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Polens Piotr Chrapkowski nach der "Blamage".
Polens Piotr Chrapkowski nach der "Blamage".(Foto: imago/Newspix)

Brasiliens WM-Debakel reloaded: Handball-"Katastrophe" traumatisiert Polen

Schluchzende Fans und Spieler, die verzweifelt um Fassung ringen. Ein Trainer, der die Schuld ganz allein auf sich nimmt. Polens großer Traum vom Finale bei der Handball-EM im eigenen Land endet im größtmöglichen Fiasko - und hat Konsequenzen.

Die rot-weiße Handball-Party ist vorbei und ihr abruptes Ende wird Polen noch lange schmerzen: Die unfassbare 23:37-Klatsche gegen Kroatien zum Hauptrunden-Abschluss hat Polens Finaltraum bei der Heim-EM auf brutale Weise zerstört und dem Land ein Sport-Drama im Ausmaß einer griechischen Tragödie beschert. Die Fassungslosigkeit bei Spielern, Verantwortlichen und Fans über das Debakel gegen Kroatien spiegelte sich auch in den Medien.

Für Polens Coach Michael Biegler bedeutete die Schmach gegen Kroatien ein doppeltes Aus, er trat zurück.
Für Polens Coach Michael Biegler bedeutete die Schmach gegen Kroatien ein doppeltes Aus, er trat zurück.(Foto: imago/Newspix)

Die Boulevardzeitung "Fakt" bewertete das Ganze schlicht als "Katastrophe". Beim Konkurrenten "Super-Express" hieß es: "Aus der Traum". Von einem "Horrorspiel" war in anderen Kommentaren die Rede. Die polnischen Handballprofis mussten nach der üblen Niederlage am späten Mittwochabend erst einmal Trauerarbeit leisten - und versuchten zugleich irgendwie, ihre Fans zu trösten.

"Ich kann nicht viel sagen", stammelte Piotr Wyszomirski, der den Tränen nahe war. "Wir entschuldigen uns für unser Spiel." Sein zutiefst enttäuschter Mannschaftskamerad Piotr Chrapkowski äußerte sich ähnlich: "Ich entschuldige mich bei allen Fans für diese Blamage. Nichts lief so, wie es sollte. Das war unser entschieden schlechtestes Spiel."

Rücktritt nach schlafloser Nacht

Polen hätte sich gegen Kroatien sogar eine Niederlage mit drei Toren Unterschied leisten können, um das Minimalziel Halbfinale zu erreichen. Doch was zu einem Triumph werden sollte, wurde zu einem Desaster. "Ich habe nur wenig geschlafen. Für das Ergebnis habe ich keine Erklärung. Ich habe im Vorfeld versucht, der Mannschaft den Druck zu nehmen. Von uns hat kein Spiel stattgefunden. Was wir gezeigt haben, war nicht das, was wir trainiert haben", sagte Coach Michael Biegler, der auch in der schlaflosen Nacht nach dem bitteren Aus keine Erklärung für den dramatischen Einbruch gefunden hatte.

Selbst bei einer Drei-Tore-Niederlage gegen Kroatien hätte Polen das Halbfinale erreicht. Doch statt einer Niederlage setzte es eine Katastrophe.
Selbst bei einer Drei-Tore-Niederlage gegen Kroatien hätte Polen das Halbfinale erreicht. Doch statt einer Niederlage setzte es eine Katastrophe.(Foto: imago/Newspix)

Eine Niederlage mit 14 Toren Unterschied, das ist im Handball ein Debakel. Angesichts der niederschmetternden Niederlage im entscheidenden Spiel wurden fast folgerichtig Vergleiche mit der Fußball-WM 2014 gezogen. Damals hatte sich der ebenfalls höchst ambitioniert gestartete Gastgeber Brasilien mit einem demoralisierenden 1:7 gegen die deutsche Mannschaft unwürdig aus dem Turnier verabschiedet, die tiefe Wunde schmerzt das Land noch heute.

"Gebt nicht den Spielern die Schuld"

Polen wird es nicht anders gehen, denn die Handball-EM im eigenen Land hatte so blendend begonnen. Auf knappe Pflichtsiege gegen Serbien und Mazedonien folgte eine wahre Gala gegen Olympiasieger und Weltmeister Frankreich, die die Erwartungen ans polnische Team zusätzlich befeuerte.

Für Biegler, der den Posten als polnischer Nationaltrainer am 1. Oktober 2012 übernommen hatte, schien die Heim-EM tatsächlich zur erhofften Krönung seiner Arbeit zu werden. Stattdessen wurde das Turnier nun zum bitteren Schlusspunkt. Der 54-jährige Biegler zog mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus dem EM-Aus, nachdem er schon direkt nach dem Schock gegen Kroatien die volle Verantwortung auf sich geladen hatte: "Gebt nicht den Spielern die Schuld. Wenn jemand schuld hat, dann bin ich das", befand er. "Ich habe an diesem Abend viele falsche Entscheidungen getroffen. Ich entschuldige mich bei den Fans und bei allen Polen."

Quelle: n-tv.de

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