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Neben Herz-Erkrankungen droht ungeübten Läufern auch der Tod.
Neben Herz-Erkrankungen droht ungeübten Läufern auch der Tod.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 24. September 2015

Marathon als gefährliche Modedroge: Hobby-Läufer gehen hohes Risiko ein

Einen Marathon sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Neben einer guten Vorbereitung gehören vor allem regelmäßige Medizinchecks zum Standard eines jeden Läufern. Doch immer mehr Hobby-Sportler ignorieren solche Standards - mit extremen Folgen.

Ein Marathon ist kein Kinderspiel - vor allem die "Stammtisch-Läufer" leben nach Ansicht von Sportmediziner Willi Heepe gefährlich und riskieren nicht selten ihre Gesundheit. "Mit Biertisch-Wetten, einmal im Leben einen Marathon zu laufen, tun sie sich keinen Gefallen. Die sind am meisten gefährdet. Und denen würde ich verbieten, die 42,195 Meter zu laufen", sagte der Arzt kurz vor dem 42. Berlin-Marathon am Sonntag.

Willi Heepe hat selbst 50 Marathonläufe absolviert.
Willi Heepe hat selbst 50 Marathonläufe absolviert.(Foto: dpa)

Nur: Verbieten kann er keinem Hobbyläufer diesen Kraftakt. Seit Jahrzehnten setzt Heepe auf medizinische Betreuung, Aufklärung und Beratung. In seinen über 30 Jahren als Medizinischer Direktor des Berlin-Marathons hat der heute 77-Jährige viel erlebt und manches gesehen, er hat selbst 50 Marathonläufe bestritten und treibt auch heute noch regelmäßig Sport.

Immer wieder appelliert Heepe an das aus seiner Sicht Wichtigste: Das Verantwortungsbewusstsein eines jeden Sportlers. "Marathonlaufen ist eine Modedroge. 40 Prozent der Läufer waren nie beim Arzt. Das ist Wahnsinn!", sagt der Spezialist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der vor allem Ausdauersportler untersucht und berät. "Viele sagen: Ich esse Müsli, ich rauche nicht - ich bin gesund." Doch um fit für einen Marathon zu sein, reicht das nach den Erfahrungen Heepes nicht. "Die Anfänger laufen zu schnell und zu viel", warnt der Mediziner und spricht sich für Leistungsdiagnostik, Gesundheits-Checks und maßgeschneiderte Trainingspläne aus.

Körper regelmäßig zur "Inspektion" bringen

Dutzende Läufer liegen erschöpft vor dem Reichstag.
Dutzende Läufer liegen erschöpft vor dem Reichstag.(Foto: imago/Camera 4)

"Die Leute kaufen sich heutzutage ein Auto und bringen es wie selbstverständlich regelmäßig zur Inspektion", erklärt er. "Aber das eigene Herz - da wird der Ölstand nicht kontrolliert." Deshalb wirbt er immer wieder für regelmäßige Untersuchungen vor einem sportlichen Ausdauer-Abenteuer. "Wenn man sich die Toten bei einem Marathon ansieht, dann muss man in den meisten Fällen sagen: Die sind schon vor dem Marathon gestorben." Bei über 40.000 Läufern, die am Sonntag in Berlin an den Start gehen, "da weiß ich, dass viele lieber zu Hause geblieben wären", meint Heepe.

Er weiß aber auch: "Der intelligente Läufer ist heute besser vorbereitet als noch vor 30 Jahren. Die Kerngesunden zeigen Verantwortung. Die Ignoranten sind am meisten gefährdet." Und: "Männer sind generell Vorsorge-Muffel." Vorsorge ist besser als Heilen - diese Volksweisheit gilt für Heepe vor allem für Ausdauersportler, die sich oft nur einmal einer extremen Belastung aussetzen. Drei Dinge empfiehlt der Sportmediziner allen Hobby-Läufern daher: Ein sorgfältiges Belastungs-EKG, eine Blutuntersuchung und ein Ultraschall des Herzens. "Dann hat man eine sehr hohe Sicherheit, dass nichts passiert", erklärt der Arzt, der auch mit 77 Jahren noch praktiziert.

Vor allem für Läufer jenseits der 35 sei es "sinnvoll, dass man vorher einen Check macht", empfiehlt Willi Heepe, "damit man lernt, seinen eigenen Körper zu verstehen. Die Leistung muss man seinem Körperbau anpassen." Marathon-Läufer nur mit einem ärztlichen Attest starten zu lassen, davon hält er aber nichts. "Attestgeberei ist Blödsinn", betont der Experte, "ich sehe im Zwang keine Lösung".

Quelle: n-tv.de

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