Sport
Plötzlich Weltspitze: Karl Geiger.
Plötzlich Weltspitze: Karl Geiger.(Foto: dpa)

"Mitläufer" hüpft aufs Podest: Karl Geiger überrascht die Skisprungszene

Karl Geiger gilt als Toptalent. Doch im Wettkampf zeigt der Oberstdorfer das nur selten - bis Sonntagabend, da landet der 23-Jährige plötzlich mitten in der Weltspitze. Ein Erfolg mit dem weder er selbst noch der Bundestrainer gerechnet haben.

Nach dem größten Erfolg seiner Karriere wirkte Karl Geiger ein wenig wie in Trance. Auf dem Podest von Lahti träumte "Karle" mit strahlenden Augen vor sich hin, ehe Skisprung-Routinier Michael Hayböck seinen Nachbarn höflich anstupste. Immerhin stand das Siegerfoto an - und das dürfte in Geigers Wohnzimmer schon bald einen Ehrenplatz erhalten. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin einfach megafroh, das ist absolut geil", sagte Geiger nach seinem kaum für möglich gehaltenen zweiten Platz auf der WM-Schanze des kommenden Jahres.

Ein Bild fürs Wohnzimmer: Karl Geiger auf dem Siegerpodest.
Ein Bild fürs Wohnzimmer: Karl Geiger auf dem Siegerpodest.(Foto: imago/GEPA pictures)

Das erste Weltcup-Podium seiner Karriere, gleichzeitig erst die zweite Top-10-Platzierung, hatte dem 23-Jährigen aus Oberstdorf regelrecht die Sprache verschlagen. Passende Worte fand dafür Werner Schuster. "Karl hat vor ein paar Jahren schon einmal an der Tür angeklopft, ist dann aber ein Stück runtergefallen", sagte der Bundestrainer in der ARD über die Berg- und Talfahrt seines Schützlings: "Jetzt ist er als reifere Persönlichkeit und als besserer Skispringer wieder hochgekommen und hat die Gunst der Stunde genutzt."

"Er hat ein paar Dinge aufzuholen"

In der Tat stand Geiger noch vor einem Jahr am Scheideweg. Der riesige Skisprung-Fan, der als Kind kein Auftaktspringen der Vierschanzentournee vor seiner Haustür verpasste, war vom Toptalent zu einem "Mitspringer" geworden. "Er hat ein paar Dinge aufzuholen, die in der Euphorie der letzten Jahre nicht so ins Gewicht gefallen sind", sagte Schuster noch zu Saisonbeginn: "In den nächsten zwei, drei Jahren wird die Entscheidung fallen."

Geiger nahm den Kampf auf, pendelte zwischen Weltcup und zweitklassigem Continentalcup hin und her. In der zweiten Liga gewann er Ende Januar den Wettbewerb in Bischofshofen - und durfte als Belohnung wieder mit Weltmeister Severin Freund und Co. beim großen Zirkus mitmischen. Mit Erfolg: In Lahti hatte Geiger zwar auch, aber nicht nur Glück mit dem Wind. Um in beiden Durchgängen besser als Freund, Peter Prevc oder Noriaki Kasai zu sein, bedurfte es einer gewissen Klasse. "Ich bin überglücklich, dass mir auch der zweite Sprung so gelungen ist", sagte Geiger, der schon nach dem ersten Durchgang auf Rang vier gelegen hatte.

Erst der zweite Deutsche auf dem Podest

Auch Schuster wirkte erleichtert, immerhin ist Geiger in diesem Winter nach Freund erst der zweite DSV-Adler mit einem Podestplatz. Zum Vergleich: Aus Norwegen standen seit November gleich sechs verschiedene Athleten auf dem Treppchen, aus Slowenien immerhin drei. "Das ist auch für den Rest der Mannschaft ein gutes Zeichen", sagte Schuster. Für Geiger gilt es nun, seine Topform bestmöglich zu konservieren. Der Platz auf dem Podest wird für den "Karle" aus Oberstdorf aber eher die Ausnahme bleiben. "Er ist noch nicht so weit, dass er Podiums in Serie schaffen kann", sagte Schuster: "Ich denke aber, dass er das selbst sehr gut einschätzen kann."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen