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Mario Gomez hat wieder Spaß am Fußball. Mario Götze noch nicht.
Mario Gomez hat wieder Spaß am Fußball. Mario Götze noch nicht.(Foto: imago/Revierfoto)

So läuft's gegen "unbesiegbare" Italiener: Löws Krux mit den Marios

Von Tobias Nordmann, München

Es ist zum Verrücktwerden: Kaum steht der eine Mario wieder auf zwei Beinen, knickt der andere ein. Gegen Italien setzt Löw auf "Sorgenkind" Götze. Dabei sollte ihm etwas ganz anderes Sorgen bereiten: Das 21-Jahre-Problem.

Worum geht's?

Vergessen wir das Gerede von EM-Formtest, Nominierungsschaulaufen oder Wiedergutmachung für die dusselige 2:3-Niederlage gegen England im andächtig schweigenden Berliner Olympiastadion. Im Fußball-Länderspiel gegen Italien geht's nun nur um eins: Den italienischen Bock ENDLICH umstoßen. Irrwitzige 21 Jahre ist es her, dass eine Auswahl des DFB die "Squadra Azzurra" bezwang. Damals, beim 2:0-Sieg am 21. Juni 1995 im Züricher Letzigrund durch Treffer von Thomas Helmer und ein Eigentor des ewigen Paolo Maldini, trugen Spieler das deutsche Trikot, an die sich heute nur noch in bierseligen Runden erinnert wird: Markus Babbel, Thomas Häßler Christian Ziege, Jörg Heinrich, Ulf Kirsten. Sieben Duelle (0:0, 0:1, 1:4, 0:2 - im Halbfinale der WM 2006, das tut besonders weh - 1:1, 1:2, 1:1) und über 120 verschlissene Nationalspieler später denken wir wehmütig an die 95er Generation zurück und wollen doch nur eins, beseelt singen: "Gegen Deutschland kann man mal verlieren" - sogar Italien.

Wie ist die Ausgangslage?

So werden sie spielen

Deutschland: Ter Stegen - Rüdiger, Mustafi, Hummels, Hector - Rudy, Kroos - Müller, Özil, Draxler - Götze - Trainer: Löw.
Italien: Buffon - Darmian, Bonucci, Acerbi - Florenzi, Montolivo, Motta, Giaccherini - Bernardeschi, Zaza, Insigne - Trainer: Conte

Stadion: Allianz-Arena (München)
Schiedsrichter: Drachta (Österreich) Zus: 64.000

Einfach! Beide Teams spielen im Sommer bei der Europameisterschaft. Und gehören quia de historia zu den Favoriten auf den Titel. Die Deutschen, weil sie Weltmeister sind. Und die Italiener? Nun, weil sie Italiener sind. Das sieht auch der Bundestrainer so. Er sagt: "Der Weltmeister gehört automatisch zu den Favoriten. Aber auch Frankreich, Belgien, Italien, Spanien. Die haben alle Anspruch auf den Titel. Wir haben in der Qualifikation nicht immer überzeugt, da müssen wir lernen. Das müssen wir besser machen bei der EM." Da wollen selbst wir, mit der Vorliebe für den Widerspruch, keine Gegenrede halten und gönnen dem Bundestrainer noch ein wenig Redeanteil: "Italien ist nochmal ein sehr starker Gegner. Spiele gegen England oder Italien sind immer besondere Spiele. Von daher freuen wir uns darauf." Eine kleine Anmerkung noch: Bereits einmal durfte Löw erfahren, welchen Gegenwind eine Niederlage gegen Italien - soweit sind wir ja noch nicht - im Vorfeld eines großen Turniers auslösen kann: Im Jahr 2006 erlebte er als Assistent von Jürgen Klinsmann nach einem 1:4 gegen die "Squadra Azzurra" ebenfalls im März die nackte Panik vor der Heim-WM, die seinen Chef - und damit wohl auch ihn selbst - beinahe den Job gekostet hätte.

Wie ist Deutschland drauf?

