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Mittlerweile stehen nicht mehr nur noch zwei Sportler des ASV Nendingen im Visier der Doping-Ermittler.
Mittlerweile stehen nicht mehr nur noch zwei Sportler des ASV Nendingen im Visier der Doping-Ermittler.(Foto: imago/Sportsword)

"Novum in Deutschland": Dopingaffäre im Ringen weitet sich aus

Bei den Untersuchungen zur Dopingaffäre um den deutschen Ringen-Mannschaftsmeister ASV Nendingen werden die Ermittler fündig: Dokumente weisen darauf hin, dass es sich um schweres Doping handeln könnte, das es so in Deutschland noch nicht gab.

Die Dopingaffäre um den deutschen Ringer-Mannschaftsmeister ASV Nendingen hat eine neue Dimension erreicht. Die zuständige Staatsanwaltschaft Freiburg bestätigte, dass gegen weitere Athleten des Vereins ermittelt werde. Die Nationale Anti Doping Agentur spricht von einem "Novum im Anti-Doping-Kampf in Deutschland". "Die Auswertung der bislang sichergestellten Dokumente hat den Verdacht gegen weitere Athleten erhärtet", sagte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel. Über die Anzahl der Athleten wollte er "aus ermittlungstaktischen Gründen" keine Angaben machen.

Mächtel bestätigte, dass weiter ausschließlich wegen Verstößen gegen das Anti-Doping-Gesetzt ermittelt werde. "Bislang ging es nur um Medikamente, nun auch um die Anwendung verbotener Infusionen", sagte Mächtel, ohne weitere Details zu nennen. "Eine solche Ausweitung der Ermittlungen ist ein Novum im Anti-Doping-Kampf in Deutschland. Wir begrüßen das ausdrücklich", sagte Lars Mortsiefer, Vorstandsmitglied aus der Nationalen Anti Doping Agentur NADA.

Das Infusions-Verbot fällt in der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unter das Themenfeld "Chemische und physikalische Manipulation".
Das Infusions-Verbot fällt in der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unter das Themenfeld "Chemische und physikalische Manipulation".

Das Infusions-Verbot fällt in der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unter das Themenfeld "Chemische und physikalische Manipulation". Demnach sind "intravenöse Infusionen und/oder Injektionen von mehr als 50 ml innerhalb eines Zeitraums von sechs Stunden" verboten, "es sei denn, sie werden rechtmäßig im Zuge von Krankenhauseinweisungen, chirurgischen Eingriffen oder klinischen Untersuchungen verabreicht."

Zwei Sportler im Visier der Ermittler

Ursprünglich war gegen zwei Nendinger Ringer ermittelt worden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Freiburg mehrere Durchsuchungsbeschlüsse erlassen, die am 15. und 18. Februar durch Beamte des Landeskriminalamts Baden-Württemberg vollzogen worden waren. Die Ermittler durchsuchten damals mehrere Wohnungen sowie die Vereinsräumlichkeiten, bei der zweiten Durchsuchung gerieten auch Funktionäre ins Visier. Sichergestellt wurden unter anderem Medikamente und Unterlagen.

Bei der Causa Nendingen handelt es sich um den ersten aufsehenerregenden Dopingfall nach Einführung des neuen Anti-Doping-Gesetzes. Die Ermittlungen gehen auf Hinweise der Nationalen Anti Doping Agentur zurück. Auch sportrechtlich sind Verfahren des Deutschen Ringer-Bundes gegen den Verein aus Südschwaben anhängig, dem ASV droht die Aberkennung der Meisterschaft.

Nutznießer wäre der unterlegene Finalgegner Germania Weingarten. Weltmeister Frank Stäbler hatte Anfang März bekannt gegeben, dass er von Nendingen nach Weingarten wechseln wird und dies offiziell mit den besseren sportlichen Perspektiven begründet. Der Verein selbst hatte von dem neuen Ermittlungsstand noch keine Kenntnis. Das bestätigte Sportvorstand Markus Scheu.

"Ich weiß nichts davon"

Auch der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes Manfred Werner sagte: "Ich weiß nichts davon. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass deutsche Athleten betroffen sind. Die wurden und werden ja immer wieder getestet. Für die Sportart sind Dopingfälle natürlich nicht gut. Aber es zeigt, dass unser System in Deutschland greift." Der ASV Nendingen hatte im Februar betont, dass es sich bei den beiden Athleten, gegen die zuerst ermittelt wurde, um ausländische Sportler gehandelt habe.

In einer Stellungnahme verwies die NADA auf die erhöhte Wirksamkeit des Anti-Doping-Kampfes seit Einführung des neuen Gesetzes. "Das Anti-Doping-Gesetz ermöglicht der NADA eine bessere Zusammenarbeit mit den staatlichen Ermittlungsbehörden, wie dieser erste Fall zeigt", hieß es: "Die NADA unterstützt die Ermittlungsmaßnahmen. Durch die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft werden bestehende und funktionierende sportrechtliche Ahndungs- und Sanktionsmechanismen sinnvoll unterstützt. Vorhandene Lücken werden, auch bei der Verfolgung von Doping unterstützenden Hintermännern, durch den staatlichen Strafverfolgungsanspruch geschlossen."

Quelle: n-tv.de

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