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Schaut mit reichlich Skepsis auf die EM 2016: Sami Khedira.
Schaut mit reichlich Skepsis auf die EM 2016: Sami Khedira.(Foto: imago/Ulmer)

"Wir hätten aktuell keine Chance": Khedira sieht schwarz für die EM

Die Nationalmannschaft ist nicht in Titelform, meint Mittelfeldstar Sami Khedira. Um zu alter Stärke zurückfinden, brauche es vor allem mehr Teamgeist. Kommt der nicht, wird es ihm zufolge eine kurze EM für Deutschland werden.

Der Antreiber schlägt Alarm: Leitwolf Sami Khedira sieht die deutschen Fußball-Weltmeister fünf Monate vor der Europameisterschaft in Frankreich weit von der Titelform entfernt. "Wenn wir ehrlich sind, hätten wir in unserer aktuellen Verfassung keine Chance", sagte der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler von Juventus Turin der "Welt am Sonntag" ungewöhnlich schonungslos.

Das 0:1 in Irland, die Zittersiege gegen Georgien (2:1) und in Schottland (3:2) - Khedira macht sich ernsthafte Sorgen um die Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft. Seiner Meinung nach waren die Leistungen in den vergangenen Monaten schlichtweg "nicht gut genug". Jeder wisse, "dass wir alle noch eine Schippe drauflegen müssen". Vor allem müsse die Mannschaft auf und neben dem Platz "wieder eine geschlossene Einheit sein", forderte der Mittelfeldspieler, der in der Hierarchie auf der höchsten Stufe mit Kapitän Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Manuel Neuer steht. "Wir müssen in Top-Form sein, uns gegenseitig respektieren und pushen."

WM-Titel sorgt für zusätzlichen Druck

Jerome Boateng, Sami Khedira, Mario Gómez und Bastian Schweinsteiger (v.l.) laufen nach verlorenem Freundschaftsspiel gegen Frankreich pikiert über das Spielfeld.
Jerome Boateng, Sami Khedira, Mario Gómez und Bastian Schweinsteiger (v.l.) laufen nach verlorenem Freundschaftsspiel gegen Frankreich pikiert über das Spielfeld.(Foto: picture alliance / dpa)

Immerhin: Khedira ist sich sicher, dass die Weltmeister gute Chancen haben, wieder in die Spur zurück zu finden. Er sei "total überzeugt", dass das Team die notwendige Stabilität wieder erlangen kann. Und dann sei man "nur schwer zu schlagen. Dann sind wir im Rennen um den Titel definitiv dabei." Khedira sieht Deutschland als Weltmeister einem besonderen Druck ausgesetzt, doch nicht nur er will die Herausforderung annehmen. "Wir werden alles dafür tun, damit es reichen kann für den Titel", hatte zuletzt Schweinsteiger gesagt. "Mehr kann ich nicht versprechen, aber auch nicht weniger. Als Weltmeister können wir uns nur große Ziele setzen."

Dennoch wird es für Joachim Löw und Co. ein hartes Stück Arbeit, in den letzten Länderspielen gegen England (26. März) und Italien (29. März) sowie gegen zwei noch zu benennende Gegner das Letzte aus dem Team herauszukitzeln. Den EM-Auftakt bestreitet die Mannschaft am 12. Juni gegen die Ukraine. Nicht zu unterschätzen ist derweil die Tatsache, dass die Spieler wieder im Stade de France auflaufen werden. Vor dem Stadion hatten Attentäter während eines Freundschaftsspiels am 13. November mehrere Bomben gezündet.

Die Angst darf in Paris nicht mitspielen

"Wir spielen in der Vorrunde zweimal in Paris, darauf müssen wir uns einstellen", sagte Löw. "Wir dürfen die unangenehmen Erinnerungen nicht mit ins Turnier nehmen." Der Terror ist und bleibt Gesprächsthema in der Mannschaft. "Ich habe kürzlich mit unserem Teammanager Oliver Bierhoff gesprochen. Wir waren uns einig, dass es unter dem ganzen Aspekt möglicherweise ein Vorteil ist, dass zwei Spiele in der Vorrunde in Paris (gegen Polen und Nordirland, d. Red.) stattfinden", sagte Khedira. Keiner werde umhinkommen, "sich gedanklich damit auseinanderzusetzen".

Dass Khedira mit Blick auf die EM dennoch positiv gestimmt bleibt, hat eine Menge mit dem Bundestrainer zu tun. Löw spiele "eine ganz, ganz wichtige Rolle" und sei ein "Glücksfall" für den deutschen Fußball. "Wir alle akzeptieren und respektieren ihn", sagte der Führungsspieler, der es wertschätzt, auch Einfluss auf Löw nehmen zu dürfen. "Was ich gut finde und mir imponiert, ist, dass er als Trainer offen für die Meinung von uns Spielern ist. Er hört uns zu und ist bereit, mit uns auch mal zu diskutieren."

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Quelle: n-tv.de

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