Zerwürfnis mit Kühnen

Kohlschreiber geht in die Offensive

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Patrick Kühnen und Philipp Kohlschreiber werden wohl keine Freunde mehr. (Foto: dapd)
20.10.2012 | 14:08 Uhr
Ring frei zur nächsten Runde: Der Streit im deutschen Davis-Cup-Team schwelt weiter. Philipp Kohlschreiber macht erneut seinem Ärger über Patrik Kühnen Luft, eine Rückkehr ins Davis-Cup Team schließt er faktisch aus. Der Teamchef schweigt zu den Vorwürfen - wie immer.

Philipp Kohlschreiber hat die Faxen dicke. Endgültig. Davis Cup will er "Stand heute" nicht mehr spielen, eine Versöhnung mit Teamchef Patrik Kühnen wird es wohl nicht mehr geben. "Inzwischen hat sich soviel aufgestaut, dass das fast unmöglich ist", sagte Deutschlands bester Tennisspieler im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Kohlschreiber bezichtigt Kühnen, die Unwahrheit zu sagen und als Privattrainer von Tommy Haas seine Pflichten als Kapitän zu vernachlässigen.

Kühnen wollte sich zunächst nicht zu dem Interview äußern. Er sei gerade in Verhandlungen mit dem Deutschen Tennis Bund (DTB) über eine Verlängerung seines Vertrages und wolle sich mit ganzer Kraft diesen Gesprächen widmen. Außerdem, so Kühnen, habe er das Interview noch gar nicht gelesen: "Ich bin im Ausland."

Entzündet hatte sich der Streit während der Davis-Cup-Partie gegen Argentinien im Februar in Bamberg. Kohlschreiber hatte sich wegen einer Magen-Darm-Erkrankung abgemeldet und war von dem überraschend nominierten Tommy Haas öffentlich dafür kritisiert worden, dass er noch nicht mal als Zuschauer dabei war. Kohlschreiber beklagt in diesem Fall fehlende Rückendeckung von Kühnen: "Tommy greift mich öffentlich an, und Patrik hilft mir nicht. Klar, dass ich daraus meine Schlussfolgerungen ziehe."

Zudem habe Kühnen wiederholt behauptet, Kohlschreiber habe sich während der Tage von Bamberg kein einziges Mal beim Team gemeldet. "Dabei habe ich genau das getan", sagte Kohlschreiber der SZ: "Ich habe Patrik am Freitag eine SMS geschrieben und den Jungs Glück gewünscht." Offenbar habe Kühnen die Botschaft aber nicht an die Mannschaft weitergeleitet, denn Teamkollege Florian Mayer habe die Geschichte erst geglaubt, "als ich ihm die SMS gezeigt habe". Die Spirale drehte sich weiter. Beim Masters-Turnier in Miami habe sich dann der Teamchef Patrik Kühnen ausschließlich um die Betreuung von Tommy Haas gekümmert. "Grundsätzlich ist das okay, aber so etwas muss kommuniziert werden, weil es sonst sehr unglücklich wirkt", sagte Kohlschreiber: "Und naja: Tommy greift mich öffentlich an, und Patrik hilft mir nicht. Klar, dass ich daraus meine Schlussfolgerungen ziehe."

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Kohlschreiber wartet auf öffentliche Entschuldigung

Beim Power Horse World Team Cup im Mai in Düsseldorf bekam Kühnen die Quittung, auf Beschluss der Mannschaft wurde er nicht als Teamchef nominiert. Kühnen habe sich zwar bei Kohlschreiber für die Vorfälle von Bamberg entschuldigt, allerdings nie Anstalten gemacht, den entstandenen Schaden wieder gutzumachen: "Ich habe gesagt: Okay, ich nehme die Entschuldigung an, aber du hast mir öffentlich Schaden zugefügt, bitte stell das auch öffentlich klar, dann ist alles gut." Es habe dann dazu mal einen Satz von Kühnen "in einer Lokalzeitung" gegeben, woraufhin Kohlschreiber bei den US Open laut geworden sei: "Weil mir klar wurde: Philipp, du bist immer noch der Buhmann! Der Anti-Team-Spieler, der nicht gerne für Deutschland spielt. Mein Bild ist in der Öffentlichkeit immer noch nicht korrigiert." Kühnen strich Kohlschreiber daraufhin aus seinem Kader für die Relegation gegen Australien in Hamburg. Kühnen habe ihn am Montag vor seinem Achtelfinale gegen Janko Tipsarevic bei den US Open angerufen und gesagt: "Ich wollte dir mitteilen, das ich dich nicht nominiere."

Damit es rechtzeitig vor der Partie in Argentinien doch noch eine Versöhnung geben könnte, müsse Kühnen "mal Stärke zeigen, Fehler eingestehen. Aber wir haben nach New York noch immer kein Gespräch geführt. Ich bin jetzt schon wieder drei Wochen vertröstet worden. Es ist nicht einmal eine Bereitschaft zu erkennen."

Verwendete Quellen: ntv.de, Angela Bern, sid