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Aksel Lund Svindal ist von der Konkurrenz derzeit nicht zu stoppen.
Aksel Lund Svindal ist von der Konkurrenz derzeit nicht zu stoppen.(Foto: imago/GEPA pictures)

Geisteskrank, verrückt, wahnwitzig: Norwegens Ski-Helden rocken den Weltcup

Norweger-Festspiele im alpinen Weltcup: Mit Speed King Aksel Lund Svindal an der Spitze dominieren die "Attacking Vikings" die alpine Ski-Saison nach Belieben. 13 Saisonsiege bedeuten schon jetzt nationalen Rekord. Und das Team will noch mehr.

Kjetil André Aamodt, erfolgreichster Ski-Rennläufer der Olympia-Geschichte, ist nach Jahren im Weltcup körperlich ziemlich ramponiert. Seit Neuestem quält sich der 44-Jährige aber wieder mit einem Lächeln aus dem Bett. "Ich bin ja ein echter Sportidiot. Und es ist doch herrlich, morgens mit der Gewissheit aufzustehen, dass guter norwegischer Skisport auf einen wartet", sagt Aamodt. Wie am Samstag, als Speed King Aksel Lund Svindal den Abfahrtsklassiker von Wengen gewann. Oder am Sonntag, als dort Slalom-Ass Henrik Kristoffersen triumphierte.

Es war der 13. Saisonsieg der norwegischen Mannschaft (Männer und Frauen) in dieser Saison - nationaler Rekord. Selbst zu Zeiten eines Aamodt, Lasse Kjus oder Finn Christian Jagge (elf Siege 1998/99) gab es das nicht. "Das ist wahnwitzig, wir erleben eine Goldader", schwärmt Aamodt in der Zeitung Verdens Gang, und Svindal meinte nach seinem Triumph beim Nebelrennen im Berner Oberland: "Das ist echt geisteskrank, völlig verrückt. Wir sollten das genießen."

Svindals erster Triumph am Lauberhorn hing am seidenen Faden. Weil sich der Nebel über dem 2472 m hohen Berg, der ab Startnummer 20 vor allem über der Passage "Langentrejen" lag, nicht verziehen wollte, stand das Rennen kurz vor dem Abbruch. Svindal (33) schickte Stoßgebete gen Himmel - und hatte Glück. In 1:48,79 Minuten holte er sich auf wegen Schneefalls verkürzter Strecke knapp vor Hannes Reichelt aus Österreich (0,19 Sekunden zurück) Sieg Nummer sechs in diesem Winter. Andreas Sander (Ennepetal), der bei noch guter Sicht unterwegs war, wurde guter 13.

Besser als Aamodt, Kjus und Jagge

"Ich wäre wirklich sauer gewesen, wenn abgebrochen worden wäre", verriet Svindal. Dennoch habe er "gemischte Gefühle" bei diesem Triumph. Sein Teamkollege Kjetil Jansrud, der in diesem Winter auch schon zwei Mal gewann, hatte mit Nummer 22 keine Chance mehr: Rang zwölf. "Wir sollten demütig sein und sehen, dass wir auch von den Umständen profitierten", sagte Svindal daher über die norwegische Serie, über die die Ski-Welt staunt. "Französische und deutsche Medien fragen, was um alles in der Welt da abgeht", sagte Svindal schmunzelnd, "die verstehen nicht, dass das möglich ist."

Die Mannschaft profitiert von den drei Ausnahmekönnern Svindal, Jansrud und Kristoffersen, der seinen vierten Sieg holte (Felix Neureuther wurde Fünfter). Und auch bei den Frauen tut sich was. Nina Löseth, mit bald 27 für viele schon als "ewiges Talent" abgeschrieben, gewann Anfang Januar den Slalom von Santa Caterina. "Das ist wirklich imponierend", sagt Jagge, Slalom-Olympiasieger von 1992, "ich dachte, dass unsere Mannschaft von damals nicht zu toppen sein würde. Aber die sind wirklich besser".

Aamodt, der Sport-Nerd, freut sich auf noch viele Jubeltage auf der Couch. "Für die Alpin-Mannschaft gibt es keine Grenzen mehr", sagt er, "die können 20 Rennen gewinnen". Zum Weltcup-Rekord der Schweiz wird es aber nicht reichen: Maria Walliser, Vreni Schneider, Pirmin Zurbriggen und Co. gewannen 1986/87 unglaubliche 41-mal.

Quelle: n-tv.de

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