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Gutes Spiel, keine Punkte: Die deutschen Handballer konnten sich zum EM-Start gegen Spanien nicht belohnen.
Gutes Spiel, keine Punkte: Die deutschen Handballer konnten sich zum EM-Start gegen Spanien nicht belohnen.(Foto: AP)

Unnötige Pleite gegen Spanien: EM-Fehlstart frustriert deutsche Handballer

Ohne Erfahrung, aber auch ohne Angst geht die deutsche Handball-Nationalmannschaft in ihr EM-Auftaktspiel gegen Spanien. Doch eine Sieben-Minute-Schwäche verhindert den durchaus möglichen Coup - und der Schiedsrichter, schimpft DHB-Coach Sigurdsson.

Großer Kampf, aber keine Belohnung: Die deutschen Handballer haben bei der EM in Polen ihr Auftaktspiel gegen den Gruppenfavoriten Spanien verloren. Trotz einer über weite Strecken guten Leistung unterlag das Team von Dagur Sigurdsson mit 29:32 (15:18) und muss um den Einzug in die Hauptrunde bangen.

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"Ich ärgere mich über die Niederlage, wir hätten etwas holen können. Wir haben gut gekämpft und gut gespielt. Es haben aber Kleinigkeiten gefehlt", sagte Sigurdsson im ZDF und konnte sich einen Seitenhieb auf die französischen Schiedsrichter nicht verkneifen: "Wenn man sieht, wie einige Entscheidungen getroffen wurden, bin ich mir sicher, dass Spanien einen kleinen Bonus hatte."

Vor rund 5000 Zuschauern kostete eine siebenminütige Schwächephase zwischen dem 10:10 (16.) und dem 11:18 (23.) die junge deutsche Mannschaft einen möglichen Punktgewinn. Bester Werfer in einer tapfer kämpfenden Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) war Christian Dissinger mit sechs Toren. Durch die Niederlage steht der ersatzgeschwächte WM-Siebte in den weiteren Gruppenspielen am Montag (20.30 Uhr/ARD) gegen Rekord-Europameister Schweden und am Mittwoch (17.15 Uhr/ZDF) gegen Slowenien unter Druck. Die ersten drei Teams der ausgeglichenen Gruppe C qualifizieren sich für die Hauptrunde.

"Rasselbande" verliert den Faden

Schweden zittert sich zum Auftaktsieg

Der nächste deutsche Gruppengegner Schweden ist mit einem Zittersieg in die Handball-EM in Polen gestartet. Nach einer Sieben-Tore-Führung zur Pause gewann der Rekord-Europameister am Samstag in Breslau gegen die höher eingeschätzte Auswahl Sloweniens mit 23:21 (16:9). Vor rund 5000 Zuschauern warfen der Schwede Niclas Ekberg vier und der Slowene Matej Gaber fünf Tore. Jesper Nielsen (Schweden) sah nach drei Zeitstrafen in der 50. Minute Rot. Bei der Partie trug Schwedens Spielführer Tobias Karlsson nicht wie ursprünglich geplant eine Kapitänsarmbinde in den Regenbogenfarben. Dies war ihm durch die Europäische Handball-Föderation (EHF) mit Verweis auf die Bekleidungsrichtlinien untersagt worden. Stattdessen hatte er eine blaue Binde mit einem weißen C drauf am Arm. (dpa)

 Die unerfahrene deutsche Mannschaft begann mit ihren 14 EM-Debütanten ohne Nervosität. Die von Sigurdsson geforderten schnellen Abschlüsse, bevor sich die spanische Deckung formiert hat, setzte die DHB-Auswahl in der Anfangsphase perfekt um. Der Lohn war eine 6:4-Führung nach sechs Minuten, auf die der spanische Trainer Manuel Cadenas mit einer frühen Auszeit reagierte.

Danach kam der Favorit besser ins Spiel, bei der deutschen "Rasselbande" schlichen sich nach dem 9:7 (12.) immer mehr Fehler ein. Riskante Anspiele an den Kreis führten immer wieder zu Ballverlusten, die von den Iberern mit ihrem perfekten Gegenstoßspiel gnadenlos bestraft wurden.

Ein ums andere Mal wurde das mit knapp 25 Jahren mit Abstand jünsgte Team ausgekontert. Obendrein bekamen die Torhüter Carsten Lichtlein und zunächst auch der für ihn eingewechselte Andreas Wolff im Gegensatz zu Spaniens Arpad Sterbik keinen Ball zu fassen. Nach 24 Minuten lief die DHB-Auswahl einem hoffnungslos scheinenden 11:18 hinterher.

Danach nahmen die deutschen Spieler ihr Kämpferherz in die Hände. In einer hektischen Schlussphase der ersten Halbzeit kämpfte sich die DHB-Auswahl mit vier Toren in Folge zurück - das blieb bei den Spaniern nicht ohne Wirkung. Jorge Maqueda warf bei der letzten Aktion des ersten Durchgangs Kapitän Steffen Weinhold den Ball bei einem Freiwurf aus kurzer Distanz mitten ins Gesicht und sah von den französischen Schiedsrichtern die Rote Karte. Eine Rudelbildung auf dem Feld war die Folge.

Gegentor in dreifacher Überzahl

In der Pause beruhigten sich die Gemüter wieder, nach der Roten Karte und weiteren Zeitstrafen gegen Ende der ersten Halbzeit agierte die DHB-Auswahl zu Beginn des zweiten Durchgangs für kurze Zeit in dreifacher Überzahl - doch dem zweimaligen Weltmeister Spanien gelang das erste Tor zum 15:19 (32.). Die routinierten Spanier wehrten auch dank Sterbik immer wieder die deutschen Bemühungen ab, wenigstens noch ein Unentscheiden zu erreichen und einen Punkt zu gewinnen.

Einziger Trost aus deutscher Sicht: Niederlagen zum EM-Start haben für deutsche Handballer fast schon Tradition. Der einzige Auftaktsieg in der Geschichte von Europameisterschaften gelang 2008 gegen Weißrussland.

Quelle: n-tv.de

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