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Iljumschinow soll Geschäfte mit Syriens Machthaber Assad getätigt haben.
Iljumschinow soll Geschäfte mit Syriens Machthaber Assad getätigt haben.(Foto: picture alliance / dpa)

Der unerwünschte Diktatorfreund: Der Schach-Präsident und sein WM-Problem

Die Schachwelt blickt nach Moskau: Acht Kandidaten spielen aus, wer den aktuellen Weltmeister Magnus Carlsen bei der WM in den USA herausfordern darf. In Russland hat Schach-Präsident Iljumschinow ein Heimspiel. Bei der WM ist er eine persona non grata.

Auf sein Heimspiel in Moskau freut sich Kirsan Iljumschinow ganz besonders. Seit November 1995 ist Iljumschinow ebenso einflussreicher wie umstrittener Präsident des Weltschachbundes Fide. Bei dem Kandidatenturnier in der russischen Hauptstadt ermitteln ab heute bis zum 30. März acht Supergroßmeister den Herausforderer von Norwegens Weltmeister Magnus Carlsen.

Das große Problem für Iljumschinow allerdings: Ob er auch das im November in New York geplante WM-Finale besuchen kann, ist fraglich. Die USA haben den 53 Jahre alten Funktionär und Ex-Präsidenten der russischen Republik Kalmückien zu einer unerwünschten Person erklärt. Iljumschinow soll Geschäfte mit Syriens Machthaber Assad getätigt haben. Deshalb wurde der Russe von Washington auf die Sanktionsliste gesetzt, was auch ein Einreiseverbot bedeutet.

Saddam Hussein, Gaddafi und Co.

Zwar bestreitet Iljumschinow die Vorwürfe und hat juristische Schritte eingeleitet. Der Imageschaden für das Schach ist dennoch immens. Schon früher zeigte der FIDE-Chef beim Umgang mit Diktatoren keine Berührungsängste. 1996 wollte er das Schachduell von Anatoli Karpow (Russland) und Gata Kamsky (USA) bei Saddam Hussein in Bagdad veranstalten, was am US-Veto scheiterte. 2004 fand das WM-Knockout-Turnier in Tripolis unter der Ägide von Libyens Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi statt.

Diese Vorfälle sind kein Ruhmesblatt für den Weltschachbund, an dessen Chefsessel Iljumschinow seit mehr als zwei Jahrzehnten klebt. Alle Versuche, ihn zu stürzen, sind gescheitert. Auch die früheren Weltmeister Karpow und Garri Kasparow konnten gegen die Winkelzüge des gewieften Geschäftsmannes und Putin-Vertrauten nichts ausrichten.

Unter den acht Kandidaten im Moskauer Elitefeld sind auch die Ex-Weltmeister Viswanathan Anand (Indien) und Weselin Topalow (Bulgarien). Sie besitzen die größte Turniererfahrung, sind aber mit 46 und 41 Jahren die deutlich ältesten Teilnehmer. Gute Chancen werden den amerikanischen Großmeistern Fabiano Caruana (23) und Hikaru Nakamura (28) eingeräumt. Auch der Russe Sergej Karjakin (26), der beim Kandidatenturnier 2014 Zweiter hinter Anand war, darf sich Hoffnungen machen, das Ticket für das Duell gegen Carlsen zu lösen.

Quelle: n-tv.de

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