Erst ließ sich Christian Pander von den Engländern mächtig austanzen, dann traf er sie mit einem "Raketen-Tor" mitten ins Herz. Mit dem ersten Siegtreffer im neuen Wembleystadion hat sich der Schalker gleich bei seinem Länderspiel-Debüt einen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern gesichert und seinen außergewöhnlichen August-Tagen das i-Tüpfelchen aufgesetzt. "Es ist ein Supergefühl. Hier 2:1 zu gewinnen, war einfach toll", freute sich der 23-Jährige über seinen Treffer im neuen englischen Fußball-Tempel. An Lob von den Kollegen mangelte es Pander nach seinem Traumschuss nicht. "Wir wissen von seinen Qualitäten. Ich habe mir schon gedacht, dass er abzieht", sagte Vorlagengeber Philipp Lahm.
Dabei hatte der Abend in Wembley für Pander gar nicht gut begonnen und hätte sogar in einer Albtraum-Nacht enden können. Bei seinem ersten Auftritt im DFB-Trikot war der sonst so lässige Außenverteidiger zunächst überfordert. Den auf seiner Seite anstürmenden David Beckham und Micah Richards schien er hilflos ausgeliefert und stolperte beim Gegentor fast über seine eigenen Beine. "Da sehe ich nicht gut aus, aber mit dem 2:1 habe ich es ja wieder gutgemacht", sagte er.
Defizite in der Defensive
Klare Defizite im Defensivbereich waren auch Joachim Löw nicht entgangen. Doch der Bundestrainer freute sich über die geglückte Wendung: "Das Tor hat er klasse gemacht, aus dem Stand in den Winkel getroffen. Vor dem Gegentor hatte er den Zweikampf verloren, so hat er sich selbst wieder ins Spiel zurückgebracht", sagte Löw. Musikfreak Pander, der mit Freunden ein eigenes Platten-Label betreibt und sich als Hip-Hop-Fan "Funky Pee" nennt, beschrieb seinen Glücksmoment ganz nüchtern: "Ich bekomme den Ball, da habe ich gedacht, versuch draufzuhauen, wie ich es jetzt schon häufiger gemacht habe."
In der Rangordnung steht der Schalker noch hinter den Stammkräften für die linke Außenbahn, Philipp Lahm und Marcell Jansen. Da Lahm aber mittlerweile für "höhere" Aufgaben benötigt wird und Jansen vorerst verletzt ist, kann sich Pander sicher auf weitere Einladungen zum Nationalteam freuen. Das Debüt im DFB-Trikot war für den Mann aus Münster somit ein Kurz-Abriss seiner wechselhaften Karriere. Frühe Nackenschläge in Form von Verletzungen hat er gut verdaut und kann nun in eine viel versprechende Zukunft schauen.
Von Arne Richter und Jens Mende, dpa