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"Für mich geht das Turnier jetzt los": Oliver Roggisch.
"Für mich geht das Turnier jetzt los": Oliver Roggisch.(Foto: dpa)

WM-Handballer "ein richtig geiles Team" : Gurkentruppe greift nach den Sternen

Von Stefan Giannakoulis

Ohne Superstars, aber mit einer gehörigen Portion Teamgeist stürmen die deutschen Handballer ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft. Nun ist alles möglich. Und das ist eine echte Sensation. Aber wer sind die neuen Helden? Wir stellen sie vor.

Bundestrainer Martin Heuberger war schnell bemüht, jegliche Art von Euphorie im Keim zu ersticken. "Wir sind noch nicht zurück in der Weltspitze", sagte er, just nachdem die deutschen Handballer bei der Weltmeisterschaft in Spanien mit einem souveränen 28:23-Erfolg gegen Mazedonien das Viertelfinale erreicht hatten. "Das ist noch ein weiter Weg, und dafür müssen wir noch viel arbeiten." Da mag er Recht haben. Fest steht aber auch. Seine Mannschaft gehört zu den acht besten Teams der Welt, zumindest nominell. Und das ist weit mehr, als die meisten vor diesem Turnier erwartet hatten.

Auch der Bundestrainer selbst. "Ich bin schon überrascht. Ich hätte mit so einer Mannschaftsleistung nicht gerechnet." Dabei hat das DHB-Team nicht nur Mazedonien geschlagen, sondern im letzten Gruppenspiel auch den Titelverteidiger und Olympiasieger aus Frankreich. Aber wer sind eigentlich die Stützen dieser jungen Mannschaft, die am Mittwoch ab 19 Uhr  gegen Spanien ihr Viertelfinale bestreitet? Und, wie es Spielmacher Michael Haaß formulierte, als "Gurkentruppe vom Dienst" angereist war. Jetzt lautet die Devise: "Warum soll das Ziel nicht Halbfinale sein?" Gesagt hat das Silvio Heinevetter. Und damit sind wir auch schon bei einem der Besten des 16 Spieler umfassenden Kaders. "Wir haben zwar keine Superstars, aber eine richtig geile Truppe." Diese Namen sollten Sie sich merken:

Voll dabei: Silvio Heinevetter.
Voll dabei: Silvio Heinevetter.(Foto: dpa)

Silvio Heinevetter, der Artist im Tor. Nach dem Sieg gegen Mazedonien sagte Bundetrainer Heuberger über den 28 Jahre alten Torhüter der Berliner Füchse: "Er war wirklich überragend." Besonders eine Szene in diesem Achtelfinale hatte es ihm angetan. Beim Stand von 18:16 hatte das deutsche Team seine einzige echte schwache Phase. Doch Heinevetter verhinderte mit einer spektakulären Parade den Anschlusstreffer und hielt seine Mannschaft auf Siegkurs. Kurzum: Er ist der große Rückhalt, den eine Mannschaft braucht, die überraschend für Furore sorgt. Und nach schwachem Turnierbeginn mittlerweile die Nummer eins vor Carsten Lichtlein, 32 Jahre alt, vom TBV Lemgo. Dabei stand Heinevetter nach der Vorrundenpleite gegen Tunesien noch arg in der Kritik.

Oliver Roggisch, der Chef in der Abwehr. Mit seinen 32 Jahren ist der Kapitän der Älteste im deutschen Kader. Und einer der Besten. In der Bundesliga spielt in Mannheim bei den Rhein-Neckar Löwen. Und hatte nach der Niederlage gegen Tunesien geschimpft: "Die Dinger, die wir reinkriegen - da muss der Torwart auch mal einen Ball halten". Inzwischen hat er sich aber wieder mit Heinevetter vertragen. War mit dem Torwart und seinen Abwehrkollegen der Garant für den deutschen Erfolg. Und glänzte sogar als Torschütze. Sagte vor dem Achtelfinale: "Für mich geht das Turnier jetzt los." Wenn das kein Versprechen ist. Da Roggisch sich so weit wie möglich aus dem Angriffsgeschehen heraushält, ist Christoph Theuerkauf, 28 Jahre, von der HBW Balingen-Weilstetten, als reiner und wendiger Angriffsspezialist nach wie vor dessen bessere Hälfte am Kreis. Und auch der 23 Jahre alte Kreisläufer Patrick Wienczek vom THW Kiel, groß und durchsetzungsstark, war bei dieser WM schon erfolgreich.

