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Unerreichbare Spitze: Der dreifache Gold-Gewinner Emil Hegle Svendsen läuft ebenso wie Martin Fourcade aus Frankreich in einer anderen Liga als die Deutschen.
Unerreichbare Spitze: Der dreifache Gold-Gewinner Emil Hegle Svendsen läuft ebenso wie Martin Fourcade aus Frankreich in einer anderen Liga als die Deutschen.(Foto: REUTERS)

Fünf Rennen, keine Medaille: Biathleten erleben WM-Debakel

Erstmals seit 16 Jahren stehen die deutschen Biathleten bei einer Weltmeisterschaft nach dem Auftaktwochenende ohne Medaille da. Während Norwegens Emil Hegle Svendsen goldene Zeiten erlebt, fühlen sich die Deutschen "ausgebrannt". Besserung ist nicht in Sicht.

Frust pur: Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher kommen abgeschlagen ins Ziel.
Frust pur: Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher kommen abgeschlagen ins Ziel.(Foto: dpa)

Andreas Birnbacher schlich mit gesenktem Haupt durch die Skiarena, Miriam Gössner verballerte alle Chancen wieder einmal am Schießstand: Auch die deutschen Medaillenhoffnungen haben den Fehlstart bei der Biathlon-WM in Nove Mesto nicht verhindern können. Zum ersten Mal seit 16 Jahren stehen die Skijäger nach dem Auftaktwochenende ohne eine einzige Medaille da - für den erfolgsverwöhnten Deutschen Skiverband (DSV) ein Debakel.

"Wenn man sich Medaillen vorgenomen hat, und weit davon weg ist, dann kann das Fazit nicht gut ausfallen. Jetzt müssen wir sehen, dass wir die nächsten Wettkämpfe konzentrierter angehen. Aufgeben können wir deswegen nicht", sagte Sportdirektor Thomas Pfüller vom Deutschen Skiverband (DSV).

Große Erwartungen, keine Ergebnisse

Die Hoffnung, das angestrebte Medaillenziel von fünf- bis sechsmal Edelmetall noch zu erreichen, schwindet immer mehr. Trotzdem stellte Pfüller den Trainern eine Jobgarantie aus: "Sie haben in den letzten 15 Jahren die Kastanien aus dem Feuer geholt. Da kann man nicht nach drei Tagen Weltmeisterschaft Zweifel an ihnen hegen", betonte der Sportdirektor: "Aber Fehler muss man gemacht haben. Jetzt muss man die Konsequenzen daraus ziehen." Die Realität sieht in Tschechien bislang düster aus: Nach dem Debakel mit der Mixedstaffel (13. Rang) liefen die deutschen Skijäger der Konkurrenz auch in den bisherigen Einzelwettbewerben hinterher. Vor allem die sonst so zuverlässigen weiblichen Medaillenlieferanten blieben bislang deutlich hinter ihren Erwartungen zurück.

Miriam Gössner ist schnell in der Loipe, aber schwach am Schießstand.
Miriam Gössner ist schnell in der Loipe, aber schwach am Schießstand.(Foto: dpa)

"Vor allem läuft es im Schießen derzeit nicht so, wie man sich das vorstellt. Da gibt es große Differenzen zwischen dem Anschießen, und dem, was dann im Wettkampf los", stellte Pfüller fest. Wegen der schwachen Leistungen mit der Waffe war Gössners sechster Platz im Sprint am Samstag das beste Ergebnis der Goldhoffnung. In der Verfolgung leistete sich die 22-Jährige aus Garmisch mit sechs Fahrkarten mal wieder ein kleines Fehler-Festival. Die zweimalige Olympiasiegerin Andrea Henkel blieb dort ohne Strafrunde, die aus dem Sprint mitgenommene Hypothek war für eine Podestplatzierung aber zu groß. "Ich habe mir für das Einzelrennen aber ein bisschen Sicherheit geholt", sagte Henkel.

"Ich bin im Kopf ausgebrannt"

Wie im Vorjahr in Ruhpolding verpassten die deutschen Männer am Auftaktwochenende eine Medaille. Erik Lesser sorgte bei seinem WM-Debüt mit dem zwölften Platz im Sprint für das beste Männer-Resultat und zumindest für einen kleinen Lichtblick. Über die schwachen Resultate des Medaillenanwärters Andreas Birnbacher konnte das aber nicht hinwegtäuschen. Die Plätze 23 (Sprint) und 22 in der Verfolgung standen für den 31-Jährigen am Ende eines verkorksten Wochenendes zu Buche. "Ich bin im Kopf ausgebrannt, ich weiß auch nicht, was los ist", sagte Birnbacher: "Wenn ich etwas ändern könnte, würde ich es sofort machen. Mehr war einfach nicht drin." An einer schlechten Vorbereitung habe es nicht gelegen: "Ich habe eher zu viel gemacht als zu wenig."

Zur Spitze, und das dürfte für den WM-Verlauf wenig Mut machen, fehlte Einiges: Die Goldmedaillen gingen beide Male an den überragenden Norweger Emil Hegle Svendsen vor dem Gesamtweltcup-Führenden Martin Fourcade (Frankreich). "Wir sind nicht in der Lage, mit den Überfliegern vorne mitzuhalten", sagte Herren-Bundestrainer Mark Kirchner: "Wir sind nicht zu 100 Prozent konkurrenzfähig, wenn uns in den meisten Rennen Kleinigkeiten fehlen. Da kann man auch nicht realistisch erwarten, dass man auf dem Podest steht."

Damit bleibt Arnd Peiffers Sprintsieg von 2011 in Chanty-Mansijsk vorerst das letzte echte WM-Erfolgserlebnis der DSV-Skijäger. Es scheint fraglich, dass es bis zum kommenden Sonntag noch ein weiteres geben wird. "Wir werden uns aber nicht aufgeben", sagte Pfüller, der vor der WM das hohe Ziel von fünf bis sechs Medaillen ausgegeben hatte.

Quelle: n-tv.de

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