Formel 1

Hockenheim, Deutschland - Freies Training 3

Sport
(Foto: dpa)

"Braune Umschläge voller Bargeld": Leichtathletik droht Skandal um WM-Vergaben

Die von Ermittlern offengelegte Betrugs- und Korruptionskultur im Leichtathletik-Weltverband IAAF könnte auch WM-Vergaben betroffen haben. Die IAAF-Ethiker prüfen Vorwürfe, dass Katar sich eine WM mit Geldumschlägen kaufen wollte.

Dem krisengeschüttelten Leichtathletik-Weltverband IAAF droht offenbar weiterer Ärger. Die Ethikkammer könnte in Kürze die Vergaben der Weltmeisterschaften 2017 an London und 2019 an Doha/Katar untersuchen. Das deutete Ed Warner, Präsident des britischen Verbandes UK Athletics, bei einer Sitzung des Ausschusses für Kultur, Medien und Sport im britischen Parlament an.

Er habe "zahlreiche Gespräche" mit Mitgliedern der IAAF geführt, sagte Warner und ihm sei bestätigt worden, dass die Bewerbungen Dohas um die Titelkämpfe an die unabhängige Ethikkammer "überwiesen" worden seien.

Doha hatte sich bereits für die Austragung der WM 2017 beworben, unterlag aber London. Für 2019 erhielt die Hauptstadt des Wüstenemirates dann den Zuschlag. Die Entscheidung wird von Beginn an von Korruptionsvorwürfen begleitet. "Das Einzige, was sie dort haben, ist Geld", sagte José María Odriozola, Präsident des spanischen Verbandes damals, nachdem Barcelona bereits im ersten Wahlgang gescheitert war. Es habe sich "die mit Abstand schlechteste Kandidatur" durchgesetzt.

Warner berichtete nun, dass ihm im November 2011 in Monaco am Rande der WM-Vergabe für 2017 von Gerüchten erzählt wurde, Vertreter Katars würden "braune Umschläge voller Bargeld" verteilen. Namen wollte der Engländer nicht nennen. Damals amtierte noch der skandalumwobene Lamine Diack als IAAF-Präsident. Gegen den Senegalesen wird mittlerweile wegen Korruption und Geldwäsche ermittelt.

Auch Eugene unter Verdacht

Als Reaktion auf die Korruptionsenthüllungen soll IAAF-Hauptsponsor Adidas seinen bis 2019 laufenden Vertrag vorzeitig kündigen wollen. Entsprechende Medienberichte wurden bislang aber weder vom Leichtathletik-Weltverband noch vom Sportartikelhersteller bestätigt. Bislang war die Firmenpolitik, Korruptionsfälle in von Adidas finanziell unterstützten Sportverbänden zu ignorieren und das Sponsoring fortzusetzen, etwa beim Fußball-Weltverband Fifa.

Neben der WM-Vergabe 2019 nach Doha steht auch der Zuschlag für Eugene zur Ausrichtung der WM 2021 massiv in der Kritik. Die US-Stadt hatte die Weltmeisterschaften Mitte April 2015 ohne Ausschreibung erhalten, obwohl auch die schwedische Stadt Göteborg Interesse gezeigt hatte. Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV, forderte deshalb unlängst in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Die Vergabe der  Leichtathletik-Weltmeisterschaften nach Doha und nach Eugene sollte eine externe Kommission überprüfen und entscheiden, ob eine neue  Vergabe notwendig ist."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen