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"Ich bin der stolzeste Mann der Welt": Phil Taylor, bester Pfeilewerfer der Welt. Das muss auch sein Gegner Michael van Gerwen anerkennen.
"Ich bin der stolzeste Mann der Welt": Phil Taylor, bester Pfeilewerfer der Welt. Das muss auch sein Gegner Michael van Gerwen anerkennen.(Foto: AP)

Phil Taylor, bester Darter der Geschichte: Der gereizte König schlägt zurück

Von Stefan Giannakoulis

Phil Taylor gilt im Finale der Darts-WM nicht als Favorit. Dabei ist der Mann aus Stoke-on-Trent Rekordweltmeister. Doch dann lutscht er an den Flights seiner Pfeile, kaut Eiswürfel - und zeigt der Welt und seinem jungen Gegner, wer der Beste ist.

Dieser Philip Douglas Taylor aus dem englischen Städtchen Stoke-on-Trent ist auf den ersten Blick ein sehr mittelmäßiger Mann. Graues, kurz geschnittenes Haar, dessen Ansatz im Laufe der vergangenen 52 Jahre weit nach hinten gerückt ist. Tätowierungen auf beiden Armen, 173 Zentimeter groß. Übergewicht, auch wenn er seit einigen Jahren angeblich darauf achtet, was er isst. Kurz: Die ideale Besetzung für die Rolle des Stammgastes in der Eckkneipe.

Aber eine Sache kann er besonders gut. Niemand wirft die Pfeile so präzise wie er. Und er weiß das. Das mit der Mittelmäßigkeit und das mit dem Talent. "Ich habe meine Nische gefunden, in der ich etwas werden konnte, nachdem ich nicht klug genug war für die Schule oder athletisch genug für Fußball oder Tennis oder was auch immer", hat er mal gesagt. Nun ist er, der Rekordhalter, zum 16. Mal Weltmeister. In einer hochklassigen, zweieinhalb Stunden dauernden Partie der beiden besten von insgesamt 72 Dartspieler bei dieser WM des Profiverbandes PDC hat er den Niederländer Michael van Gerwen mit 7:4 Sätzen geschlagen. Und damit auch den Kampf der Generationen gewonnen. Schließlich ist sein Herausforderer 29 Jahre jünger als er.

"Ich bin der stolzeste Mann der Welt", sagte Phil Taylor hinterher. "Es ist die größte Nacht meines Lebens." Die 2500 Zuschauer im ausverkauften Alexandra Palace waren, beschwingt von seinem grandiosem Spiel und jeder Menge Alkohol, aus dem Häuschen. Sie standen auf den Tischen und sangen das, was sie immer singen, wenn "The Power" antritt, um die Pfeile aus 2,37 Metern auf die Scheibe zu werfen, ein umgedichtetes Weihnachtslied: "There's only one Phil Taylor! One Phil Taylor! Walking along, singing this song, walking in a Taylor Wonderland." Es sind vor allem Männer mit einem Becher Bier in der Hand, die ihn bejubeln. Ein wenig wirkt es so, als feierten da die Mittelmäßigen ihren König in einem Land, in dem Darts der Sport des Volkes ist.

"Ich weiß nicht, wie lange ich das noch machen kann"

Phil Taylor hat es geschafft. Kein anderer hat diesen Sport in den vergangenen zwanzig Jahren so geprägt, so dominiert wie er. Weltmeister 1990, 1992, 1995 bis 2002, 2004 bis 2006, 2009 und 2010. Noch Fragen? Er hat Darts aus den Hinterzimmern in das Licht der Öffentlichkeit gebracht, ins Fernsehen, auf die große Bühne. Und er hat viel Geld verdient, ist mehrfacher Millionär, besitzt eine Villa auf Teneriffa. Wenn er diesen jüngsten Titel gebraucht hat, dann, um seine Kritiker zu widerlegen, die längst das Ende seiner Ära prophezeit hatten, nachdem er bei den Weltmeisterschaften in den Jahren zuvor erst im Viertelfinale und dann gar schon in der zweiten Runde ausgeschieden war.

Doch er hat sich zurückgekämpft, nuckelte an den Flights, den Flügeln seiner Pfeile wie eh und je, kaute in den Pausen Eiswürfel und zeigte, dass er unter Druck immer noch der Beste ist. Und löste seinen Freund und Schützling Adrian Lewis ab, der in den vergangenen beiden Jahren das Turnier gewonnen hatte, wie Phil Taylor aus Stoke-on-Trent stammt, dieses Mal allerdings im Viertelfinale gegen Michael van Gerwen ausgeschieden war. Dabei war er eher in diese WM gestolpert, wirkte müde, gereizt. Und hatte sich nach seinem Sieg im Halbfinale mit dem Niederländer Raymond van Barneveld angelegt. Als der nach seinem Arm griff, und ihn zum Sieg hochheben wollte, riss Phil Taylor ihn weg und strafte seinen Gegner mit einem bösen Blick. Van Barneveld revanchierte sich mit einem Schubser.

Anschließend bat Phil Taylor zerknirscht um Entschuldigung und antwortete auf die Frage, ob er bei einem Sieg im Finale zurücktreten würde: "Das ist möglich." Nach dem Triumph im Endspiel allerdings hat er dann kokett in die Kameras gelächelt und gesagt: "Ich weiß nicht, wie lange ich das noch machen kann. Ich werde 53 Jahre alt sein, wenn ich wiederkomme, um meinen Titel zu verteidigen." Klingt nicht so, als würde der Mann das in naher Zukunft sein lassen, was er nun einmal am besten kann.

Quelle: n-tv.de

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