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Mittwoch, 08. April 2009

"Eine Riesenblamage": Barca führt Bayern vor

Demontiert, vorgeführt, gedemütigt: Ein chancenloser FC Bayern München hat bei einer der höchsten Pleiten seiner glorreichen Europapokal-Geschichte eine Lehrstunde erteilt bekommen und kann das Champions-League-Halbfinale eigentlich bereits abhaken. Von den phasenweise brillierenden Fußball-Künstlern des FC Barcelona wurde der deutsche Rekordmeister im ausverkauften Camp Nou beim 0:4 (0:4) regelrecht auseinandergenommen.

Auf Trainer Jürgen Klinsmann, dessen Überraschungs-Coup im Bayern-Kasten, Hans Jörg Butt anstelle des etatmäßigen Torwarts Michael Rensing zu bringen, wirkungslos blieb, dürften nun schwere Zeiten zukommen. Lionel Messi mit einem Doppelpack (9./38.), Samuel Eto'o (13.) und Thierry Henry (43.) besiegelten vor 96.000 berauschten Barcelona-Anhängern den Untergang der Bayern beim Aufeinandertreffen zweier Fußball-Welten.

Selbst der "Kaiser" sprachlos

"Was wir hier erlebt haben, hat reichlich Leute schockiert. Die Frage ist, ist man mehr wütend oder traurig", meinte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Was wir hier abgeliefert haben, ist eine Riesenblamage. Mit dem 0:4 sind wir ausgeschieden", meinte er. Mit Blick auf die unabwendbare Diskussion um Trainer Jürgen Klinsmann sagte Rummenigge: "Man muss in Ruhe die Dinge bewerten und rational eine Entscheidung treffen."

Der sonst eigentlich um keine Einschätzung verlegene Bayern-Präsident Franz Beckenbauer stammelte zur Pause ins "Premiere"-Mikrofon: "Ich bin mehr als sprachlos." Nach dem Spiel sagte er: "Was ich in der ersten Halbzeit gesehen habe, war das Fürchterlichste, was ich von dem FC Bayern je gesehen habe."

Historisch schlechte Halbzeit

Vier Gegentreffer in der ersten Hälfte hatten die Bayern noch nie im Europapokal kassiert. Die "Barca"-Fans skandierten indes frühzeitig "olé, olé" und freuten sich auf das Halbfinale gegen Chelsea oder Liverpool, die sich im Hinspiel an der Anfield Road mit 3:1 trennten.

Die Lehrstunde für gnadenlos überforderte Bayern begann vier Tage nach dem 1:5-Desaster in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg mit der ersten Minute. "Jetzt ist einfach ein Moment da, wo die Abwehr ein bisschen mehr Erfahrung braucht", so die Begründung des Bayern- Trainers für seine überraschende Entscheidung. Er musste neben Daniel van Buyten (familiäre Gründe), Lucio (verletzt) auch noch auf Nationalverteidiger Philipp Lahm in der Startformation wegen Wadenproblemen verzichten. Für ihn rückte Christian Lell auf die linke Abwehrseite.

Bayern nur Staffage

Lell war aber wie alle Bayern-Akteure vor der Pause lediglich Staffage, degradiert von einer "Barca"-Mannschaft, deren namhafte Einzelspieler einmal mehr große Taten vollbrachten. Während weder von Franck Ribéry noch Luca Toni oder Marc van Bommel - abgesehen von einem rotwürdigen Ellbogencheck gegen Messi - etwas zu sehen war, zeigten die katalanischen Kurzpass-Koryphäen ihr Können, allerdings noch nicht einmal zur Vollendung.

Gegen die sich einigelnden Bayern legte erst Eto'o Messi zu dessen siebtem Champions-League-Tor auf, mit dem der Argentinier mit dem verletzten Münchner Miroslav Klose gleichzog. Dann bedankte sich Messi mit einer Vorlage auf den Kameruner. Beide ließen Butt keine Chance. Glück hatten die Gäste schon zuvor gehabt, als Martin Demichelis kurz vor der Linie gegen Henry gerettet hatte. Zudem verweigerte Schiedsrichter Howard Webb aus England den Katalanen einen klaren Elfmeter nach einem Lell-Foul an Messi (17.), dem er stattdessen Gelb zeigte - wegen einer Schwalbe, die keine war. Trainer Josep Guardiola regte sich derart an der Außenlinie auf, dass er auf die Tribüne geschickt wurde.

Alptraum für Butt

Von derlei Sorgen konnte Klinsmann nur träumen. Wehrlos ergaben sich die hilflosen Münchner weiter ihrem Schicksal. Dabei traf Butt die geringste Schuld. An den Gegentoren war er schuldlos, bei einer Abwehraktion gegen den hereinrutschenden Henry bekam er dessen Stollen ins Gesicht. Noch auf dem Rasen musste Butt genäht werden, während Rensing sich wenigstens warmlaufen durfte. Chancenlos war Butt auch bei Messis zweitem Treffer sowie dem 50. Champions-League-Tor von Henry.

Die Armada in Rot-Blau drosselte nach dem Seitenwechsel etwas das Tempo, gegen die eher im Leerlauf agierenden Gäste reichte es gleichwohl noch zu Torchancen. In der 59. Minute konnte Butt einen Messi-Schuss an die Latte lenken. In der 71. Minute dann die erste Bayern-Chance auf eine Chance: Carlos Puyol klärte aber gegen Ze Roberto. Das nächste Trauma in Camp Nou war nach 90 Minuten perfekt. Vor zehn Jahren hatten die Bayern dort in der letzten Minute das Champions-League-Finale gegen Manchester United verloren.

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