Sport
Knicks-Superstar Carmelo Anthony agierte gegen San Antonio als super Köder.
Knicks-Superstar Carmelo Anthony agierte gegen San Antonio als super Köder.(Foto: REUTERS)

Perfekte Bilanz und Titelträume: Die Knicks dominieren die NBA

Sechs Spiele, sechs Siege: Die New York Knicks sind derzeit das beste Team der NBA und stehen dicht davor, ihren Startrekord einzustellen. Selbst die heimstarken San Antonio Spurs können den Lauf der Knicks nicht stoppen. Auch, weil "Ego-Shooter" Carmelo Anthony mehr und mehr zum Teamplayer mutiert.

"Bleibt ruhig", rief Carmelo Anthony, als an der Seitenlinie das Chaos ausgebrochen war. "Bleibt ruhig, bleibt ruhig." Wieder und wieder versuchte der Superstar der New York Knicks seine Mannschaft auf den Boden zurückzuholen. Der Trainer blaffte die Spieler an, die Spieler den Trainer. Der Grund für die Aufregung war einfach: Es drohte tatsächlich die erste Saisonniederlage. Doch die Auszeit war die Wende - den Knicks gelingt derzeit einfach alles.

"Ich habe geschrien, sie haben geschrien, dabei waren wir immer noch im Spiel", beschrieb Trainer Mike Woodson die wichtigste Szene beim 104:100 in San Antonio. Wie ein zerstrittener Haufen waren die Basketballer aufeinander losgegangen, ein erfolgreiches Kollektiv sieht eigentlich anders aus. Aber genau das ist das Team aus dem "Big Apple" in dieser Saison. Das zeigte sich, als alle wieder runtergekommen waren und Basketball gespielt wurde. Mit 77:89 lagen die Knicks zurück, etwas mehr als sieben Minuten waren da noch auf der Uhr.

"Big Apple" träumt vom Titel

Kämpfen um jeden Punkt: Altstar Jason Kidd gegen die Spurs.
Kämpfen um jeden Punkt: Altstar Jason Kidd gegen die Spurs.(Foto: AP)

"Wir hätten uns sagen können: Hey, wir spielen ja morgen schon wieder. Lasst uns abschalten", sagte Neuzugang Jason Kidd: "Aber die Jungs haben weitergekämpft." Was folgte, war ein 27:11-Lauf und der sechste Sieg in Serie. Die New York Knicks sind in diesem Jahr ein besonderes Team. Ein Team, dass in der Basketball-verrückten Stadt sogar Hoffnungen auf den ersten Titelgewinn seit 1973 wachsen lässt. Dabei hatte den zweimaligen Meister niemand so richtig auf dem Zettel, als es um die Favoriten ging. Titelverteidiger Miami, Vizemeister Oklahoma und die aufgerüsteten Lakers hießen die Tipps. Sogar den zugezogenen Brooklyn Nets wurde mehr zugetraut.

Nicht auszudenken, wenn die aus New Jersey umgesiedelten Nets den Titel tatsächlich in die Metropole holen würden. Ein Albtraum für die nach der NBA-Krone dürstenden Fans der New York Knicks. Es dürfte eine Genugtuung sein, dass die wahre Nummer eins der Stadt derzeit den Takt in der NBA vorgibt. Als einziges ungeschlagenes Team mit dem besten Saisonstart seit der Spielzeit 1993/1994. Damals waren sieben Siege in Serie gelungen - bis heute Rekord.

Anthony überzeugt als Teamplayer

So wie die Mannschaft derzeit auftritt, ist ihr alles zuzutrauen. Denn die Festung San Antonio ist alles andere als leicht einzunehmen. Vor allem für die Knicks. New York hatte seit April 2003 auf einen Sieg beim viermaligen Meister gewartet und gewann dort in der noch jungen Saison als erster Gast.

Dabei war der fünfmalige Allstar Anthony ausnahmsweise mal nicht Topscorer der Knickerbockers. Neun Punkte und bei zwölf Versuchen nur drei verwandelte Würfe aus dem Feld standen in der Statistik. Aber Zahlen allein sind eben nicht immer aussagekräftig. "Er hat unglaublich gut gespielt", sagte J.R. Smith und lobte den "neuen Melo", der nach seinem Wechsel aus Denver die in ihn gesetzten Hoffnungen zu oft nicht hatte erfüllen können. "Früher hätte er immer weiter geworfen, auch wenn sein Wurf nicht da ist. Jetzt spielt er den Pass", sagte Smith: "Wir suchen nicht unseren Wurf. Wir suchen den bestmöglichen Wurf."

"Nutzt mich als Köder"

So kam es, dass Anthony im Spitzenspiel bei den ebenfalls stark gestarteten Spurs (jetzt 7:2) nicht als "Ego-Shooter" unterwegs war. Und doch half seine Ausnahmestellung. "Ich bin zu jedem hingegangen und habe gesagt: Nutzt mich als Köder", sagte der 28-Jährige: "Es hat funktioniert."

Anthony galt die Aufmerksamkeit der Gegenspieler, andere trafen. So wie Raymond Felton, der 25 Punkte holte und dazu beitrug, dass selbst der Trainer staunte. "Das zeigt mir, dass dieses Team wirklich gut ist. Wir haben heute eine große Mannschaft geschlagen", sagte Woodson. Auch sein Gegenüber Gregg Popovich zog den Hut. "Es gibt einen Grund, warum sie eine Bilanz von 6:0 haben."

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen