Sport

Endspurt um die Sommerspiele 2020: Olympia-Dreikampf ist Kopf-an-Kopf-Rennen

Drei Bewerber um die Olympischen Sommerspiele 2020, zwei ernsthafte Anwärter - und viele Risiken: Bei den Abschluss-Präsentationen von Tokio, Madrid und Istanbul vor dem IOC-Wahlvolk sind die anwesenden Premierminister vor allem als Krisenmanager gefragt. Einen klaren Favoriten gibt es nicht.

Die Bewerber um die Olympischen Spiele 2020 lieferten sich auch am Wahltag in Buenos Aires ein enges Rennen um die Gunst der IOC-Mitglieder. Tokio holte während seiner abschließenden Präsentation erneut die Atomkatastrophe von Fukushima ein. Istanbul und der türkische Premier Recip Erdogan demonstrierten Weltoffenheit und Toleranz, um das Wahlvolk auf die ersten Spiele in einem islamisch geprägten Land einzuschwören. Die Spanier dagegen waren vor allem darauf bedacht, alle Zweifel an der wirtschaftlichen Leistungsfähligkeit des Landes zu zerstreuen.

Einen deutlichen Vorsprung, so schien es, hatte keiner der Bewerber. Alle drei Premierminister mussten große Bedenken zerstreuen. Istanbul, ohnehin als Außenseiter gehandelt, gelang es allerdings am wenigsten, Emotionen zu wecken und Begeisterung zu entfachen.

Spanien fällt der Strom aus

Als Spaniens Kronprinz Felipe sprach, war der Strom wieder zurück im Pressezentrum.
Als Spaniens Kronprinz Felipe sprach, war der Strom wieder zurück im Pressezentrum.(Foto: AP)

Auch Madrid tat sich schwer, stand doch die Finanzkrise im Fokus. "Alle spanischen Institutionen unterstützen Madrid 2020, und unsere finanziellen Kapazitäten sind unstrittig. Wir sind auf dem Weg der Erholung", sagte Spaniens Premierminister Mariano Rajoy und fügte hinzu: "Madrid ist ein loyaler und vertrauensvoller Partner und ergibt als Gastgeber jetzt mehr Sinn denn je." Ein Blackout im internationalen Pressezentrum hatte die abschließende Präsentation der leicht favorisierten Spanier im wahrsten Sinne des Wortes überschattet. 15 Minuten lang brach die Übertragung aus dem hermetisch abgeriegelten Sitzungssaal im Hilton Hotel von Buenos Aires ab, bis pünktlich zum Auftritt von Kronprinz Felipe wieder alles lief.

Felipe, selbst als Segler an den Spielen 1992 in Barcelona beteiligt, wertete die Krise in seinem Land "nicht als Bedrohung für die olympische Bewegung, sondern als Chance". Madrid war zuletzt mit seinen Bewerbungen um die Spiele 2012 (London) und Rio de Janeiro (2016) zweimal knapp gescheitert.

Atomruine beeinflusst Tokio

Während Tokios Präsentation wurde erneut deutlich, dass die Atomkatastrophe von Fukushima bis zuletzt das größte Problem der Japaner im Milliarden-Poker um Olympia darstellt. Demonstrativ locker und mit vielfältigen Sicherheitsgarantien bog die japanische Hauptstadt auf die Zielgerade der Bewerbung ein - doch Fukushima holte sie erneut ein.

Premierminister Shinzo Abe versicherte, die Probleme an der Reaktorruine in Fukushima, aus der zuletzt vermehrt hochradioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten war, seien lokaler Natur. Ansonsten versuchte die Delegation durchaus erfolgreich, Lockerheit zu demonstrieren und auf die zahlreichen Stärken Tokios zu verweisen: ein nahezu perfektes Transportsystem, kompakte Spiele im Umkreis von nur acht Kilometern um das Olympische Dorf, hervorragende Infrastruktur und innere Sicherheit. Zudem wurde umfangreich auf die wirtschaftliche Stabilität der Region hingewiesen.

Weltoffen, aber emotionslos

Istanbul, das sich zuvor schon viermal vergeblich beworben hatte und in Buenos Aires die erste Präsentation abgab, zeigte sich als junge, blühende Metropole. Erdogan appellierte an die IOC-Mitglieder, "gemeinsam Brücken zu bauen und gemeinsam Geschichte zu schreiben".

Der Staatschef, der wegen seines harten Vorgehens bei den jüngsten Protesten in seinem Land weltweit in der Kritik gestanden hatte, gab sich im Rahmen der 45-minütigen Präsentation vor den IOC-Mitgliedern tolerant und weltoffen, weckte aber keine Emotionen.

Quelle: n-tv.de

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