Freitag, 25. Mai 2007
"Übermächtiger Gegner": Doping überall
Der Doping-Skandal im Radsport wird sich nach Ansicht des Chefs der Nationalen Anti-Doping-Agentur, Armin Baumert, auch auf andere Sportarten ausdehnen. "Wir müssen leider auf alles gefasst sein", erklärte der frühere Weitspringer im Gespräch mit n-tv.de. Der Sport ist ein Milliarden-Geschäft, die Anti-Doping-Stellen seien aber nur schlecht ausgestattet. "Die Kontrollen sind nicht ausreichend, die NADA braucht erheblich mehr Geld und Personal", so Baumert.
Der 63-Jährige gibt sich desillusioniert. Auch mit deutlich mehr Geld und besseren Kontrollmethoden sei der Kampf nicht zu gewinnen. Baumert: "Nur Teilerfolge sind machbar. Der mafiöse globale Gegner ist beinahe übermächtig."
n-tv.de: Erik Zabel hat gestern erklärt, er habe gedopt, "weil es ging". Wie kann das sein?
Armin Baumert: Die Frage müsste Zabel selbst beantworten, dann wären wir alle schlauer.
Ist es denn glaubwürdig, dass immer nur einzelne Vergehen zugegeben werden - Stichwort "Ausprobiert" - die noch dazu Jahre zurückliegen? Muss man nicht sagen: Im Radsport wurde systematisch und flächendeckend gedopt?
Man müsste es sagen, wenn alle am System Radsport beteiligten Sportler, Trainer, Betreuer, Mediziner und Funktionäre diesen "Offenbarungseid" leisten.
Sind die Kontrollen ausreichend? Oder muss noch viel mehr Geld und Personal in der Doping-Kontrolle eingesetzt werden?
Hier nur eine knappe Antwort: Die Kontrollen sind nicht ausreichend, die NADA braucht erheblich mehr Geld und Personal. Die Frage nach der Quantität muss aber verbunden werden mit der Qualität. Also "klügere" Kontrollen, sowohl von der methodischen als auch von der analytischen Seite.
Wie viel Geld wird tatsächlich für den Kampf gegen das Doping im Jahr aufgewendet? Kann man das seriös und genau beziffern?
Nein. Um die Frage seriös zu beantworten, bedarf es einer genaueren Analyse.
Ist der Wettlauf zwischen der Entwicklung neuer Doping-Methoden und der Entwicklung entsprechender Nachweisverfahren überhaupt zu gewinnen.
Nur Teilerfolge sind machbar. Der mafiöse globale Gegner ist beinahe übermächtig.
Viele Sportler haben eine Anti-Doping-Erklärung unterzeichnet - dopen aber dennoch. Ist das naiv, oder kann man auch mit Appellen an die Moral gegen das Doping angehen?
Man kann, leider, auch damit nur bedingt befriedigende Resultate erzielen. Ein brauchbarer Weg in die Zukunft ist das Modell der Stiftung Deutsche Sporthilfe mit ihrem "Sporthilfe-Eid" und den sich daraus ergebenden Konsequenzen für den Sportler.
Derzeit reden alle vom Radsport. Wie sieht es in anderen Sportarten aus? Müssen wir bald mit Skandalen auch im Fußball oder im Wintersport rechnen?
Wir müssen leider auf alles gefasst sein.
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