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Montag, 02. Januar 2006

Müller allein auf Trainersuche: Assauer entmachtet

Die Entmachtung von Manager Rudi Assauer schreitet auf Schalke offenbar immer schneller voran, Andreas Müller wird immer mehr zum starken Mann bei den Königsblauen. Nicht der langjährige "Mister Schalke 04", sondern Teammanager Müller ist von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies mit der alleinigen Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Cheftrainer Ralf Rangnick beim Fußball-Bundesligisten beauftragt worden. Ein Machtwechsel scheint sich vollzogen zu haben.

"Andreas Müller sucht in Ruhe, und er sucht alleine", sagte Tönnies dem kicker, "er informiert mich regelmäßig, wir diskutieren dann. Er ist unser Fachmann. Sein Kurs gefällt mir, wenn wir uns sportlich etwa so halten, stehen wir auch wirtschaftlich gut da." Das einzige Problem sei die Außendarstellung, "und dieses Problem ist in spätestens einem Vierteljahr gelöst".

Die Trainersuche soll, so der S04-Aufsichtsrats-Boss, komplett an Assauers Schreibtisch vorbeilaufen. Tönnies: "Wir verhalten uns loyal gegenüber der Person Rudi Assauer, weil er sehr viele Verdienste hat. Aber er wird sehr, sehr aufmerksam vom Aufsichtsrat beobachtet."

Tönnies lobt Assauer, der wie kein Zweiter als Macher auf der Kommandobrücke die Königsblauen in den letzten Jahrzehnten geprägt hat, gleichzeitig quasi weg. Tönnies glaubt, dass man den Abgang Assauers und die Tatsache, dass Schalke in der Spur bleibe, gut kombinieren könne: "Indem man den sportlichen Bereich jetzt ganz an Andreas Müller übergibt und Rudi Assauer die Position eines Vereins-Souveräns übernimmt. Er könnte doch ideal eine Art Schalker Beckenbauer werden." Assauer ist bereits seit geraumer Zeit als kommender neuer Schalke-Präsident im Gespräch.

Die neue Kompetenzverteilung soll aber sofort umgesetzt werden. Tönnies: "Zu 100 Prozent. Der Prozess ist schon in vollem Gange. Müller hat sich entwickelt, das Tagesgeschäft läuft top. Deshalb habe ich zu ihm gesagt: Jetzt suchst du den neuen Trainer."

Dieser will die Trainer-Suche mit frischen Ideen nach der Rückkehr aus dem Skiurlaub im österreichischen Zillertal forcieren. "Der Abstand hat gut getan. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und auch schon etwas im Kopf", sagte Müller dem Sport-Informations-Dienst (sid). Dabei ist guter Rat für die Knappen derzeit wirklich teuer: Drei Wochen liegt die Entlassung von Rangnick schon zurück, doch bei der Fahndung nach einem Nachfolger tritt Schalke vor dem Trainingsauftakt am Mittwoch (4. Januar) auf der Stelle.

Müller macht aus der kniffligen Lage kein Hehl: "Es ist schwierig. Wir sind immer noch in der Sondierungsphase und zerbrechen uns den Kopf." Konkret seien dabei ungeachtet der Spekulationen über Erik Gerets (Galatasaray Istanbul), Christoph Daum (Fenerbahce Istanbul), Ottmar Hitzfeld (derzeit vereinslos) und Ex-Trainer Huub Stevens (Roda Kerkrade) noch keine Überlegungen geworden: "Wir sind bislang noch nicht zu dem Punkt einer Kontaktaufnahme gekommen, bei der wir hätten ausloten können, ob ein Trainer überhaupt für uns in Frage kommt, und haben deshalb auch noch keine Absagen bekommen können."

Das ursprüngliche Ziel einer Lösung der Trainer-Frage bis zur Aufnahme des Trainings-Betriebs hält der 38-Jährige kaum noch für realisierbar ("Das wird sehr, sehr schwer"), sieht darin aber auch keinen Nachteil für den Rückrunden-Start am 29. Januar bei Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern. "Es ist kein Problem, wenn der neue Trainer beim Trainingsauftakt am 4. Januar nicht feststeht. Es würde auch eine Woche später reichen."

So begrüßt am Mittwoch voraussichtlich wieder Ex-Torwart Oliver Reck, der Schalke nach Rangnicks Rauswurf beim Hinrunden-Abschluss beim VfB Stuttgart (0:2) als Interimscoach betreut hatte, die Profis.

Beim vorgebenenen Profil des künftigen Coaches wollen die Schalker allerdings trotz des wachsenden Zeitdrucks keine Abstriche machen. Müller: "Es muss natürlich ein Trainer mit Kompetenz und Persönlichkeit sein. Für mich am wichtigsten ist allerdings, dass unser neuer Cheftrainer gut Deutsch kann. Das ist eine elementare Grundvoraussetzung. Denn die Eingewöhnungszeit ist zu kurz, als dass wir einen Trainer verpflichten können, der noch einen Dolmetscher benötigt."

von Dietmar Kramer, sid

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