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Opfer von Trumps Dekret: Meisam Rafiei.
Opfer von Trumps Dekret: Meisam Rafiei.(Foto: Twitter-Screenshot: @halldorj)
Dienstag, 31. Januar 2017

Weiter Kritik an Trump-Dekret: Isländischer Sportler darf nicht in die USA

Das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot hat auch direkte Auswirkungen auf den Sport. Einem isländischen Taekwondo-Kämpfer wurde die Einreise verweigert, das nationale olympische Komitee der USA versucht, die Wogen zu glätten.

Meisam Rafiei saß bereits im Flugzeug Richtung USA, als das von Präsident Donald Trump erlassene und heftig kritisierte Einreiseverbot doch noch Wirkung zeigte. Der isländische Taekwondo-Kämpfer war eigentlich auf dem Weg zu den US Open in Las Vegas, ehe er vor dem Start die Maschine auf dem Flughafen Keflavik verlassen musste. Der Grund: Der 30-Jährige ist im Iran geboren.

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Das umstrittene Dekret beschäftigt seit seiner Veröffentlichung die Sportwelt, nun ist durch Rafiei, einst Junioren-Weltmeister und derzeit Nummer 59 der Weltrangliste, der erste Fall eines Sportlers bekannt geworden, dem die Einreise in die USA verweigert wird. Ohnehin wächst die Kritik des Sports an Trump von allen Seiten. Das nationale olympische Komitee der USA (USOC) versuchte inzwischen mit einer Stellungnahme, die Situation zu beruhigen. Ohne Erfolg.

"Ich war sehr verärgert, dass ich vor den Augen aller Passagiere das Flugzeug verlassen musste. Die Menschen haben wahrscheinlich gedacht, dass ich etwas Schlimmes gemacht habe. Aber ich wollte einfach an einem Sportwettbewerb teilnehmen", sagte Rafiei der größten isländischen Tageszeitung "Morgunbladid".

"Beschleunigter Zugang"

Der US-Verband bestätigte die Darstellung Rafieis und versicherte, zusammen mit den staatlichen Stellen an einer Lösung zu arbeiten. Ähnliches hatte auch das US-Olympiakomitee in einer Stellungnahme erklärt. Demnach habe die neue Regierung versichert, Athleten und Funktionären "beschleunigten Zugang" bei der Einreise zu nationalen und internationalen Wettbewerben zu gewährleisten. Im Fall von Rafiei wirkte es (noch) nicht.

"Wir erkennen die schwierige Aufgabe an, für unser Land Sicherheit zu bieten. Es ist unsere aufrichtige Hoffnung, dass die Verfügung des Präsidenten angemessen die Werte anerkennt, auf denen unsere Nation und die Olympische Bewegung gegründet wurden", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des USOC-Präsidenten Larry Probst und des Vorstandsvorsitzenden Scott Blackmun. Deutlicher wurden andere, allen voran kritisierte NBA-Star Kyle Lowry das Einreise-Verbot: "Das ist Bullshit. Absoluter Bullshit. Unser Land steht für Freiheit", sagte der Point Guard von den Toronto Raptors, der im Sommer mit Team USA in Rio Basketball-Olympiasieger geworden war. Als Lowry von Reportern gefragt wurde, ob er seine Meinung nicht noch einmal etwas weniger anstößig formulieren wolle, antwortete der 30-Jährige knapp: "Nein."

Angst um Olympia-Bewerbung

Am Montag hatte auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann das Dekret als "inakzeptabel" bezeichnet. Alexander Nouri, Trainer des Bundesligisten Werder Bremen und selbst wegen seines iranischen Passes vom Verbot betroffen, erklärte: "Ich habe großes Vertrauen in unsere Politik und bin besorgt, wie unsere demokratischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte gerade mit Füßen getreten werden." Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte erklärt, die Politik souveräner Staaten nicht zu kommentieren. Womöglich dokumentieren die IOC-Mitglieder erst im September ihre Meinung. Dann wird der Ausrichter der Olympischen Spiele 2024 gewählt. Ein Bewerber: Los Angeles. "Wer 2024 das größte Sportfest der Welt ausrichten möchte, erweist diesem Vorhaben damit einen Bärendienst. Wir hoffen auch deshalb noch auf ein Umdenken", sagte Hörmann.

Sicher ist das allerdings nicht. Peking erhielt beispielsweise trotz massiver Menschenrechtsverstöße die Sommerspiele 2008 und die Winterspiele 2022. Und auf Konkurrent Paris könnte sich der "Trump-Effekt" im Mai auswirken, dann wählt Frankreich den neuen Präsidenten. Eine Kandidatin ist Marine Le Pen, die Vorsitzende des rechtsextremen Front National

Quelle: n-tv.de

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