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Frank Menz - ratlos.
Frank Menz - ratlos.(Foto: dpa)

Vom Himmel in die Hölle: Basketballer stürzen bei der EM ab

Von Christian Bartlau, Ljubljana

Die deutschen Basketballer beginnen die EM mit einem Erdbeben. Doch dem Sieg über Vizeeuropameister Frankreich folgen zwei ernüchternde Niederlagen, das Vorrunden-Aus droht. Trainer Menz liefert eine Bankrott-Erklärung.

"Post-Nowitzki-Blues" überschrieb das Programmheft der Basketball-Europameisterschaft den Artikel über die deutsche Mannschaft. Doch zunächst sah es in Slowenien gar nicht danach aus, als wollte das Team von Trainer Frank Menz den Blues singen. Im Gegenteil, sie bezwangen "Les Bleus", den Vizeeuropameister. Es war die Sensation des ersten Turnierspieltags, und auf einmal stand da die Frage im Raum: Geht da etwa mehr bei der EM, als alle geglaubt haben? Offenbar nicht, lautet die ernüchternde Antwort nach den folgenden Pleiten gegen Belgien und die Ukraine.

"Es ist einfach ein sehr hartes Turnier für uns. Wir verfügen nur über wenig Erfahrung", sagte ein müde wirkender Bundestrainer Frank Menz nach der Niederlage gegen die Ukraine. Tatsächlich stehen im Zwölf-Mann-Kader nur vier Spieler, die schon mal eine Europameisterschaft erlebt haben. Trotzdem dachten viele Fans und Experten nach dem Match gegen Frankreich, das Team sei schon weiter. Stattdessen sieht das Spiel derzeit nicht wie das einer Spitzenmannschaft aus: Das Team verlässt sich zu sehr auf die Schützen, bringt den Ball nicht unter den Korb und arbeitet im Rebound nicht konsequent.

DBB-Team hat es nicht mehr selbst in der Hand

Bei 1:2-Siegen steht die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) nun, selbst wenn sie die beiden restlichen Partien gegen Großbritannien und Israel gewinnt, vor dem Vorrunden-Aus. In der machbaren Gruppe A eine Enttäuschung, auch wenn DBB-Präsident Ingo Weiss vor dem Turnier Trainer Frank Menz einen Persilschein ausstellte. Menz betont immer wieder, dass sein Kader einfach nicht gut genug sei.

Engagiert: Robin Benzing (r.) im Spiel gegen Belgien. Gereicht hat es nicht.
Engagiert: Robin Benzing (r.) im Spiel gegen Belgien. Gereicht hat es nicht.(Foto: AP)

Gut sichtbar wurde sein Dilemma im zweiten Viertel gegen die Ukraine, als Menz durchwechselte und so der Faden komplett riss. Die Ukraine legte einen 12:3-Lauf hin, von dem sich das Team nicht mehr erholen konnte. Menz begründete die Wechsel mit seiner Sorge um die Müdigkeit der Spieler. Und was er dann sagte, klang wie eine Kapitulation: "Wir können nicht konstant auf hohem Niveau spielen."

Nur Benzing und Schaffartzik überzeugen

Mehr als mithalten können derzeit nur zwei Deutsche: Robin Benzing und Heiko Schaffartzik. Benzing, vor dem Spiel Topscorer des Turniers, schmorte im letzten Viertel gegen die Ukraine bis 1:41 Minuten vor Schluss auf der Bank. Ohne ihn hatte sich das Team zwar von einem Neun-Punkte-Rückstand erholt, es fehlte aber ein verlässlicher Scorer. Das ist so etwas wie die Geschichte des bisherigen Turniers: liefern die Schützen von außen, stimmt es im Spiel. Wenn nicht, wird es eng. Zu selten kommt der Ball zu den großen Männern am Korb, zu selten brechen die schnellen selbst zum Korb durch.

Verantwortlich für die Organisation ist Aufbauspieler Heiko Schaffartzik. Der Kapitän unterstreicht seine Führungsrolle mit brillanten Statistiken: Er legt pro Spiel 16,3 Punkte auf, dazu 9,7 Assists, keiner bringt bislang bei der EM mehr Vorlagen an den Mann als er. Aber auch Schaffartzik hat seine Schwächen. In der vielleicht entscheidenden Szene kurz vor Schluss im Spiel gegen die Ukraine diskutierte er während des Ballvortrags mit dem Referee, leistete sich dann ein Offensivfoul. Das Momentum lag plötzlich wieder bei der Ukraine. Verzeihbarer Lapsus oder Bärendienst – die Szene zeigt vor allem eins: Allein schultern kann der Kapitän die Mannschaft nicht.

Vor den letzten beiden Spielen steht erstmal ein Ruhetag an. "Wir müssen endlich mal den Kopf freikriegen", sagt Schaffartzik. Wenn danach Platz ist für neue Informationen, hilft vielleicht diese: Die Mannschaft hat jetzt nichts mehr zu verlieren. Wie vor dem Spiel gegen Frankreich.

Quelle: n-tv.de

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