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Claudia Pechstein hat in den vergangenen Jahren mehr Zeit vor Gerichten verbracht, als ihr lieb ist.
Claudia Pechstein hat in den vergangenen Jahren mehr Zeit vor Gerichten verbracht, als ihr lieb ist.(Foto: dpa)

"Angriff auf das Sportrechtssystem": Pechstein klagt auf Millionen

Vor dem Münchner Landgericht verklagt Claudia Pechstein die Eisschnelllauf-Verbände ISU und DESG wegen ihrer umstrittenen Dopingsperre auf Schadenersatz in Millionenhöhe. Während das Pechstein-Lager optimistisch ist, zweifeln Sportrechtler.

Claudia Pechstein geht mal wieder vor Gericht, und diesmal will sie ihren Gegnern richtig weh tun. Wenn die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin am Montag beim Landgericht München ihre Schadenersatzklage einreicht, hofft sie auf eine Entschädigung in Millionenhöhe. Doch es geht nicht nur ums Geld.

"Das ist auch ein Angriff auf das weltweite Sportrechtssystem", sagte der renommierte Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner. Gegner Pechsteins sind der Eislauf-Weltverband ISU und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). "Am Montag liegt die Klage vor, danach wird das Gericht ISU und DESG auffordern, Stellung zu nehmen", sagte Pechsteins Manager Ralf Grengel dem SID. Eine genaue Schadenersatzsumme nennt das Pechstein-Lager nicht. Dass sie im siebenstelligen Bereich liegen wird, ist laut Grengel aber "kein Geheimnis".

In München geht es um Schadenersatz wegen ihrer Dopingsperre.
In München geht es um Schadenersatz wegen ihrer Dopingsperre.(Foto: dpa)
Die DESG ist ganz entspannt

Neben der ISU zielt die Klage gegen die DESG, "denn die ist verantwortlich, dass die Sperre auch in Deutschland durchgesetzt wurde", sagte Grengel. DESG-Präsident Gerd Heinze sieht der Klage gelassen entgegen. "Ich denke, wir werden keine Probleme bekommen. Dass wir neben der ISU verklagt werden, ist aus meiner Sicht nur eine juristische Notwendigkeit", sagte Heinze dem SID. Lehner bezeichnet diese Sichtweise als "verwunderlich".

Heinze will Pechstein grundsätzlich sogar weiter unterstützen: "Wir waren nie mit dem Urteil (der ISU, Anm. d. Red.) einverstanden, deshalb haben wir auch nichts gegen diese Klage." Vertreten wird die 40 Jahre alte Pechstein von Rechtsanwalt Thomas Summerer, der bereits Leichtathletin Katrin Krabbe im Jahr 2001 zu einer Entschädigung von 1,5 Millionen Mark verholfen hat - vor dem diesmal erneut zuständigen Landgericht München.

"Die Erfolgsaussichten sind so gut wie bei Krabbe, ich bin zuversichtlich", sagte Summerer der Berliner Morgenpost. Lehner ist nicht unbedingt der Meinung seines Kollegen. "Der Fall Krabbe stammt aus einer anderen Zeit. Damals hat es den CAS noch nicht gegeben." Erst seit 2003 ist der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne in allen Dopingfällen, die auf der Grundlage des Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur verhandelt werden, die letzte Instanz. Nur das Schweizer Bundesgericht kann CAS-Urteile noch einmal prüfen.

Lehner hat Bedenken

"Ob Pechstein nach ihren zahlreichen Misserfolgen vor den Sportgerichten nun vor einem ordentlichen Gericht erfolgreich sein kann - da habe ich Bedenken", sagte Lehner: "Es wird keine einfache Sache für sie. Aber spannend wird es allemal."

Pechsteins Weg ist lang. Zunächst wird ihre Klage der ISU und der DESG zugestellt. Beide Parteien erhalten dann eine noch zu bennenende Frist für eine Reaktion. Auf die Klageerwiderung kann dann auch Pechstein noch einmal reagieren. Erst danach, möglicherweise Mitte 2013, entscheidet das Landgericht, ob es die Klage überhaupt annimmt. Doch Pechstein, das hat sie in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, hat Sitzfleisch. Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin war im Februar 2009 von der ISU wegen Indizien, die auf Blutdoping hindeuteten, für zwei Jahre gesperrt worden.

Pechstein wehrte sich, es folgte ein schier endloses juristisches Tauziehen durch sämtliche Sportrechtsinstanzen. Obwohl Zweifel an ihrer Schuld bestanden, blieb sie gesperrt. Im Februar 2011 gab sie ihr Comeback. Eine Schadenersatz-Zahlung würde Pechstein mehr als gelegen kommen. Spätestens nach dem Wegfall der Sportförderung hat sie nach eigenen Angaben große finanzielle Schwierigkeiten. "Das sind nicht nur finanzielle Engpässe, das sind schon echte Probleme", sagte Pechstein dem SID im November: "Seit 19 Monaten bekomme ich als Polizistin kein Gehalt mehr und muss auch meine Krankenkasse selbst bezahlen."

Quelle: n-tv.de

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