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Bemühen wir mal den am meisten nichtssagenden Ausdruck der deutschen Sprache: Geht so. Und der impliziert Folgendes: Ein bisschen gut, ein bisschen mittel, ein bisschen schlecht. Nicht anders, und vor allem nicht besser, lässt sich der erste Auftritt des DFB-Teams im Europameisterschaftsjahr 2016 gegen England treffend beschreiben. Verlassen wir nun die Oberfläche und gehen ins Detail. Was gut war: Mario Gomez. Der "Torero" ackerte, rackerte und traf. Sogar doppelt. Was der Schiedsrichter allerdings für zu viel des Guten erachtete. So erfand er eine Abseitsstellung und verweigerte dem ersten Tor des EM-formreifen Stürmers die Anerkennung. Dass der Unparteiische aus Italien kam - nun, wir erwähnen das an dieser Stelle lediglich. Was war noch gut: Toni Kroos. Der "Königliche" traf auch, kurbelte das Spiel an und durfte sich 45 Minuten als kreative "Ich-AG" der Löw-Elf feiern lassen. Dass er nach der Pause dann allerdings ebenso kräftig abbaute, wie der Rest der EM-Casting-Bande, darf in die Kategorie "Schlecht" einsortiert werden. Arbeiten wir uns zuletzt noch an der Einschätzung "das war so mittel" ab: Mesut Özil zum Beispiel. Der frisch getrennte Mandy-pardon-Grace-Capristo-Lebensabschnittsgefährte hatte wirklich gute Szenen am Ball, aber auch wirklich schlechte Augenblicke beim Gegentoreverhindern. Das können wir von Manuel Neuer indes nicht behaupten, der hatte zwei starke Paraden, musste aber auch drei Mal (unverschuldet) den Ball aus dem Netz holen. Macht unter dem Strich, Sie ahnen es, eine Geht-so-Leistung.

Wie sind die Italiener drauf?

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Fantastisch, beinahe galaktisch. So heißt es zumindest aus Italien. Nach dem in der Tat starken 1:1 gegen Europameister Spanien erhalten die Männer von Coach Conte durchweg gute Noten und wecken nach nur 90 Minuten Hoffnungen auf eine neue Ära der Unbesiegbarkeit. Und wie das bei den Kollegen der italienischen Presse schöne Tradition ist, wird die erste gute Leistung seit langer Zeit seriös eingeordnet: "Was für ein Italien!", schwärmte der "Corriere dello Sport" und schiebt nach: "Ausgezeichnete Signale mit Blick auf die EM." Die "Gazzetta dello Sport" meint: "Zu schön, wenn es wahr wäre. Wenn das Italien wäre: Draufgängerisch, aggressiv, immer auf der Suche nach dem Tor." Angepiekst von der neuen Euphorie zwischen Alpen und Mittelmeer feiern sich die Spieler gleich mit: "Wenn wir diesen Teamgeist auf den Platz bringen, können wir mit allen mithalten", tönt Marco Parolo. Und der Trainer verkündet ganz und gar erstaunliches: "Ich kann allen versichern, dass wir bei der EM als Team auftreten werden." Verrücktes Italien!

Was gibt es sonst noch?

Mario Götze. Der ist traurig. Warum? Weil er nicht spielt. Das ist in der Tat doof. Denn er war es doch, der uns im Sommer 2014 zum Weltmeister machte. Doch seit dem läuft's nicht mehr beim kleinen Dribbler. In München, beim FC Bayern, wärmt er regelmäßig die Bank. Dass die deutsche Nationalmannschaft nun ausgerechnet in seiner aktuellen fußballerischen Heimat ein Testspiel austrägt, müsste dem 23-Jährigen eigentlich gnadenlos frustrieren. Tut es aber nicht. Denn beim Bundestrainer hat er ja noch Kredit - auch wenn er gegen England nur 13 Minuten mitwirken durfte. Trotz nicht vorhandener Spielpraxis, wird Götze am Dienstagabend aber mit gaaaanz großer Wahrscheinlichkeit von Beginn an auflaufen. Denn, Folgendes ist von der sportlichen DFB-Spitze angekündigt: "Götzes Position ist relativ klar formuliert", sagt Löws Assistent Thomas Schneider am Ostermontag. Das wiederum lässt sich auch ganz leicht falsch verstehen: Götze, München, Position - wir trauen uns gar nicht den Gedanken bis zum Ende zu führen …

Aber es gibt auch noch gute Nachrichten für all jene, die sich lieber mit Mode als mit Mannschaftssport beschäftigen: Die auch Auswärtstrikots genannten quer gestreifeten Schlafanzüge bleiben gegen Italien unter Verschluss. Gespielt wird in Weiß und damit vielleicht auch ein bisschen wacher als in den Minuten 46 bis 93 gegen England.

Quelle: n-tv.de

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