Champion der Tennis-Champions: Djokovic krönt sich in London
Das Beste zum Schluss: Mit einem herausragenden Finalsieg zum Jahresabschluss 2012 bestätigt Novak Djokovic seine Fabelsaison 2011. Beim Triumph über Roger Federer zeigt der Serbe, dass das Tennisjahr zu Recht als Nummer 1 beendet. Es ist der sportlich versöhnliche Abschluss eines privat schwierigen Jahres.
Der weiße Pudel Pierre hatsein Herrchen Novak Djokovic in London täglich aufgewärmt. "Nunbraucht auch Pierre eine Verschnaufpause", witzelte der Serbe und freute sichauf "zweieinhalb Wochen an einem tropischen, wunderschönen Ort - ohne Racket!"Dabei schimmerte mal wieder der alte Tennis-Clown durch - so voller Adrenalin warder "Djoker" nach seinem 7:6 (8:6), 7:5-Sieg gegen Roger Federer im Endspielder ATP World Tour Finals in London. Damit belehrte er alle Zweifler: Nur er istder Champion der Champions und zu Recht der Weltranglistenerste am Jahresende.
Im gefühlsbeladenen Momentdes Triumphes wurde der 25-Jährige auch sehr ernst und widmete seinen sechsten Titeldes Jahres seinem schwer kranken Vater Srdjan: "Ich habe das für ihn gewonnen.Mein Vater hatte seinen eigenen Kampf. Es hing in den letzten Wochen am seidenenFaden, aber es geht ihm nun viel besser." Das Jahr des Kämpfertypen aus Belgradwar eines der privaten Schicksalsschläge. Im April hatte er seinen geliebten GroßvaterVladimir verloren. "Ich habe an zwei Fronten gekämpft", sagte der Familienmensch.
Sportliche und private Rückschläge
Auch in seinem Tennisjahrerlebte er einige bittere Rückschläge - zum Beispiel blieb der so stolze Trägerder serbischen Flagge bei Olympia ohne Medaille. Aber wie hätte er die Fabel-Saison2011 mit den zehn Turniersiegen (darunter drei Grand-Slam-Titel) auch toppen sollen?Der Herrentennis-Zirkus war vielleicht nie spannender und hochklassiger als in dieserSaison, geprägt von den Fab Four: Die vier Grand-Slam-Titel teilten Djokovic (AustralienOpen), Rafael Nadal (French Open), Federer (Wimbledon) und Andy Murray (US Open)untereinander auf und gewannen 14 der 15 wichtigsten Saisontitel.
Aber die gefühlte Nummereins 2012? Das war bis dato nicht Djokovic. Eher "King Roger", der seinensiebten Wimbledonsieg feierte, auf Platz eins zurückkehrte und nun auf 17 Grand-Slam-Titel und 302 Wochenan der Spitze der Weltrangliste kommt. Oderder britische Olympiasieger und Ivan-Lendl-Lehrling Murray mit seinem "meilenweitbesten Karrierejahr", wie er es selbst nennt.
Konstanter Punktesammler
Djokovic war dafür der konstantestePunktesammler und an den meisten dramatischen, einprägsamen Matches beteiligt: Dawar das epische 5:53-Stunden-Finale von Melbourne gegen Nadal, das Zwei-Tages-Endspielvon Roland Garros gegen Nadal, dann der US-Open-Thriller gegen Murray und erneutgegen den Schotten ein Sieg beim längsten Masters-Finalmatch der Geschichte in Schanghai.
Aber am Ende beschloss erdas Jahr wie er es in Australien damals mit dem denkwürdigen Zerrissenen-Hemd-Jubelbegonnen hatte: als Triumphator. In dem Showdown mit abermals Nägelknabber-Garantierang er Federer nieder. In beiden Sätzen lag der Mann mit dem gefürchteten Big-Point-Tennismit Break zurück und wehrte im zweiten Durchgang zwei Satzbälle ab. Federer befandanerkennend, dass er nicht besser hätte spielen können. Auch er nannte seine Saison"fantastisch". Ob ihn irgendwelche Niederlagen 2012 wurmen? Ja, das Heim-Endspielin Basel und das Finale in Halle gegen Tommy Haas.
Djokovic dachte auch anden, der in London fehlte: Nadal. Der Spanier hofft nach seiner schweren Knieverletzungauf ein baldiges Comeback. "Das Tennis vermisst Rafa", sagte der Wahl-Monegasseund wünschte sich weitere irre Duelle der Fab Four 2013. Aber erst will er bei tropischemFlair seine "Batterien wieder aufladen".
Quelle: n-tv.de

