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Größter spanischer Dopingprozess: Fuentes wird wortreich schweigen

Reden wird der spanische Blutpanscher Eufemiano Fuentes im Dopingprozess gegen ihn, der in Madrid mit Störfeuern eröffnet wird. Der Justiz helfen will der unter männlichen Sportlern einst so begehrte Gynäkologe nicht. Seine Patienten-Akten sollen verschlüsselt bleiben.

Eufemiano Fuentes auf dem Weg zur Aussage, die dann gar nicht stattfand.
Eufemiano Fuentes auf dem Weg zur Aussage, die dann gar nicht stattfand.(Foto: REUTERS)

Eufemiano Fuentes will reden, sagen will er nichts. Im Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde" erklärte die Hauptfigur des mit Spannung erwarteten Dopingprozesses beim Auftakt in Madrid: "Ich habe nicht die Absicht, Namen meiner Kunden und Patienten zu nennen. Für mich ist alles Vergangenheit."

Dies heißt, dass Fuentes der Justiz nicht behilflich sein wird, eine ganze Reihe von Beweismitteln bislang nur kodierten Namen der Fuentes-Patienten zuzuordnen. Ein Sachverhalt, den Fuentes-Anwalt Julian Perez Templado bestätigte. Und ein Schritt, der fast erwartet werden musste, nachdem Fuentes schon vor Jahren in Medien zitiert worden war, er wolle sich nach drei Morddrohungen gegen seine Person zurückhalten.

Fuentes-Anwalt Perez Templado und die juristischen Vertreter der vier Mitangeklagten machten zu Prozessbeginn im Juzgados de lo Penal de Madrid gleich Makulatur aus dem Ablaufplan des ersten Tages: Dieser begann mit 75 Minuten Verspätung und endete ohne die angekündigte Aussage von Fuentes. Diese soll jetzt am Dienstag um 9.30 Uhr erfolgen.

Störmanöver statt Aufklärung

Der holprige Auftakt lässt befürchten, dass der bis 22. März terminierte Prozess von weiteren Störmanövern der Anwälte beeinträchtigt sein wird. Diese versuchten bereits am Montagmorgen mit aller Macht, die Zulassung von Beweismitteln zu verhindern und die geplante Vernehmung von insgesamt 35 Zeugen zu verzögern, darunter der Deutsche Jörg Jaksche.

Gegen den 57 Jahre alten Mediziner Fuentes, zu dessen Patienten rund 200 Spitzensportler und 58 Radsportler gehört haben sollen, darunter der frühere Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, fordert die Staatsanwaltschaft empfindliche Strafen. Auch den vier Mitangeklagten José Ignacio Labarta, Manolo Saiz, Vicente Belda Vicelo und der als Ärztin tätigen Fuentes-Schwester Yolanda droht sie mit Haft bis zu zwei Jahren, einem ähnlich langen Berufsverbot sowie Geldstrafen bis zu rund 16.000 Euro. Labarta und Belda gehörten zum spanischen Kelme-Team, Saiz war Sportdirektor bei Once und Liberty Seguros.

Jaksche bleibt skeptisch

Doping-Kronzeuge Jörg Jaksche hat "keine großartigen Erwartungen" an den Prozess. Der Ex-Radprofi, der den spanischen Skandalmediziner zu seinen aktiven Zeiten selbst aufgesucht hatte, sagte im WDR-Radio: "Die ganze Anklage ist sehr wacklig." Weil Doping bei der Aufdeckung des Skandals 2006 nach spanischen Recht nicht strafbar war, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Fuentes und vier Mitangeklagte nun Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.

Jaksche nannte dies eine "juristische Krücke", um doch noch eine Verurteilung zu erzwingen. "Das wird aber sicher sehr schwierig."

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Quelle: n-tv.de

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