Otto Rehhagel will arbeiten, solange es geht.
(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 07. März 2010
Rehhagel denkt nicht ans Aufhören: "Ich will mit dem Fußball sterben"
Otto Rehhagel ist mit sich und seinem Leben zufrieden. Ein baldiges Karriere-Ende kommt für den Trainer nicht infrage. Eine Rückkehr in die Bundesliga schließt er hingegen nicht aus.Trotz seiner 71 Jahre verschwendet Otto Rehhagel keinen Gedanken an ein nahes Ende seiner Trainer-Karriere. "Ich bin mit dem Fußball geboren und ich will mit dem Fußball sterben", sagte Rehhagel der "Bild am Sonntag". Er denke nicht ans Aufhören: "Solange ich ein Angebot bekomme, arbeite ich." Als langjähriger Coach von WM-Teilnehmer Griechenland, den er 2004 in Portugal zum Überraschungs-Europameister machte, habe er "eine tolle Lebensqualität". "Die Griechen haben mir alle Freiheiten gegeben. Wenn ich in Athen bin, sitze ich beim Frühstück auf der Dachterrasse und sehe die Akropolis. Ich muss nur gewinnen." Sein Leben sei "einmalig". "Und solange es geht, möchte ich daran teilhaben".
Selbst eine Rückkehr in die deutsche Bundesliga hält Rehhagel, der am 9. August 72 Jahre alt wird, für möglich: "In dieser Fußballwelt schließe ich nichts aus." Dabei macht der Trainer-Oldie einen Trend zur älteren Generation aus: "Als Jürgen Klinsmann 2004 Bundestrainer wurde, hatten alle anderen plötzlich keine Ahnung mehr", sagte er der "BamS". Dabei sei er im gleichen Jahr als ältester Coach Europameister geworden, und jetzt seien in der Bundesliga "Jupp Heynckes und Louis van Gaal gefragt" - der eine (Heynckes) 64, der andere (van Gaal) 58 Jahre alt.
Motivator, Trainer und Seelendoktor
Aus seiner aktuellen Vorliebe für die Heynckes-Werkself aus Leverkusen macht Rehhagel keinen Hehl. Er hoffe, dass Bayer deutscher Meister wird, "fürchtet" indes, dass es die Bayern wieder schaffen, bei denen er "mit niemandem" eine Rechnung offen habe. "Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß haben sich bei Beate und mir entschuldigt und gesagt: Otto damals wegzuschicken, war Schwachsinn. Da haben sie Größe gezeigt. Bayern ist ein Top-Verein." Ende April 1996 war Rehhagel als Coach der damals zweitplatzierten Münchner entlassen und von Beckenbauer abgelöst worden.
In dem Interview erklärte sich Rehhagel zum Praktiker. "Je mehr Leute dabei sind, desto mehr Schwierigkeiten gibt es. Dieser ganze Hokuspokus mit Mentaltrainer ... Ich bin bei meinen Mannschaften der Motivator, Technik- und Taktik-Trainer und auch Seelendoktor." Er mache aus dem Fußball "kein Computerspiel", weil er wisse, "wie Fußballer ticken". Alle seine Spieler hätten gemerkt, dass "ich sie im Grunde geliebt habe". "Ich sage immer: Als Spieler muss ich sie kriegen. Als Menschen sind sie mir heilig."
Otto Rehhagels Griechen treffen bei der Weltmeisterschaft in Südafrika in der Gruppe B auf Argentinien, Nigeria und Südkorea.
dpa
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