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Was wohl die Handballer der deutschen Nationalmannschaft um Andreas Wolff zu den Änderungen sagen?
Was wohl die Handballer der deutschen Nationalmannschaft um Andreas Wolff zu den Änderungen sagen?(Foto: imago/Camera 4)

"Schönes Ei ins Nest gelegt": Neue Handball-Regeln sorgen für Empörung

Blaue Karten, ein siebter Feldspieler und eine Sechs-Pässe-Vorgabe: Das Handball-Regelwerk und damit der Sport werden umgekrempelt. Schon bei den Olympischen Spielen sollen die Änderugen in Kraft treten. Unter Schiris und Funktionären sorgen sie für Zündstoff.

Die zum 1. Juli beschlossenen Regeländerungen der Internationalen Handball-Föderation (IHF) stoßen auf keine große Gegenliebe. DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß kritisierte die neuen Handball-Regeln scharf. "Die IHF hat uns ein schönes Ei ins Nest gelegt", sagte Rauchfuß im Interview mit Sport1. "Die muss es ja nicht umsetzen. Sie sagen 'Wir spielen bei Olympia so. Nun macht mal!'"

Ursprünglich wollte die IHF die neuen Richtlinien erst zum Juli 2017 einführen. Jetzt gelten sie schon bei den Olympischen Spielen in Rio. Spieler, Trainer und Schiedsrichter müssen sich an Blaue Karte, einen siebten Feldspieler, die Sechs-Pässe-Vorgabe bis zum Zeitspiel und verschärfte Regeln für Behandlungen von Spielern gewöhnen.

Inhaltlich "unausgegoren"

Schiri-Boss Rauchfuß bezeichnet den Vorstoß inhaltlich als "unausgegoren" - gerade die neue Regelung gegen passives Spiel. Danach hat eine Mannschaft nach Vorwarnung wegen passiven Spiels nur sechs Pässe bis zum Torwurf Zeit. "So wie sie jetzt ausgelegt wird, hilft sie den Schiedsrichtern überhaupt nicht. Es wird immer wieder Diskussionen geben, die wir nicht brauchen." Die Einführung einer Blauen Karte, um die Anfertigung eines Zusatzberichtes durch die Unparteiischen anzukündigen, hält er ebenfalls für nicht zielführend. "Die neue Regel ist unseren internationalen Freunden geschuldet, die sich nicht in englischer Sprache artikulieren können."

Vor allem die Einführung eines siebten Feldspielers dürfte für eine kleine Revolution sorgen. Der darf für den Torhüter eingesetzt werden und braucht kein farbiges Leibchen zu tragen. Dann darf aber keiner der sieben Spieler den Torraum betreten. Es kann aber jederzeit wieder ein Torhüter eingewechselt werden. "Das kann zu einem ständigen Wechseln führen und schränkt unsere Sportart ein", kommentierte schon Bob Hanning, Vizepräsident des DHB und Geschäftsführer der Füchse Berlin.

Als wenig praktisch bewertete er hingegen die Sechs-Pässe-Regel. "Aber die Durchsetzbarkeit wird schwierig. Die Schiris sind zum Teil schon jetzt überfordert. Es ist gefährlich, was ihnen zugemutet wird", sagte Hanning und bestätigt damit indirekt die Sorgen von Peter Rauchfuß. Die Blaue Karte nach einer Roten Karte, die zur Sperre für mindestens ein weiteres Spiel führen kann, lehnt auch Hanning ab. "Das ist Unsinn. Bei uns gibt es nach Roten Karten ohnehin einen Bericht. Der konnte schon bisher zu Sperren führen."

Quelle: n-tv.de

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