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Im September entscheidet die Jury über den Austragungsort der Olympischen Spiele 2020.
Im September entscheidet die Jury über den Austragungsort der Olympischen Spiele 2020.(Foto: picture alliance / dpa)

Tauziehen um Austragungsort der Olympischen Spiele : Madrid wächst zum Favoriten

Knapp zwei Monate vor der endgültigen Entscheidung beeindruckt Madrid die IOC-Jury im Wettbewerb um die Olympischen Spiele 2020. Vor allem Kronprinz Felipe kann die Jury überzeugen - obwohl die Spanier mit ihrem Konzept eher eine Light-Version des olympischen Spektakels erwarten lassen.

Kronprinz Felipe beeindruckt als Botschafter die IOC-Jury.
Kronprinz Felipe beeindruckt als Botschafter die IOC-Jury.(Foto: AP)

Mit verhaltenem Jubel verließen Madrids Olympia-Planer das Kongresszentrum Beaulieu in Lausanne. Im Dreikampf um den Ausrichtungsort der Olympischen Spiele 2020 konnten die Spanier einen klaren Punktsieg erzielen. "Wenn man die Auftritte bewertet, war Madrid am besten in puncto Präsentation und Botschaft", kommentierte IOC-Spitzenfunktionär Richard Pound 66 Tage vor der Verkündung des Austragungsortes. Vor allem ein Botschafter der Spanier stach hervor. Laut Pound war Kronprinz Felipe "der Star des Tages." Die Iberer wurden für ihre leidenschaftliche Vorstellung von zahlreichen Mitgliedern des Olympischen Komitees (IOC) ausdrücklich gelobt. Kronprinz Felipe, der bei den Barcelona-Spielen 1992 als Segler selbst Teilnehmer des spanischen Olympia-Teams war, bezauberte mit seinem Charme sogar die hartgesottenen Olympier. "Wir sind sehr glücklich. Heute war ein sehr wichtiger Tag für uns", erklärte Madrids Bewerbungschef Alejandro Blanco.

Nach ihren jeweils rund 45-minütigen Präsentationen wollten sich die Kontrahenten Istanbul und Tokio allerdings noch nicht geschlagen geben und zeigten sich trotz des Lobes für Madrid "sehr glücklich". Die drei Metropolen versuchten vor den 86 anwesenden IOC-Mitgliedern, mit unterschiedlichen Konzepten zu punkten. Am 7. September wird die 125. Vollversammlung des IOC in Buenos Aires entscheiden, in welche Richtung die Spiele gehen sollen.

Madrid will mit einer Sparversion punkten

Istanbul wirbt als Schmelztiegel zwischen Orient und Okzident mit einer Olympia-Premiere auf zwei Kontinenten und einer boomenden Wirtschaft. Tokio, wo bereits 1964 die Olympischen Spiele stattfanden, stellt die Kompaktheit der Sportstätten in den Vordergrund und positioniert sich als finanziell "sichere Wahl" mit einem fest angelegten Reserve-Fonds in Höhe von rund 4,5 Milliarden Dollar. Madrid sieht sich eher als Gegenmodell zum olympischen Gigantismus. So warben die Spanier damit, dass von den 35 geplanten Sportstätten bereits 28 existierten. Zudem belaufe sich das Gesamtbudget auf lediglich 1,9 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Tokio kalkuliert mit einem Etat von 4,9 Milliarden Dollar, Istanbul hat sogar 19,2 Milliarden Dollar veranschlagt. "Alle drei Bewerbungen waren beeindruckend mit sehr unterschiedlichen Konzepten. Es wird ein sehr spannendes Rennen", analysierte IOC-Vize Thomas Bach.

Alle Bewerber haben eines gemeinsam: Sie haben mit mehr oder minder großen Problemen zu kämpfen. Getreu dem Motto "Ehrlich währt am längsten" verschwiegen die Kandidaten ihre Probleme auch nicht. Madrid ging seine vermeintliche Schwachstelle offensiv an. Nach der Rezession gehe es Spanien wieder deutlich besser, meinte Wirtschaftsminister Luis De Guindos.

Proteste in Istanbul bleiben nicht unerwähnt

Ali Babacan, stellvertretender Premierminister der Türkei, wollte die stimmberechtigten Olympier davon überzeugen, dass sein Land trotz der gewalttätigen Demonstrationen gegen die Regierung ein lukrativer Gastgeber sei. "Die Türkei ist ein Land, das seine Demokratie verbessert", referierte der Politiker nach dem Auftritt. Die Proteste seien von illegalen, gut organisierten Gruppen ausgegangen, aber natürlich könne Gewalt nicht toleriert werden. Die immensen 19,2 Milliarden Olympia-Kosten verteidigte er mit der Finanzstärke der Türkei: "Wir investieren ohnehin 400 Milliarden Dollar in die Infrastruktur unseres Landes." Am Mittwoch sickerte durch, dass Istanbuls Delegation in Buenos Aires von Premierminister Erdogan angeführt werden soll. Nach den jüngsten Unruhen in der Türkei ist seine Rolle als Stimmenfänger zumindest umstritten.

Vor acht Tagen hatte die IOC-Evaluierungskommission in ihrem 110-seitigen Prüfbericht über die technischen Voraussetzungen der Kandidaten allen drei Städten bescheinigt, "erfolgreiche Spiele" veranstalten zu können. Im emotionalen Endspurt des Bewerbungsmarathons kann bei noch unentschlossenen IOC-Mitgliedern jedes Detail den Ausschlag geben.

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Quelle: n-tv.de

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