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Lionel Messi verlor mit Barcelona den Supercup und außerdem die Nerven.
Lionel Messi verlor mit Barcelona den Supercup und außerdem die Nerven.(Foto: imago/Alterphotos)
Donnerstag, 17. August 2017

Supercup-Blamage und Messi-Eklat: "Barça depresivo" stolpert in die Krise

Neymar weg, Form weg, Krise da: Der Supercup gegen Erzrivale Real Madrid wird für den FC Barcelona zur Demütigung. Superstar Lionel Messi beleidigt einen Gegenspieler, Abwehrchef Pique schlägt Alarm. Kurz vorm Saisonstart steht Barcelona vor einem Scherbenhaufen.

Für den FC Barcelona muss es wie ein Pfeil direkt ins Herz gewesen sein. Noch während sich das Team um Lionel Messi und Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen am späten Mittwochabend im Madrider Bernabeu-Stadion abmühte und am Ende eine herbe Niederlage im spanischen Supercup einfuhr, twitterte Paris Saint-Germain ein Foto von Neymar. Es zeigt den Brasilianer, der erst kürzlich für 222 Millionen Euro und gegen den Willen Barcelonas nach Paris gewechselt war, gut gelaunt beim Training mit dem neuen Team.

Ein strahlendes Real Madrid und ein strahlender Neymar auf der einen Seite, ein strauchelndes Barcelona ohne jedes Rezept auf der anderen - die Zeitung "El Mundo" brachte die derzeitige Gemütslage auf den Punkt: "Barça depresivo". Abwehrchef Gerard Piqué machte nach der Partie dann auch keinen Hehl aus der schlechten Verfassung der Katalanen, er schlug Alarm: "In den neun Jahren, in denen ich hier spiele, ist es das erste Mal, dass ich mich Madrid unterlegen gefühlt habe", gab der Nationalspieler offen zu. "Weder auf Team- noch auf Klubebene erleben wir gerade eine gute Zeit."

Von Real abgehängt und deshalb maximal frustriert: Gerard Pique und der FC Barcelona.
Von Real abgehängt und deshalb maximal frustriert: Gerard Pique und der FC Barcelona.(Foto: imago/Alterphotos)

Sein Appell an die Mannschaft: "Wir müssen jetzt so eng wie möglich zusammenrücken und lernen, mit Niederlagen umzugehen, akzeptieren, dass Madrid besser ist. Vielleicht ist es auch gut für uns, dass wir endlich aufwachen."

"Was für ein Desaster"

Von der spanischen Presse hagelte es Kritik: "Seelenlos", titelte die "Sport", "Was für ein Desaster", schrieb die  katalanische "L'esportiu". Das Sportblatt "Mundo Deportivo" befand: "Supercup für Real, Superproblem für Barça".

Auch ohne Cristiano Ronaldo, der nach seiner gelb-roten Karte aus dem Hinspiel auf der Tribüne Platz nehmen musste, setzte sich Real im Rückspiel mühelos mit 2:0 (2:0) gegen den ewigen Rivalen durch. Bereits das Hinspiel hatte der Champions-League-Sieger mit 3:1 für sich entschieden. Doppelt gefreut haben dürfte Ronaldo, dass Erzrivale Lionel Messi die Nerven verlor. Nach einer Provokation von Reals Sergio Ramos beschimpfte der Argentinier seinen Gegenspieler mit den wenig schmeichelhaften Worten "La concha de tu madre", was sich mit "Hurensohn" übersetzen lässt - und von TV-Kameras und Lippenlesern enthüllt wurde.

Während Real mit seinen Superstars wie Gareth Bale, Sergio Ramos und Toni Kroos nun selbstsicher dem Start der Primera División am kommenden Wochenende entgegenblicken kann, muss Barcelona erst wieder Mut fassen und zur alten Form zurückfinden.

Vage Hoffnung auf Neuzugänge

Helfen soll unter anderem der frisch für 40 Millionen Euro von Guangzhou Evergrande verpflichtete Mittelfeldspieler Paulinho. An finanziellem Rückhalt mangelt es Barça seit dem Neymar-Transfer immerhin nicht, der Club ist auf Shopping-Tour und will sich mit weiteren Jungstars verstärken - allen voran mit dem beim FC Liverpool unter Vertrag stehenden Brasilianer Philippe Coutinho und Ousmane Dembélé von Borussia Dortmund.

Vielleicht wollte Manager Pep Segura die Moral der Truppe und der Fans heben, als er sich nach der Supercup-Pleite dazu hinreißen ließ, von angeblich bevorstehenden Einigungen auf dem Transfermarkt zu berichten. "Wir sind nah dran, sowohl Coutinho als auch Dembélé zu verpflichten", betonte er. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wollte davon aber nichts wissen: "Barcelona ist dem Wunsch, Dembélés Transfer zu realisieren, bisher keinen Millimeter näher gekommen", sagte er dem "Kicker" und fügte hinzu, er könne sich Seguras Worte nur damit erklären, "dass Real Madrid seine Mannschaft in den Supercup-Spielen schwindelig gespielt hat".

Trotz der geballten Demütigungen wagte Coach Ernesto Valverde einen optimistischen Blick nach vorne. "Wir haben einen Titel verloren, aber wir müssen diese Niederlage hinter uns lassen, denn vor uns liegt eine lange Saison - und die geht gerade erst los." Ob das Team wirklich in einem depressiven Loch steckt oder mentale Stärke zeigt und das Ruder schnell wieder herumreißt, wird sich am Sonntag zeigen. Dann empfangen die "Blaugrana" in ihrem ersten Liga-Spiel Betis Sevilla, die Nummer 15 der vorigen Saison. Die Aufgabe müsste eigentlich zu meistern sein.

Quelle: n-tv.de

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