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Montag, 10. April 2006

"Habe zu viel erlebt": Lehmann noch vorsichtig

Jens Lehmann traut dem Braten offenbar noch nicht: Trotz einer fehlerlosen Leistung bei der 0:2-Pleite seines Klubs Arsenal London bei Manchester United am Sonntag sieht sich der von Bundestrainer Jürgen Klinsmann zur neuen Nummer 1 auserkorene England-Legionär bei der WM offenbar noch nicht sicher im Tor der deutschen Fußball-Nationalelf.

"Mein Ziel war immer, die WM zu spielen. Das habe ich bisher noch nicht geschafft. Ich mache nach wie vor einen Schritt nach dem anderen und keine zwei auf einmal", sagte der 36-Jährige dem Fachmagazin "Kicker" und fügte hinzu: "Ich mache mir im Moment nicht zu viele Gedanken über die Nationalmannschaft, weil ich mich nicht verzetteln möchte."

Lehmann überzeugt gegen ManU

Beim Spiel in Manchester konnte sich Lehmann wieder einmal für die in 60 Tagen beginnende WM empfehlen. 70.908 Zuschauer in Old Trafford (Rekord) sahen mehrfach ein packendes Duell zwischen dem englischen Nationalstürmer Wayne Rooney und dem erneut stark aufgelegten "Limän". "Er hat uns in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten", lobte auch Arsenal-Coach Arsene Wenger den tadellosen Auftritt seines Torwarts.

Bereits in der 21. Minute zwang der wegen seiner Wettschulden in Höhe von etwa einer Millionen Euro in die Diskussion geratene Rooney Lehmann zu einer Glanzparade. Fünf Minuten später präsentierte sich der deutsche WM-Keeper gegen den überragenden Angreifer erneut in Galaform, als er einen knallharten Schuss aus elf Metern entschärfte. Beim 0:1 durch Rooney in der 54. Minute war er dann aber ebenso machtlos wie beim 0:2 des Südkoreaners Park Ji-Sung.

Wenger sorgt sich um Lehmann

Noch vor Spielbeginn hatte sich Wenger Sorgen um seinen Stammkeeper gemacht. "Jede Aktion wird genau analysiert, er wird mehr unter Druck stehen. Wie bisher bei Oliver Kahn. Damit muss er fertig werden", meinte Wenger. Vor allem bei den Halbfinalspielen in der Champions League gegen den spanischen Außenseiter FC Villarreal (19. und 25. April) werden von Lehmann hinter der gegen "ManU" unheimlich wackeligen Abwehr Topleistungen verlangt.

"Bis zur WM habe ich noch einige große Aufgaben mit dem FC Arsenal zu bewältigen. Ich bin jetzt nicht euphorisch, ich habe zu viel erlebt in meiner Karriere. Allerdings freue ich mich natürlich, dass der Bundestrainer mir das Vertrauen ausgesprochen hat", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi von Schalke 04 und Borussia Dortmund. Wohlwissend, dass bei jedem Fehler auf großer Bühne die Diskussion um die Nummer 1 im deutschen Tor neue Wellen schlagen würde.

Mayer-Vorfelder nicht überrascht

Klinsmann hatte sich am Freitag für Lehmann und gegen Kahn als Nummer eins bei der WM entschieden und damit den deutschen Fußball in zwei Lager gespalten. Der England-Legionär kann die Enttäuschung beim Bayern-Keeper gut nachvollziehen: "Ich war bei den vergangenen Turnieren, als ich auf der Bank sitzen musste, auch immer traurig. Es hätte mir jetzt auch passieren können."

Unterdessen hat sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder, wenig überrascht von der Entscheidung für Lehmann und gegen Oliver Kahn gezeigt. "Für mich war es absolut nahe liegend, dass Lehmann die Nummer 1 wird, bei der Spielweise der Viererkette unter Klinsmann. Kahn ist auf der Linie unschlagbar, aber Lehmann hat seine Stärken beim Mitspielen", sagte "MV" im SWR.

von Marc Schmidt, sid

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