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(Foto: dpa)

Via EM-Krimi ins Halbfinale: Handballer ringen sensationell Dänen nieder

Nicht weniger als ein Jahrhundertspiel brauchen die deutschen Handballer in Breslaus Jahrhundert-Halle gegen Dänemark - und liefern genau das. Mit riesigem Herz schlägt das DHB-Team den Favoriten, erreicht das EM-Halbfinale - und begeistert Deutschland.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht erstmals seit 2008 wieder in einem Halbfinale bei der Europameisterschaft. Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson gewann im polnischen Breslau zum Abschluss der Hauptrunde gegen Dänemark mit 25:23 (12:13) und ist nicht mehr von einem der ersten beiden Plätze in der Gruppe II zu verdrängen. Die junge DHB-Auswahl spielt nun am Freitag gegen Norwegen um den Einzug ins Endspiel.

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Gegen Dänemark zeigte die stark ersatzgeschwächte Mannschaft von eine leidenschaftliche Vorstellung und zog sensationell ins Halbfinale ein. "Das ist eine Sensation", sagte der isländische Coach. In der ARD hatte er gemeint: "Wir haben einfach unser Ding durchgezogen, es war eine grandiose Leistung. Es war phantastisch, dass wir ruhig geblieben sind und uns nicht haben verrückt machen lassen." Das jüngste aller EM-Teams bezwang den zweimaligen Europameister Dänemark nach großem Kampf in einem wahren Krimi. Nun geht es für das Team um den ersten Finaleinzug bei einem Großereignis seit dem WM-Gold beim Wintermärchen 2007. Den einzigen EM-Titel hatte es 2004 unter Coach Heiner Brand gegeben.

Im Halbfinale wartet mit Norwegen erneut ein skandinavisches Team. Die Norweger hatte sich in Gruppe I gegen Welt- und Europameister Frankreich überraschend mit 29:24 (12:11) durchgesetzt. Dahinter schien Polen die besten Chancen auf das zweite Halbfinal-Ticket in Gruppe I zu haben. Doch der EM-Gastgeber wurde von Kroatien förmlich überrollt, kassierte eine unglaubliche 37:23-Niederlage und schied damit aus. Im zweiten Halbfinale trifft Kroatien am Freitag ab 21 Uhr auf Spanien, das sich in der deutschen Gruppe das Weiterkommen durch ein 25:23 (11:12) gegen Russland sicherte. Das DHB-Spiel gegen Norwegen in Krakau beginnt um 18.30 Uhr.

Bei zahlreichen deutschen Sportgrößen löste der deutsche Halbfinaleinzug eine riesige Begeisterung aus. "Aus. Das Spiel ist aus! Waaahnsinn! Glückwunsch", hieß es im Twitter-Account der Fußball-Nationalmannschaft. Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner verfolgte den 25:23-Sieg gegen Dänemark bei den Australian Open in Melbourne in den frühen Morgenstunden. Nach dem Schlusspfiff gratulierte sie: "Bravo Männer. Geiler fight, just like (at)AngeliqueKerber." Bei Ex-Fußballprofi Hans Sarpei weckte der Triumph gegen die favorisierten Dänen Erinnerungen an den WM-Titel vor neun Jahren im eigenen Land, er twitterte: "Wintermärchen reloaded. Ein Hammer-Sieg. Glückwunsch."

Vorne trifft Fäth, hinten steht die Deckung

Bester Werfer beim fünften Sieg der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in Folge war Steffen Fäth mit sechs Toren. Nach anfänglichen Problemen und einem 2:4-Rückstand (7. Minute) kam die DHB-Auswahl aber von Minute zu Minute besser ins Spiel. Die Deckung um Abwehrchef Finn Lemke stellte sich dem dänischen Angriff mit Superstar Mikkel Hansen entschlossen entgegen und variierte immer wieder zwischen einer 6:0- und einer offensiven 4:2-Variante.

Der deutsche Angriff legte die anfängliche Nervosität schnell ab und kam durch Kreisläufer Erik Schmidt zum Ausgleich (5:5/12.). Die hinter der Ersatzbank sitzenden Weinhold und Dissinger sprangen in ihren Deutschland-Trikots auf und jubelten lautstark. Nach der ersten Führung beim 6:5 (13.) nach einem Tempogegenstoß von Youngster Rune Dahmke machten sich auch die zahlreichen deutschen Fans bemerkbar. "Jetzt geht's los", hallte es durch die ausverkaufte Jahrhunderthalle.

Durch Hansen und den Magdeburger Michael Damgaard hielten die mit neun Bundesliga-Legionären angetretenen Dänen dagegen, doch dem Sigurdsson-Team war das große Selbstvertrauen und der absolute Siegeswille anzumerken. Als Kai Häfner, der ebenso wie Julius Kühn kurzfristig nachnominiert worden war, zum 10:8 (22.) traf, hielt es auch DHB-Präsident Andreas Michelmann nicht mehr auf seinem Sitz. Mit vier Toren in Folge schlugen die Dänen zurück. Aber der überragende Fäth hielt die deutsche Auswahl im Spiel. Mit seinem  fünften Treffer beim fünften Wurfversuch stellte der Wetzlarer den  12:13-Halbzeitstand her.

Vier-Tore-Lauf zur Sensation

Mit zwei schnellen Toren zur Führung untermauerte Tobias Reichmann die Worte Lichtleins. Die Partie blieb ausgeglichen, die Spannung steigerte sich minütlich. Es entwickelte sich eine echte Abwehrschlacht. Beide Teams mussten für ihre Tore hart kämpfen, da  auch die Torhüter Andreas Wolff und Niklas Landin bei den Dänen immer besser ins Spiel kamen.

In einer dramatischen Schlussphase lag die DHB-Auswahl zunächst mit 21:23 zurück (53.). Doch das deutsche Team gab nicht auf und kam durch Martin Strobel wieder zum Ausgleich (23:23/57.). Reichmann sorgte per Siebenmeter 2:37 Minuten vor dem Ende für die Führung. Anders Eggert von der SG Flensburg-Handewitt scheiterte im Gegenzug  am Innenpfosten des deutschen Tores. Fabian Wiede sorgte mit dem 25:23 eine Minute vor dem Ende für die Entscheidung.

Quelle: n-tv.de

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