
Der renommierte Sportmediziner Perikles Simon hat sich für international staatenunabhängige Dopingkontrollen ausgesprochen. "Es ergibt keinen Sinn, dass die deutsche Nada die deutschen Athleten kontrolliert, es macht vielleicht nicht einmal Sinn, dass wir eine Nada haben", sagte der Mainzer Dopingexperte im "Kicker". Seiner Ansicht nach wäre es besser, "eine in mehrere Teilgebiete unterteilte europäische Anti-Doping-Agentur einzurichten, um gewisse Fairness zu erreichen", betonte der Professor.
Eine europäische Harmonisierung sei auch deshalb wichtig, um die Zahl der Kontrollen zu vereinheitlichen. "Die Unabhängigkeit der Kontrollinstanz", meinte Simon, "ist länderübergreifend absolut sinnvoll und auf Dauer unabdingbar".
Der Sport könne das Dopingproblem nicht im Alleingang lösen, warnte der Wissenschaftler. "Er muss Hilfen von außen ohne Einschränkungen akzeptieren", forderte Simon. Er habe dem Bundestag vorgeschlagen, die Gesetzgebung ähnlich wie in Frankreich oder Italien zu gestalten. Dadurch werde es möglich, "das Umfeld gedopter oder dopingverdächtiger Athleten zu durchleuchten, um Strafmaßnahmen einleiten zu können".
Dass sich die Bundesregierung bei der Finanzierung von Wada und Nada künftig zurückhält, kann Simon durchaus verstehen. "Wenn bei einem Testvolumen von mehr als 8000 Athleten nur 0,086 Prozent des Dopings in Trainingskontrollen überführt werden, könnte man dieses Geld anderweitig effektiver verwenden", betonte der 38-Jährige dem "Kicker". Im Jahr 2010 wurden bei 8000 Nada-Kontrollen lediglich sieben Athleten positiv getestet. Simon fordert daher seit Längerem, statt in Dopingkontrollen lieber in die Forschung zur Entwicklung besserer Testverfahren zu investieren.



