WM-Wunschkonzert auf n-tv.deWarum Brasilien es schaffen kann
Brasilien, das waren bis vor kurzem die, die toll gespielt haben, aber nicht gewannen. Das ist dank Trainer Dunga nun wieder anders, deshalb ist Titel Nummer sechs nicht mehr zu verhindern.
Es gibt einen ganz einfachen Grund, warum die Brasilianer in diesem Jahr Weltmeister werden, und eine Reihe komplizierterer. Der einfachste und naheliegendste ist mein Sohn, seit Wochen fährt er als Brasilianer zum Kindergarten, wo er auf den Rest seiner zufällig reinen Jungs-Kindergartengruppe trifft.
In Zeiten der Fußball-WM ist das super, alles Fachleute und das heißt außerdem, da sitzen dann schon Maradona, ein Franzose, die halbe deutsche Nationalmannschaft und einer, dessen Fußballsachen leider gerade in der Wäsche sind. Das passiert bei uns auf gar keinen Fall, schon aus Gründen des Selbstschutzes, aber das ist ein anderes Thema. Wir sind ja gerade bei Brasilien.
Ein Land hinter einem Team
Ich weiß, andere Länder gelten als Mutterland des Fußballs, aber Brasilien ist Fußball. Ich meine, wir reden hier vom fünffachen Weltmeister. So oft hat keine andere Nation den Cup geholt. Brasilien war zudem mit einer zu vernachlässigenden Unterbrechung über 10 Jahre auf den ersten Platz der FIFA-Weltrangliste abonniert, da konnte sich der Rest der Welt die Füße wundlaufen. Welches Land kann außerdem auf 69 Prozent der eigenen Bevölkerung als Fans setzen? Kein anderes der Welt, so einfach ist die Antwort.
Jahrelang waren die Brasilianer für ihre Spielfreude und ihren Ballwitz beliebt und bekannt, gewonnen haben am Ende die anderen, die, die Tore gemacht haben. "O jogo bonito", das schöne Spiel, entwickelte sich langsam zum Fluch, sah super aus, brachte aber keinen Titel. Das immerhin hat sich schon geändert, seit Carlos Dunga 2006 die "Seleção" übernahm. Der frühere Kapitän des VfB Stuttgart ist seit 2006 Nationaltrainer und seitdem läuft der Laden.
So gewinnt man Turniere
2007 gewann das Team die Copa America, 2009 den Confed-Cup. Dunga hat aus den brasilianischen Ballkünstlern, die sich in den Ligen überall auf der Welt verdingen, wieder eine Mannschaft gemacht. Diese Jungs sind bereit, auf dem Platz Dreck zu fressen, ihre Abwehr steht wie Fort Knox, dieses Gegentor neulich von Tansania war das erste nach 596 Minuten!!
Maicon, Kaka, Fabiano, die wollen wirklich Weltmeister werden, nicht nur ein bisschen. Jeden, der nicht den unbedingten Siegeswillen hatte, haben sie einfach zu Hause gelassen, da kann der noch so Ronaldinho sein, aus, weg. Trainer Dunga war 1994 selbst Weltmeister, er hat seinen Jungs offenbar genau den richtigen Geist für Südafrika eingepflanzt. Dazu kommen harte Arbeit und Disziplin, immer wieder Techniktraining und Standardsituationen. Öffentliche Eskapaden der Superstars – Fehlanzeige.
So wird man Weltmeister, außerdem findet die nächste WM im eigenen Land statt, das dürfte als Motivation kaum zu toppen sein. Und dann ist da ja noch die Kleinigkeit mit dem Outfit für die Siegesfeier. Also wir sind gerüstet.