Freitag, 17. August 2007
"Van der Vaart Hochverrat!": HSV-Führung bleibt hart
Rafael van der Vaart zieht alle Register, doch der Hamburger SV sitzt am längeren Hebel. Nach massivem Druck durch den Niederländer und seinen Spielerberater Sören Lerby schaltete HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer den Fußball-Weltverband FIFA und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ein. Er schickte einen Brief an den werbenden Club FC Valencia, in dem er anmahnte, die Bemühungen "unverzüglich" einzustellen, da der Spieler definitiv nicht zum Verkauf stehe. Kopien dieses Briefes wurden an die DFL und die FIFA gesandt, die sich bei weiteren Verstößen einschalten könnten.
Valencia drohen Geldstrafen
Laut FIFA-Statuten darf weder ein Konkurrenz-Club noch ein Spielerberater einen Profi zur Auflösung seines Vertrages bewegen. HSV-Sprecher Jörn Wolf bestätigte in Budapest einen Bericht des "Hamburger Abendblatts". Sollte Lerby oder Valencia nachgewiesen werden, dass sie van der Vaart aufgefordert haben, seinen Verkauf zu forcieren, droht Lerby seine Vermittler-Lizenz zu verlieren. Valencia drohten hohe Geldstrafen. Lerby hatte zusammen mit van der Vaarts Vater noch am Rande des UEFA-Cup-Spiels bei Honved Budapest (0:0) Beiersdorfer zu überreden versucht, aber eine deutliche Abfuhr erhalten.
Der 24-Jährige van der Vaart, der sich mit angeblichen Rückenschmerzen krank gemeldet hatte, wollte keinen Kommentar abgeben. Ob er in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen auflaufen wird, ist unklar. "Die Fronten sind völlig verhärtet", sagte der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker. Und HSV-Idol Uwe Seeler warnte davor, dem Wunsch des Kapitäns zu entsprechen: "Es wird gefährlich, wenn solche Methoden greifen."
Van der Vaart auf Finca-Suche
Die Lokalpresse in Valencia berichtet, dass van der Vaart bereits nach einem Haus in der ostspanischen Hafenstadt suche. Seinem Freund Shota Arveladze, der in Valencia beim Lokalrivalen UD Levante unter Vertrag steht, habe der HSV-Kapitän gesagt: "Such mir eine Bleibe, ganz bei Dir in der Nähe." Beide Fußballer hatten 2000/01 für Ajax Amsterdam gespielt. Der HSV lehnt jedoch weiterhin jeden Kontakt mit dem FC Valencia ab, berichteten die Zeitungen "Las Provincias" und "Levante".
Keine Frage des Geldes
Der Partner von Lerby, Bayram Tutumlu, sagte der valencianischen Presse: "Die Sache ist keine Frage des Geldes. Was der HSV verlangen wird, dürfte von der Offerte des FC Valencia nicht sehr weit entfernt sein." Laut "Las Provincias" will der FC Valencia, der bisher 14 Millionen Euro Ablöse bot, dem HSV-Kapitän einen Fünf-Jahres-Vertrag mit einem Nettoeinkommen von 1,8 Millionen Euro im Jahr geben.
"Van der Vaart, Hochverrat!"
Das schlechte Qualifikationsspiel geriet angesichts des Wechseltheaters zur Nebensache. Die 700 mitgereisten Anhänger skandierten: "Van der Vaart, Hochverrat!" Trainer Huub Stevens bekam in der Pressekonferenz nach der Partie einen Wutanfall, als er auf seinen Regisseur angesprochen wurde und wollte keine Frage nach ihm beantworten.
Verteidiger Bastian Reinhardt gab zu, dass die Konzentration fehlte: "Natürlich hat der Wirbel um Rafael gestört. Aber wir versuchen, uns davon nicht beeinflussen zu lassen." Van der Vaart sei schwer zu ersetzen, "wir brauchen ihn ganz dringend, aber mit hundert Prozent Konzentration auf den HSV". Vincent Kompany sah die Angelegenheit realistisch: "Rafael ist immer ein Pluspunkt, aber der HSV hat hundert Jahre ohne ihn gespielt und wird es weitere hundert Jahre auch noch tun."
Von Britta Körber und Hubert Kahl, dpa
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