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Auf die Hexenmeister kommt es an: Wie das DHB-Team Dänemark schlägt

Von Tobias Nordmann

In den USA nennen sie solche Spiele: Do or die. Bedeutet: gewinnen oder ausscheiden. Bei der Handball-EM hat sich das deutsche Team diese Situation gegen Dänemark erspielt. Die Voraussetzungen sind zwar schlecht, doch darin liegt die Chance.

Worum geht's?

Um nichts weniger als den Einzug in das Halbfinale der Handball-Europameisterschaft in Polen. Und die Rollen sind klar verteilt: Das deutsche Team mit inzwischen 16 EM-Debütanten ist klarer Außenseiter gegen das skandinavische Starensemble um Superstar Mikkel Hansen. Für den erstmaligen Halbfinal-Einzug bei einem großen Turnier seit 2008 (EM in Norwegen) braucht Deutschland einen Sieg, egal in welcher Höhe. Denn nur dann ist der Ausgang der Partie zwischen Russland und DHB-Halbfinalkonkurrent Spanien unbedeutend. Los geht's um 18.15 Uhr - n-tv.de tickert ab 18 Uhr live!

Wie läuft es beim DHB-Team?

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Je nach persönlicher Einstellung entweder ganz fantastisch oder richtig beschissen. Fangen wir mit der positiven Einschätzung an. Wer hätte denn vor der EM gedacht, dass sich diese junge, unerfahrene deutsche Mannschaft mit den vielen verletzten Leistungsträgern zu solch beeindruckenden Leistungen aufschaukeln kann? Dass Spieler wie das Kieler Ausdauerpaket Rune Dahmke, der Magdeburger Abwehrhüne Finn Lemke oder Wetzlars Kreis-Koloss Jannik Kohlbacher plötzlich dauerhaft auf internationalem Top-Niveau agieren? Seien wir ehrlich: Niemand hätte das erwartet und niemand hätte das erwarten können. Dass sich dieser zusammengewürfelte Haufen aus hoch talentierten Spielern nun ein Endspiel um den Halbfinaleinzug erkämpft, erarbeitet und erspielt hat, ist beeindruckend und sorgt für große Euphorie in Deutschland. So weit die positive Lesart.

Doch es gibt auch eine pessimistische. Ihr gewichtiges Argument: Wie soll das Team die Weltklasse-Formation aus Dänemark schlagen, jetzt, wo mit Kapitän Steffen Weinhold und dem gegen Russland überragenden Christian Dissinger zwei weitere Leistungsträger ausfallen – zu den bereits vor dem Turnier verletzten Gensheimer, Groetzki und Co.? Die Antwort ist gleichermaßen einfach und schwer: Mit ihrem unerschütterlichen Selbstvertrauen, mit ihrem unbändigen Siegeswillen und der Gewissheit, nichts, aber auch wirklich gar nichts verlieren zu können.

Wie läuft es bei Dänemark?

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Bis Dienstagabend voll nach Plan. Doch dann gab es eine unerwartete Ernüchterung. Durch das Remis gegen Schweden (28:28) wackelt der Halbfinaleinzug. Und plötzlich werden Spieler und Verantwortliche des Vize-Europameisters von 2014 nervös und klagen über den zugegeben ungünstigen Spielplan. Denn nur 22 Stunden bleiben dem Team um Superstar Mikkel Hansen Zeit, die Wunden zu lecken und die Kraftreserven aufzufüllen – dem DHB-Team dagegen drei Tage. Einer, der gar nicht daran denkt, neue Kraft zu schöpfen ist indes der dänische Nationaltrainer Gudmundur Gudmundsson. Der Isländer ist fürchterlich in Rage und wettert: "Das ist eine unglaubliche Geschichte, nicht fair."

Doch der trotz der unterschiedlich langen Regenerationszeit behält das Team seine große Stärke. Und die lautet: individuelle Klasse. Mit Mikkel Hansen (Paris), Jesper Nøddesbo (Barcelona) und insgesamt zehn Deutschland-Legionären – angeführt von Flensburgs Energiebündel Anders Eggert und dem Magdeburger Scharfschützen Michael Damgaard – ist das Team auf jeder Position extrem gefährlich und mit international erfahrenen Top-Spielern besetzt. Mit Spielern, die hohe Belastungen kennen und das bei den Weltmeisterschaften 2011 und 2013 (je Silber) sowie bei den Europameisterschaften 2012 (Gold) und 2014 (Silber) eindrucksvoll nachgewiesen haben.

Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg?

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Ganz klar in der Defensive. "Wenn sie eine Chance haben wollen, müssen die Deutschen gut in der Abwehr stehen, und Carsten Lichtlein und Andreas Wolff müssen das Torwartduell gegen Niklas Landin (THW Kiel) und Kevin Møller (SG Flensburg-Handewitt) gewinnen", sagte die dänische Handball-Ikone Nicolaj Jacobsen, Trainer des Bundesliga-Tabellenführers Rhein-Neckar Löwen. Ähnlich äußert sich auch Jacobsens Schützling Hendrik Pekeler, der beim DHB-Team sowohl im Mittelblock verteidigt als auch am Kreis agiert, im Gespräch mit n-tv: "Wenn wir in der Abwehr gut stehen und das schnelle Gegenstoßspiel der Dänen verhindern, dann haben wir eine realistische Chance."

Auf wen kommt es an?

Natürlich richtet sich der Blick – ob fair oder nicht – auf die deutschen Nachrücker Kai Häfner und Julius Kühn. Sie müssen die Lücke füllen, die die verletzten Weinhold und Dissinger hinterlassen. Und so nutzte Bundestrainer Sigurdsson die spielfreie Zeit vor dem Gruppenfinale, um das Duo bestmöglich in die Mannschaft zu integrieren. Der Gummersbacher Rückraum-Hüne soll für einfache Tore aus der zweiten Reihe sorgen, Häfner als bester Feldtorschütze der Bundesliga auch spielerische Akzente setzen. "In so einem Spiel ist alles möglich. Warum sollten wir nicht gewinnen?", sagt Häfner. Und auch Kühn gibt sich sehr selbstbewusst: "Dänemark ist zwar ein unglaublich großer Brocken, aber in einem Do-or-Die-Spiel kann alles passieren. Wir werden alles geben und dann wird schon etwas Positives bei herausspringen." Nervosität? Keine Spur.

Verbandsvize Bob Hanning nimmt die furchtlose Art der Neuankömmlinge wohlwollend zur Kenntnis. Die Spieler hätten "vor nichts Angst. Das ist das große Plus dieser Mannschaft". Und die Debatte um die vielen Verletzten erklärte Hanning damit dann gleichzeitig auch für beendet. "So lange wir sechs Spieler auf die Platte bringen, haben wir alle Chancen, jede Mannschaft in diesem Turnier zu schlagen", so der 47-Jährige.

Quelle: n-tv.de

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