Sport
Sonntag, 13. August 2017

Drama um den großen Usain Bolt: Ein Krampf - ausgerechnet im letzten Rennen

Usain Bolt packt das Staffelholz, sprintet los - doch nach wenigen Metern brüllt er auf, humpelt noch ein paar Meter und lässt sich schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht fallen. Was war passiert?

Ein Schrei, ein Fall - und alles war aus: Die glanzvolle Karriere des Usain Bolt endete mit einem großen Drama. 50 Meter vor dem Ziel des Staffel-Finals der WM in London ging der Megastar als Schlussläufer der Jamaikaner verletzt zu Boden. Ausgerechnet in seinem letzten Karriere-Rennen erlebte Bolt einen der bittersten Momente seines großen Sportlerlebens.

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Bolt war um 21.56 Uhr britischer Zeit schon mit Rückstand auf die letzte Teilstrecke gegangen, wollte ein letztes Wunder vollbringen. Doch schon nach wenigen Schritten brüllte der 30-Jährige vor Schmerzen auf und ging zu Boden. Nach langen Minuten humpelte er auf seine Teamkollegen gestützt und unter dem tosenden Applaus von 60.000 Zuschauern aus dem Innenraum.

Offenbar hat sich Bolt aber nur leicht verletzt. "Es war ein Krampf in seiner linken hinteren Oberschenkel-Muskulatur", teilte Jamaikas Teamarzt Kevin Jones noch in der Nacht mit, "der Großteil der Schmerzen kommt wohl von der Enttäuschung über die Niederlage. Seine letzten drei Wochen waren hart, wir hoffen das Beste für ihn". Zu der Verletzung sei es durch die empfindliche Abendkühle gekommen, vermutet der Arzt. Wahrscheinlich habe Bolt zu früh seine Trainingssachen ausgezogen. "Es ist einfach passiert", sagte Startläufer Omar McLeod, der 110-Meter-Weltmeister von London: "Usain Bolts Name wird dennoch für immer weiter leben."

"Für mich ist er immer noch der Beste der Welt."

Die ebenso frenetisch gefeierten Briten setzten sich in 37,47 Sekunden unerwartet vor den amerikanischen Favoriten um 100-m-Weltmeister Justin Gatlin (37,52) durch und holten den WM-Titel nach zwölf Jahren zurück nach Europa. 2005 hatte Frankreich gesiegt, 2007 triumphierten die USA, danach begann die große Ära Jamaikas, das mit dem überragenden Bolt viermal in Serie gewann. "Ich denke, Usains Verletzung ist der Kälte geschuldet, es tut mir leid für ihn", sagte Gatlin: "Für mich ist er immer noch der beste der Welt."

Bolt tritt damit ohne einen weiteren WM-Titel zurück. Über 100 Meter war er nur Dritter geworden, über 200 Meter nicht am Start. Bolt hatte schon weit vor der WM angekündigt, nach den Titelkämpfen seine Karriere zu beenden. Er wurde in seiner Laufbahn achtmal Olympiasieger und hält seit 2009 die Weltrekorde über 100 (9,58) und 200 Meter (19,19). Vor fünf Jahren stellte er bei Olympia in London zudem mit Jamaika den Weltrekord (36,84) über die 4x100 Meter auf. Nach seiner Niederlage über die 100 Meter am vergangenen Wochenende hatte sich Bolt rar gemacht in London. Der Jamaikaner nahm auch keine Termine wahr. Der Superstar, der Lautsprecher der Leichtathletik, bereitete sich ganz still auf seinen Abschied vor. Der letzte Akt sollte unbedingt mit dem zwölften WM-Gold enden - doch er endete am Boden.

Jetzt kann er machen was er will

Schon nach den 100 Metern, als sich Bolt seinem alten Rivalen Justin Gatlin und Christian Coleman aus den USA geschlagen geben musste, wirkte der 30-Jährige so, als könne er den Ruhestand gar nicht mehr abwarten. "Ich bin aufgeregt, endlich normal leben zu können, aufzustehen, wann ich will, und zu wissen, dass ich kein Training habe", sagte Bolt: "Ich kann tun und lassen, was ich will." Natürlich wird der große Mann aus dem kleinen Dörfchen Sherwood Content den "Sport vermissen, aber ich bekomme die Chance, zu leben und zu reisen, wann ich will. Ich weiß nicht, wo ich hin will oder wohin mich meine Karriere führen wird, aber es ist spannend."

Schon im Vorfeld der WM hatte Bolt angekündigt, auf dem Oktoberfest in München jetzt "mehr Biersorten ausprobieren" zu wollen. Und Kinder will Bolt haben, "ganz sicher". Ganz sicher wird Bolt auch eine Lücke hinterlassen in der Leichtathletik, niemand kommt an seine Aura heran, niemand faszinierte die Massen wie der Weltrekordler über 100 und 200 Meter. Ohne ihn wird die Leichtathletik eine andere sein. Am Mythos Bolt kann auch das Drama von London nicht kratzen.

Quelle: n-tv.de

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