben sie sich darum gerissen, mit ihm zu werben. So sagt Carl Sweat, Chef des mit Armstrong einst eng verbundenen Energiegetränkeherstellers FRS: "Er hat uns dabei geholfen, unsere Marke aufzubauen."

Ob Armstrong nun allerdings auf dem finanziellen Ruin zusteuert, ist ungewiss. Da niemand weiß, wie reich er wirklich ist. In den Medien ist immer wieder von einem Vermögen in Höhe von 75 Millionen Euro die Rede, aber das sind Schätzungen. Und ob die Firmen mögliche Regressforderungen durchsetzen können, ist zu bezweifeln. Experten gehen davon aus, dass Sponsoren Ansprüche allenfalls dann geltend machen können, wenn die Verträge eine Antidopingklausel beinhaltet haben. Weit mehr aber dürfte ihn treffen, dass sein Ruf und damit sein Lebenswerk völlig ruiniert sind. Wie fragte doch der "Boston Globe" rhetorisch: "Ist Lance Armstrong die größte Schande der Sportgeschichte?"

Quelle: n-tv.de

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