Sport

"Schwarzer Urin" und Fremdblutdoping: Hamilton belastet Fuentes schwer

Die Verteidigungslinie von Dopingarzt Eufemiano Fuentes beim Prozess in Madrid lautet, nur zum Wohle seiner Klienten gedopt zu haben. Ex-Radprofi Tyler Hamilton widerspricht energisch. Er berichtet von "schwarzem Urin" und Fremdblut, das ihm heimlich zugeführt wurde.

Tyler Hamilton wurde von Eufemiano Fuentes gedopt - und das nicht aus gesundheitlichen Gründen.
Tyler Hamilton wurde von Eufemiano Fuentes gedopt - und das nicht aus gesundheitlichen Gründen.(Foto: REUTERS)

Im Prozess um die "Operación Puerto" hat Ex-Radprofi Tyler Hamilton den angeklagten Dopingarzt Eufemiano Fuentes und Saxo-Bank-Teamchef Bjarne Riis schwer belastet. Zudem erzählte er ausgiebig von "schwarzem Urin" und anderen Gesundheitsproblemen. Er sei zwischen 2002 und 2004 Patient von Fuentes gewesen, sagte Hamilton per Videoaussage vor dem Gericht in Madrid aus. Sein damaliger Teamchef Riis habe den Kontakt hergestellt. "Es war Riis, der mich mit  Fuentes in Kontakt gebracht hat", sagte Hamilton. Von Fuentes habe er vor allem Bluttransfusionen erhalten. Bei dem spanischen Mediziner hätten die Profis aber auch "Epo, Testosteron und andere Dopingmittel kaufen können".

Bei seiner Vernehmung per Videoschaltung von der spanischen Botschaft in Washington aus sagte Hamilton, Fuentes habe ihn zur Anwendung verschiedener Dopingmittel ermuntert, darunter seien auch Wachstumshormone und Insulin gewesen. Insulin habe er nur einmal angenommen. "Aber es ist mir nicht gut bekommen. Ich habe viel geschwitzt, mein Pulsschlag ging in die Höhe, ich habe mich komisch gefühlt ...", erzählte der 41-jährige Amerikaner. Nach einer "nicht ganz korrekt durchgeführten Bluttransfusion" sei sein Urin im Juli 2004 "nach 35 oder 40 Minuten schwarz geworden", fügte der Kronzeuge der Anklage an.

Die Kosten für die Behandlung habe er persönlich tragen müssen, erzählte Hamilton. Das seien zunächst zwischen 25.000 und 30.000 Euro pro Jahr gewesen. Aufgrund der Verwendung neuer Doping-Systeme, bei denen das Blut eingefroren worden sei, seien die Kosten dann auf 50.000 Euro pro Jahr gestiegen. Im September 2004 habe er die Zusammenarbeit mit Fuentes nach einem positiven Dopingtest beendet. "Man hatte mir da gesagt, dass ich Blut eines anderen Menschen im Körper hatte, dabei war nur Eigenblutzufuhr abgesprochen", erzählte er.

Manipulation statt Schutz

Fuentes beteuert, das Wohl seiner Kunden im Blick gehabt zu haben.
Fuentes beteuert, das Wohl seiner Kunden im Blick gehabt zu haben.(Foto: dpa)

Mit vielen seiner Aussagen widerlegte Hamilton die Beteuerung von Fuentes, er habe sich in erster Linie um die Gesundheit seiner Patienten, und nicht um die Behandlung mit unerlaubten Substanzen zur Leistungssteigerung gekümmert. Der 57 Jahre alte Gynäkologe beteuerte vor Gericht, er habe Bluttransfusionen bei Hochleistungssportlern vorgenommen, weil deren Blut bei Wettkämpfen einen gefährlich niedrigen Hämatokritwert aufgewiesen habe.

Der zweimalige Tour-de-France-Sieger Alberto Contador, dessen Vernehmung für Freitag vorgesehen war, wurde unterdessen als Zeuge wieder ausgeladen. "Aufgrund der Entwicklung des Verfahrens verzichte ich auf eine Vernehmung von Contador", sagte der Anwalt des ebenfalls angeklagten ehemaligen Managers des Teams Liberty Seguros, Manolo Saiz.

Contador, der ebenfalls mit Fuentes in Verbindung gebracht worden war, ehe sein Name aus den Polizeiunterlagen verschwand, war nur von der Saiz-Verteidigung als Zeuge geladen worden. 2006 war er unter Saiz für Liberty Seguros gefahren.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen