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Warum nur? Das scheint sich auch Dennis Schröder zu fragen.
Warum nur? Das scheint sich auch Dennis Schröder zu fragen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 14. September 2017

"Viel zu viel Politik": Basketball-WM-Quali verkommt zu B-Turnier

Die Europameisterschaft ist die beste Werbung für den deutschen Basketball - trotz des Aus im Viertelfinale. Doch der Hype wird nicht lange anhalten. Bei der WM-Quali darf etwa Superstar Dennis Schröder nicht mitspielen - wegen eines Streits des Weltverbands.

Dennis Schröder wird in Atlanta sein, Daniel Theis in Boston und Johannes Voigtmann mit seiner Mannschaft auf der Heimreise aus Belgrad. Wenn sich die deutschen Basketballer Ende November in der Heimat zum ersten Mal nach der erfolgreichen EM ihren Fans zeigen, sind die Besten nicht dabei.

Die Euphorie wird gewissermaßen direkt wieder im Keim erstickt. Ein Streit zwischen dem Weltverband Fiba und der EuroLeague ist der Hauptgrund für die neue Situation, mit der niemand glücklich sein kann. Die Fiba will mehr Aufmerksamkeit für die Nationalmannschaften und hat darum neue Länderspielfenster eingeführt. Es wird nicht wie bisher nur im Sommer, sondern auch im Herbst und Frühjahr Begegnungen geben. Und das kollidiert mit den Klubwettbewerben.

"Das haben die Spieler nicht verdient"

"Das haben die Spieler nicht verdient. Die sind hin- und hergerissen", sagt der scheidende Bundestrainer Chris Fleming und kritisiert die Reform. Denn die EuroLeague, die Königsklasse im Basketball, ignoriert besagte Fenster und spielt in dieser Zeit ganz normal weiter. Die nordamerikanische Profiliga NBA sowieso. Leidtragende sind vor allem die Profis - aber auch die Zuschauer. "Die Leute wollen die besten Spieler in der Nationalmannschaft sehen. Punkt aus. Sie wollen die NBA-Spieler sehen, sie wollen die EuroLeague-Spieler sehen", so Fleming: "Ein schweres Brot für den Basketball insgesamt."

Doch die beteiligten Parteien sind vollkommen uneins, eine Lösung ist nicht in Sicht. Aus dem deutschen EM-Kader wären maximal sechs von zwölf Spielern einsetzbar. Es fehlen definitiv Dennis Schröder (Atlanta Hawks), das Gesicht der Mannschaft, Daniel Theis (Boston Celtics), Johannes Voigtmann (Saski Baskonia/Spanien) sowie die drei Bamberger Maodo Lo, Patrick Heckmann und Lucca Staiger. Das Trio spielt mit dem deutschen Meister wie Voigtmann in der EuroLeague.

"Es ist mir viel zu viel Politik", beschwert sich Voigtmann. Es gehe doch nur darum, "wer jetzt hier der Mächtigste ist. Wir wollen einfach nur für die Nationalmannschaft spielen. Es sollte sich doch ein Fenster finden, wo sich alle drauf einigen können." Der Thüringer wünscht sich neue Gespräche ("wäre nicht verkehrt").

Viele Mannschaften treten mit B-Teams an

Die WM-Qualifikation, erste Stufe im Kampf um einen Platz bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio, ist unter den aktuellen Voraussetzungen kein fairer Wettbewerb. Nationen mit vielen NBA- und EuroLeague-Spielern werden genau dafür bestraft. Insgesamt bekommen die Fans in erster Linie Duelle von B-Teams zu sehen.

Der Ansatz des Weltverbandes, den der Deutsche Basketball Bund (DBB) von Beginn an unterstützt hat, ist sicher der richtige. Denn in fast jedem anderen Mannschaftssport ist es normal, dass über das Jahr verteilt Länderspiele ausgetragen werden, Basketball fand dagegen bislang überwiegend in der Urlaubszeit statt, wie es DBB-Chef Ingo Weiss einmal formuliert hat.

Das Nationalteam soll als Zugpferd mehr in den Fokus rücken. "Es ist gut, dass es diese Zeitfenster gibt. Das wird dem Basketball im Land gut tun", sagte deshalb der frühere Bundestrainer Dirk Bauermann bei Sky Sport News HD. Es mangelt an der Umsetzung.

Am 24. November spielt das DBB-Team zu Hause gegen EM-Vorrundengegner Georgien, am 27. November dann in Österreich. Es wird interessant sein, wie das Aufgebot aussieht. Von der überzeugenden Mannschaft, die in Istanbul das Viertelfinale der EuroBasket erreichte, dürfte wenig übrig sein.

Quelle: n-tv.de

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