"Immer mit kühlem Kopf": Michael Haaß.
"Immer mit kühlem Kopf": Michael Haaß.(Foto: dpa)

Michael Haaß, der Spielmacher. Überzeugte gegen Mazedonien in erster Linie als zweiter Teil des Mittelblocks neben Roggisch in der Abwehr. Und mit dem Zitat von der Gurkentruppe. In der Offensive ist der 29 Jährige von Frisch Auf Göppingen, der nach der Saison zum SC Magdeburg wechselt, für die Spielgestaltung und den konstruktiven Angriff zuständig. "Immer mit kühlem Kopf", wie Kollege Roggisch lobt. Auch wenn es den Posten offiziell nicht gibt, ist er in der deutschen Mannschaft so etwas wie der Ko-Kapitän. Schließlich ist er einer von vier Spielern im Kader, die 2007 Weltmeister wurden. Als Alternative im mittigen Rückraum steht Martin Strobel, 26 Jahre alt vom TBV Lemgo, bereit. Gegen Mazedonien erzielte er zwei Tore.

Sven-Sören Christophersen, der Kämpfer. Gegen Mazedonien musste der 27 Jahre alte Rückraumspieler von den Füchsen Berlin früh die Segel streichen. Christophersen war nach einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler mit Schmerzen im linken Knie und Oberschenkel bereits in der fünften Minute ausgewechselt worden. Doch auch er ist heiß. "Ich glaube, bis zum Viertelfinale bekommen wir das wieder hin." Auch Bundestrainer Martin Heuberger rechnet mit einem Einsatz Christophersens. "Er hat mir bereits zur Halbzeit signalisiert, dass er wieder einsatzbereit wäre. Aber ich wollte kein Risiko eingehen. Wir brauchen Smöre im wichtigen Spiel am Mittwoch." Dabei hatte Christophersen nach einem Außenbandriss im rechten Knie erst zu Beginn des Jahres sein Comeback im Nationalteam gefeiert.

"Bei uns macht jeder seine Tore": Stefan Kneer.
"Bei uns macht jeder seine Tore": Stefan Kneer.(Foto: AP)

Stefan Kneer, der Mann für die Teilzeit-Hauptrolle. Der 28 Jahre Mann für den linken Rückraum vom SC Magdeburg steht sinnbildlich für die Ausgeglichenheit der deutschen Mannschaft. Trat bis zum Achtelfinale eher als Nebendarsteller auf - und war gegen Mazedonien nach der Verletzung Christophersens mit fünf Treffern erfolgreichster Torschütze seiner Mannschaft. Aber was heißt das schon bei einem Team, bei dem sich am Ende gleich elf Akteure einen Platz in der Torschützenliste sicherten? "Bei uns macht jeder seine Tore." Bundestrainer Heuberger hatte WM-Debütant Kneer jedenfalls schon vor dieser WM "eine phänomenale Entwicklung" attestiert. Und da gibt es ja noch Steffen Fäth, 22 Jahre alt, von der HSG Wetzlar. Ein großes Talent mit einem schnellen und festen Wurf.

Steffen Weinhold, der neue Held. Der 26 Jahre alte Linkshänder von der SG Flensburg-Handewitt erzielte bei seiner ersten WM gleich beim Auftaktsieg gegen Brasilien sieben Tore aus dem rechten Rückraum - und wurde prompt zum besten Akteur des Spiels gewählt. Ansonsten gilt der Linkshänder als solider Arbeiter, wird er gebraucht, ist er zur Stelle. Nur das mit den Siebenmetern ist bei diesem Turnier nicht sein Ding. Adrian Pfahl, sein Kollege auf dieser Position, 30 Jahre alt, vom VfL Gummersbach, gilt als etwas schneller, was ihm besonders in Eins-gegen-Eins-Situationen zugutekommt.

Dominik Klein, die altbekannte Größe. Der 29 Jahre alte Linksaußen vom THW Kiel, mit Deutschland 2007 Weltmeister, ist ebenfalls ein Stütze des Teams. Sein Markenzeichen sind die ausgebreiteten Arme als Jubelpose. Und nach dem vorletzten Gruppenspiel und dem Sieg gegen Montenegro sagte der Bundestrainer: "Ich hebe ja ungern einzelne Spieler hervor, aber Dominik Klein hat heute ein fantastisches Spiel gemacht." WM-Neuling Kevin Schmidt von der HSG Wetzlar, 24 Jahre alt, saß 2007 als 18-Jähriger noch vor dem Fernseher, ist mittlerweile ein echter Konkurrent. Nicht nur, weil er bei Siebenmetern Nervenstärke beweist.

Patrick Groetzki, das Sprungwunder. Nach langer Verletzungspause ist der 23 Jahre alte Rechtsaußen von den Rhein-Neckar Löwen rechtzeitig wieder fit. Zeichnet sich wie der ein Jahr jüngerer Kollege Tobias Reichmann, der bei der HSG Wetzlar eine grandiose Hinrunde in der Bundesliga spielte, durch enorme Sprungkraft aus. Kurzum: Jung und hochtalentiert.

Quelle: n-tv.de

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